Weiningen
Zwei Frauen, die anpacken: Rita Sidler und Susanne Dietze sind bei traurigen und glücklichen Momenten zur Stelle

Die beiden Frauen begleiten und unterstützen andere Menschen in tragischen und freudigen Momenten. Dafür betreiben sie eine eigene Agentur mit diversen Dienstleistungen. Daneben leiten sie den Ad-hoc-Chor der reformierten Kirche Weiningen.

Cynthia Mira
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Rita Sidler und Susanne Dietze sind in Gedanken bei Trauerfeiern immer dabei. «Wir können gar nicht anders», sagt Dietze.

Rita Sidler und Susanne Dietze sind in Gedanken bei Trauerfeiern immer dabei. «Wir können gar nicht anders», sagt Dietze.

Chris Iseli

Rita Sidler und Susanne Dietze sind dank ihrer langjährigen Tätigkeit für den Ad-hoc-Chor der reformierten Kirche Weiningen in der Region bekannt. Der Gospelchor kommt jeweils für Projekte zusammen und tritt jährlich in der reformierten Kirche Weiningen nach nur wenigen Proben auf. Die Musik und die Kirche: Beides liegt ihnen am Herzen.

Sidler und Dietze sind zwei Frauen, die anpacken. Dafür haben sie zusammen die «Agentur Z» gegründet, unter dessen Dach sie verschiedene Dienstleistungen und Aktivitäten vereinen. Darunter ein Frauennetzwerk für den gemeinsamen Austausch und die Vermietung von Chorpodesten. Einen Schwerpunkt legen die Frauen darauf, zur Stelle zu sein und zu helfen, wenn Menschen emotionale Momente erleben. Dazu gehören glückliche Situationen, wie beispielsweise eine Geburtstagsfeier, aber auch traurige Momente. Etwa dann, wenn eine Abdankung ansteht. Die Arbeit ist für sie eine Herzensangelegenheit.

«Wenn Leute trauern, versuchen wir, ihnen die zusätzliche Last abzunehmen, die in einer solchen Zeit schwer wiegt und Energie kostet», sagt Sidler, die in Dietikon wohnt. «Wir geben Informationen weiter, bieten Checklisten an und listen auf der eigenen Plattform verschiedene Anbieter in Sachen Trauerfall auf.» Dafür betreiben die beiden Frauen eine eigene Trauerportal-Website, die alle Informationen vereint.

Über 250 Künstler sind auf ihrer Plattform vertreten

Ein grosses Standbein ist die Vermittlung von Musikerinnen und Musikern in diversen Konstellationen. 2016 riefen sie die Plattform zeremoniemusik.ch ins Leben. Wer einen spezifischen Wunsch für eine musikalische oder gesangliche Darbietung hat, soll hier fündig werden. Mittlerweile sind über 250 professionelle Künstlerinnen und Künstler vertreten. «Es ist vor allem die Musik, die nach einer Abdankung in Erinnerung bleibt», so Dietze, die in Dielsdorf zu Hause ist. «An die Lieder, die bei einer Beerdigung gespielt werden, erinnert man sich immer wieder und sie klingen lange nach.» Das wisse sie aus eigener Erfahrung sehr gut.

Umso wichtiger sei es, dass eine Trauerfeier genauso stattfinden könne, wie es sich die Hinterbliebenen wünschen. Oder sich an den Vorstellungen der Verstorbenen ausrichten. Die Umsetzung dieser Wünsche sei jeweils oberstes Ziel. Eine Nische sei die Plattform deshalb, weil sie Anfragen entgegennehmen würden und sich anschliessend im Gesamtpaket darum kümmern: «Die Musiker müssen nicht einzeln angefragt werden, sondern alles läuft über uns», sagt Sidler. Für sie sei es in erster Linie wichtig, in der Trauerphase Unterstützung anzubieten.

An Beerdigungen seien Trompeten oder feinere Klänge mit Gesang und einer Violine oft gefragt. Besonders in Erinnerung blieb den beiden aber eine Abdankung: «Einmal wurde für eine Beerdigung der Sechseläutenmarsch gewünscht; solche individuellen Wünsche berühren», so Sidler.

Sie sind immer erreichbar – ausser wenn sie schlafen

«Wenn eine Beerdigung stattfindet, sind wir in Gedanken immer mit dabei; wir können gar nicht anders», sagt Dietze. Mit ihrer Dienstleistung sind sie gerade im Trauerfall 365 Tage im Jahr erreichbar. «Ausser wenn wir schlafen, dann schlafen wir», betont sie und lacht. Ihr Angebot und ihr Einsatz werde geschätzt: «Wir können sagen, dass wir bisher nur positive Rückmeldungen erhalten haben», sagt Sidler. Das hänge mit der Professionalität der Musikerinnen und Musiker zusammen. «Wenn wir sie anfragen, dann wissen wir einfach, dass es funktioniert.»

Einzig die Coronapandemie habe in den letzten Monaten für manche Enttäuschungen und Verschiebungen gesorgt, sagt Dietze. «Für einen 80. Geburtstag wurde ein grosses musikalisches Geschenk organisiert.» Obwohl sie bis zu letzt auf eine Durchführung hofften, musste der Anlass doch noch abgesagt werden. «Das tat mir für die Familie besonders weh», sagt sie.

Auch den Projekten des Ad-hoc-Chors hat die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. «Wir versuchen das Gemeinsame trotzdem – etwa auf virtuellem Weg – zu pflegen», sagt Dietze. Der Chor soll trotz weiterhin herrschender Einschränkungen auf kreative Weise weitergeführt werden. Trotzdem freue sie sich, irgendwann wieder mal aufzutreten, sagt sie. «Die nächsten Singprojekte liegen schon griffbereit in der Schublade.»