Weiningen
Drohne statt Traktor: Winzer setzen beim Spritzen im Rebberg auf die neuste Technik

Vier Weininger Weinbauern lassen ihre Reben in steiler Lage von einer Drohne mit Pflanzenschutzmittel berieseln. So können sie das Rutschrisiko umgehen und sich auf andere Arbeiten konzentrieren.

Sibylle Egloff
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Bauer Peter Haug und Drohnenpilot Robin Grogg beobachten den Start des Gefährts in den Weininger Rebbergen.

Bauer Peter Haug und Drohnenpilot Robin Grogg beobachten den Start des Gefährts in den Weininger Rebbergen.

Claudio Thoma

Ein Surren erfüllt den Weininger Rebberg in der Nähe des Winzerhauses. Sand wird aufgewirbelt und das Gras zwischen den Rebstöcken tänzelt im Wind. Letzterer ist keine Wettererscheinung, sondern wird von den Propellern der Drohne erzeugt, die über dem Hang schwirrt. «Es sollte möglichst windstill sein, damit das Pflanzenschutzmittel auf den Reben landet und nicht woanders. Zudem dürfen die Blätter nicht feucht sein, da so das Mittel nicht haften bleibt», sagt Rebbauer Peter Haug und blickt in die Luft. Er und die Weininger Winzer Daniel Müller, Köbi Haug und Werner Ehrsam setzen diese Saison zum ersten Mal auf technische Unterstützung beim Spritzen ihrer Weinstöcke.

Von Ende April bis Mitte August begegnet diese Drohne so manchem Jogger oder Spaziergänger im Weininger Rebberg. Vier Winzer setzen beim Spritzen auf die Unterstützung der modernsten Technik.

Sibylle Egloff

«Wegen des feuchten Wetters hat sich Mehltau auf den Blättern und sogar auf den Trauben gebildet. Sie werden leider verdorren», sagt Haug und zeigt auf die Blätter und Früchte an einem Rebstock.

Der Mehltau macht sich wegen des feuchten Wetters bereits auf den Blättern und an den Trauben der Reben bemerkbar.

Der Mehltau macht sich wegen des feuchten Wetters bereits auf den Blättern und an den Trauben der Reben bemerkbar.

Claudio Thoma

Damit sich der Pilz nicht weiter ausbreitet, verwenden die Weinbauern Pflanzenschutzmittel. «Wir wurden zum Glück vom Hagel verschont, doch auch unsere Hänge haben sich aufgrund des starken Regens mit Wasser vollgesogen. Aus Sicherheitsgründen sollten wir nicht mit dem Rebtraktor über die steilen Böden fahren. Die Rutschgefahr ist zu hoch», sagt Haug.

50 Aren werden testweise mit der Drohne besprüht

Deswegen kommt in diesem Gebiet die Drohne zum Einsatz. Haug lässt 50 Aren seines 2,5 Hektaren grossen Rebbergs seit Ende April mit dem mit acht Sprühdüsen ausgerüsteten Hexakopter besprühen. Die restliche Fläche, die weniger steil ausfällt, bearbeitet er auf traditionelle Weise.

«Daniel Müller fragte mich, ob ich die Methode ausprobieren will und ich sagte zu», erzählt Haug. Er finde es spannend, die technische Neuheit zu testen. Zudem könne damit nicht nur das Rutschrisiko umgangen werden, sondern es würden so auch Ressourcen für anderes geschaffen. «Wenn die Arbeit, die wir sonst verrichten, von der Drohne übernommen werden kann, haben wir Zeit, uns um anderes wie zum Beispiel die Laubarbeit zu kümmern.»

Spritzen ohne Risiko: Die steilen Hänge sind aufgrund des starken Regens mit Wasser vollgesogen. Die Gefahr mit dem Rebtraktor abzurutschen ist gross. Da schafft die Drohne mit acht Sprühdüsen aus der Luft Abhilfe.

Spritzen ohne Risiko: Die steilen Hänge sind aufgrund des starken Regens mit Wasser vollgesogen. Die Gefahr mit dem Rebtraktor abzurutschen ist gross. Da schafft die Drohne mit acht Sprühdüsen aus der Luft Abhilfe.

Claudio Thoma

Auch wenn die Drohne über ein GPS verfügt, ist sie nicht alleine in den Weininger Rebbergen unterwegs. Gesteuert und überwacht wird sie von Robin Grogg. Er ist als Drohnenpilot für die Firma Agrarpiloten aus dem bernischen Hellsau tätig. Diese bietet für Land- und Forstwirtschaft verschiedenste Dienstleistungen mit Drohnen an. Nach einem sechsminütigen Flug füllt Grogg die Behälter wieder mit Pflanzenschutzmittel.

Drohnenpilot Robin Grogg tauscht die leeren Spritzmittelbehälter mit vollen aus. 20 Liter Flüssigkeit kann die Drohne transportieren.

Drohnenpilot Robin Grogg tauscht die leeren Spritzmittelbehälter mit vollen aus. 20 Liter Flüssigkeit kann die Drohne transportieren.

Claudio Thoma
Weinbauer Peter Haug pflegt insgesamt einen 2,5 Hektaren grossen Rebberg.

Weinbauer Peter Haug pflegt insgesamt einen 2,5 Hektaren grossen Rebberg.

Claudio Thoma

«20 Liter fasst die Drohne bei einem Gesamtgewicht von 49 Kilogramm», sagt Grogg. Wichtig sei, dass er die Flughöhe der Drohne und das exakte Besprühen überwache und dafür sorge, dass das Gerät nirgendwo reinfliege und auch keine Personen oder Tiere gefährde. Seit 5 Uhr morgens steht Grogg in Weiningen im Einsatz.

Drohnenpilot Robin Grogg verbringt pro Einsatz rund vier Stunden in Weiningen.

Drohnenpilot Robin Grogg verbringt pro Einsatz rund vier Stunden in Weiningen.

Claudio Thoma

Wegen des Wetters muss häufiger gespritzt werden

Bis Mitte August werden er und seine Kollegen alle sieben bis neun Tage für rund vier Stunden vorbeikommen und mit der Drohne die Reben besprühen. «Normalerweise müsste man das nur alle 14 Tage tun, doch weil es so ein nasses Jahr ist, ist der Pilzbefall stärker», erklärt Haug. Weiningen ist bisher die einzige Gemeinde im Limmattal, die auf ihre Dienste setzt, doch generell kann sich die Firma kaum vor Aufträgen retten. «Wir schaffen es nicht, die Nachfrage abzudecken», sagt Grogg.

Winzer Peter Haug (links) und drei weitere Weininger Rebbauern testen die Dienstleistung der Agrarpiloten dieses Jahr zum ersten Mal aus. Drohnenflieger Robin Grogg berichtet generell von einer grossen Nachfrage.

Winzer Peter Haug (links) und drei weitere Weininger Rebbauern testen die Dienstleistung der Agrarpiloten dieses Jahr zum ersten Mal aus. Drohnenflieger Robin Grogg berichtet generell von einer grossen Nachfrage.

Claudio Thoma

Ob die vier Weininger Winzer die Agrarpiloten auch künftig engagieren werden, wird sich zeigen. «Das ist eine Testphase. Im Herbst kann ich das Ergebnis mit dem der traditionell bewirtschafteten Flächen vergleichen und dann eine Entscheidung treffen», sagt Haug. Er ist zuversichtlich, dass das Spritzen Wirkung zeigt und die grünen Trauben an den Stöcken vor dem Pilz schützt. «Ich kann nicht sagen, wie viel Wein wir produzieren werden, aber ich bin sicher, dass es einen Weininger Wein mit Jahrgang 2021 geben wird.»

Offene Weinkeller

31. Juli und 1. August

Weininger Winzer wie Peter Vogler, Hans-Heinrich Haug und Peter Haug öffnen zwischen 11 und 17 Uhr ihre Betriebe für Gäste und schenken ihre Weine zum Degustieren aus.