Schlieren
Weil Parkplätze mangeln: Nachmittags käme die Feuerwehr zu spät

Hans Ulrich Etter (SVP) ist mit der Parkplatz-Situation für die Feuerwehrleute ganz und gar nicht zufrieden. Der Schlieremer Stadtrat muss sich jetzt ein weiteres Mal mit dem Problem auseinandersetzen.

Alex Rudolf
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An ihrer Hauptübung im vergangenen September zeigte die Feuerwehr Schlieren, was sie kann. Doch der Parkplatz-Mangel neben dem Depot bereitet den Verantwortlichen Kopfweh.

An ihrer Hauptübung im vergangenen September zeigte die Feuerwehr Schlieren, was sie kann. Doch der Parkplatz-Mangel neben dem Depot bereitet den Verantwortlichen Kopfweh.

© Severin Bigler

Die Schlieremer Feuerwehr stellte ihr Können zuletzt in der Nacht auf Montag unter Beweis. Ein Mehrfamilienhaus an der Kalktarrenstrasse stand in Flammen. Noch vor dem Einsatz um zwei Uhr zeigte sich aber ein grundsätzliches Problem. Die Feuerwehrleute mussten kreuz und quer entlang der Uitikonerstrasse und auf den Parkplätzen der katholischen Kirche parkieren, um innert weniger Sekunden zum Depot zu gelangen, sagt Flavio Impusino.

Der Kommandant war zwar am Montag aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend, aber das Parkplatzproblem bestehe immer. «In solchen Situationen zählt jede Sekunde. Wäre der Brand am Nachmittag um 14 Uhr ausgebrochen, wäre sicher mehr Zeit bis zum Eintreffen vergangen», sagt er weiter. Dann wären sämtliche Parkplätze belegt gewesen. Auf die Frage, was in der Dauer der Verspätung bei einem Brand geschehen kann, antwortet er trocken: «Viel.» Es bestehe eindeutig noch mehr Handlungsbedarf.

Zu den Parkierungsmöglichkeiten der Schlieremer Feuerwehr reichte der SVP-Gemeinderat Hans Ulrich Etter im vergangenen Dezember ein Postulat ein. Denn mit der Baustelle für das neue Pfarreizentrum der katholischen Kirche und dem damit einhergehenden Verschwinden des Kiesplatzes tat sich ein Problem auf. Bei Einsätzen parkierten die Angehörigen der Feuerwehr jeweils auf dem Kiesplatz, um möglichst schnell im Depot im Büelhof auf der anderen Seite der Uitikonerstrasse zu sein. Alternative Parkplätze wurden der Feuerwehr nun nicht zur Verfügung gestellt, sodass ein Engpass entstand.

Die Exekutive handelte mit der katholischen Kirche aus, dass nach Abschluss der Bauarbeiten Angehörige der Feuerwehr bei einem Einsatz die neuen Parkplätze des Pfarreizentrums nutzen dürfen. Dies gilt allerdings erst nach Abschluss der Bauarbeiten. Wann dies ist, dazu sagte der Stadtrat nichts. Damit sah der Stadtrat den Vorstoss erledigt und beantragte dem Parlament am Montag die Abschreibung.

Zugegebenermassen handle es sich um kein einfaches Postulat, sagte Etter in seinem Votum. «Man darf diese unangenehme Frage aber nicht aussitzen und drauf hoffen, dass sich alles von selber erledigt.» So sehe der Stadtrat vor, nichts zu ändern. Er beantragte dem Parlament, den Vorstoss auf der Traktandenliste zu belassen.

Wurde Amtsgeheimnis verletzt?

Dabei sei er nicht der einzige, der Parkplätze für die Feuerwehr-Angehörigen fordere. Etter verwies auf ein Schreiben der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) an die Stadt, das ihm vorliegt und er via Hellraumprojektor dem gesamten Gemeindeparlament präsentierte. Demnach verlangte der Versicherer im Rahmen des Büelhof-Umbaus, 15 Parkplätze für die Feuerwehr-Einsätze zu erstellen. «In der Baubewilligung für das Büelhof-Projekt ist diese Auflage jedoch nicht vorhanden. Es wurden nur sechs Besucherparkplätze eingeplant», sagte Etter. Er resümierte, dass sein Postulat in keiner Art und Weise zufriedenstellend beantwortet wurde.

Nicht das eigentliche Thema, sondern der Brief des GVZ – er lag noch immer auf dem Projektor – erhitzte nun kurzzeitig die Gemüter. Der für das Geschäft verantwortliche Sicherheitsvorstand Pascal Leuchtmann (SP) schritt ans Rednerpult und sagte: «Meines Erachtens liegt hier eine Amtsgeheimnisverletzung vor. Woher haben Sie diesen Brief?» fragte er Etter, der mit den Schultern zuckte und sagte, dass er ihm zugespielt worden sei. Leuchtmann betonte, dass Etter ihn nicht hätte öffentlich machen dürfen.

Stadt prüfte Karten-Möglichkeit

Doch zurück zum Thema: Leuchtmann verwies darauf, dass die Stadt abgeklärt habe, ob nicht jedem Feuerwehr-Mitglied eine Karte für sein oder ihr Privatauto gegeben werden könne. Mit dieser hätte man das Auto im Parkverbot stehenlassen können. «Der Kanton lehnte diese Variante jedoch ab.»

Die Feuerwehr werde rund ein Mal wöchentlich zu einem Einsatz gerufen, sagte der Sicherheitsvorstand Leuchtmann weiter. «Sie hat es noch immer irgendwie geschafft, rechtzeitig beim Einsatzort zu sein.» In einer sorgfältigen Abwägung zwischen Wünschbarem, Risikoabschätzung und Kosten komme der Stadtrat zur vorliegenden Lösung und empfehle die Abschreibung.

Handelt Stadtrat fahrlässig?

Bei der Diskussion zeigte sich, dass zahlreiche Gemeinderäte Etters Bedenken teilen. So verwies Dominic Schläpfer (FDP) darauf, dass die Feuerwehr beim jüngsten Feuer von Montagmorgen Glück hatte, da die Parkplätze an der Uitikonerstrasse nicht belegt waren. Dass Leuchtmann sage, es habe bislang immer irgendwie geklappt, bezeichnete Schläpfer als fahrlässig.

«Dass sich Feuerwehrleute erst um einen Parkplatz kümmern müssen, bevor sie den Einsatz für die Stadt antreten können, darf doch nicht wahr sein», sagte Gaby Niederer vom Quartierverein. In Basel wäre dieser Umstand Sujet einer Schnitzelbank. Niederer wollte wissen, ob nicht ein neues Feuerwehrdepot an der Wiesenstrasse erstellt werden könnte. Dort verfüge die Stadt über eigenes Land und es habe genug Platz. «Es reicht, wenn die Kirche im Dorf bleibt. Beim Feuerwehrdepot ist dies nicht zwingend.» Leuchtmann bezeichnete dies als die teuerste Variante, die es zur Problemlösung gibt.

Schliesslich stimmte der Gemeinderat mit 24 zu 10 Stimmen gegen die Abschreibung des Postulates.