Ohne eine Miene zu verziehen, wartete er, bis die Kirchenglocke fünf Uhr geschlagen hatte. Erst als der letzte Ton verklungen war, trat Conrad Zwicky hinter dem Cembalo hervor und präsentierte sich zusammen mit dem Limmattaler Kammermusikkreis dem Publikum. Ein effektvoller und wohlkalkulierter Auftritt, der damit ganz der Musik entsprach, die am Sonntagabend aufgeführt wurde.

Alles drehte sich in der Reformierten Kirche Weiningen um die Barockmusik, um geordnete Klangentfaltung, die stark auf den Effekt abzielt. Da sich just in der Barockzeit die Instrumentalmusik zu emanzipieren begann — und nicht mehr nur im Dienst der Vokalmusik stand — konnte die Limmattaler Formation auf ein grosses Repertoire zurückgreifen.

Mit grossem Feingefühl gespielt

Den Auftakt machte mit Henry Purcell ein prominenter Vertreter des Hochbarocks. Melancholische Seufzer durchzogen das Stück, immer wieder gipfelten sie in schneidenden Klagen der Geige, bis sie nach und nach verebbten und in einer sanften Melancholie zur Ruhe kamen. Die sechsköpfige Formation spielte die Pavane und Chaconne mit grossem Feingefühl. Man konnte sich wunderbar aufgehoben fühlen in dieser Musik, die nie die Schwelle zur Verzweiflung überschreitet.

Zur Fuchsjagd ausreiten

Mit Händels Suite in D-Dur für Trompete und Streichorchester änderte sich die Stimmung komplett und es ging gelaunt und heiter weiter. Philippe Litzler, der Solotrompeter im Tonhalle-Orchester Zürich ist, ergänzte als Solist die Kammermusiker. Die Suite erinnerte in ihrem Gestus an Händels «Wassermusik» — sehr feierlich und offenbar für den Hof komponiert. Man mochte sich vorstellen, wie dazu die königliche Herrschaft zur Fuchsjagd ausreitet und sich danach in einer bequemen Liege an einem Feuerwerk ergötzt.

Differenziertes Klangbild gefällt

Bei einem Streifzug durch den Barock darf der berühmte Kanon von Johann Pachelbel nicht fehlen. Das Stück wurde vom Limmattaler Kammermusikkreis vielleicht etwas gemächlich gespielt, sodass es gegen Ende ein wenig an Spannung verlor. Dennoch konnte man sich über das differenzierte Klangbild und die sehr gute Abstimmung der Musikerinnen und Musiker freuen. Denn Fehler wären bei dieser kleinen Besetzung sofort aufgefallen.

Eine hochinteressante Verquickung von Literatur und Musik bot das nächste Stück, die «Bourlesque de Quixotte» von Georg Philipp Telemann. Wie der Titel nahelegt, betritt in dieser Charaktersuite niemand Geringerer als Don Quijote die musikalische Bühne. Und so hört man ihn mit seiner Schindmähre gegen Windmühlen rennen oder — die Geige liefert die zart-verliebten Seufzer dazu — von Dulcinea, seiner imaginären Prinzessin, träumen.

«Ein ganz spezielles Erlebnis»

Das Publikum war vom Konzert-abend angetan. «Für mich war es ein ganz spezielles Erlebnis, zumal ich früher in dieser Formation mitgespielt habe», sagte Therese Rakeseder aus Unterengstringen, «vor allem haben mir die besinnlichen Stücke gefallen.»

Ähnlich positiv äusserte sich Christian Herzog, der für das Konzert extra aus Basel angereist war. «Ich bin einfach nur beeindruckt von der Energie und dem Enthusiasmus dieser Musiker.»