Die Einzelrichterin will in der mündlichen Urteilsbegründung gerade sagen, dass sie die Aussagen der beiden beteiligten Polizisten als glaubhaft einstufe. Doch mitten im Satz muss sie abbrechen; dem Mann, der vor ihr sitzt, platzt da der Kragen. Er habe die Schnauze voll, sagt der 60-Jährige. «Ich habe keine Nerven für all das», schiebt er im Aufstehen nach. Das sei eine bodenlose Frechheit, meint er noch, bevor die Tür zuknallt.

Von den beiden Kantonspolizisten hält der Mann nämlich nichts. Das seien «Schnudergoofe» und «Lölibuebe», hatte er in der Befragung vor dem Dietiker Bezirksgericht ausgeführt. Denn der eine habe gelogen, was das Zeug halte. Der andere habe seinen Kollegen einfach gedeckt.

Er habe bislang alle Bussen bezahlt, die er erhalten habe, erklärte der Limmattaler vor dem Gericht. Auch die jetzt umstrittene, derentwegen er vor das Gericht gezogen ist, hätte er ohne zu reklamieren gezahlt – wenn er denn einen Fehler gemacht hätte. Sollte diese ungerechtfertigte Busse bestehen bleiben, werde er sie bis zur letzten Instanz anfechten, sagt er. Und auch die Polizisten würden noch von ihm hören, er wolle sie anzeigen.

Die Busse über 150 Franken geht auf den 16. März 2018 zurück. Der Limmattaler soll sich bei einer Kontrolle renitent verhalten haben. Laut den knappen Angaben im Strafbefehl soll er gegenüber den beiden Kantonspolizisten von Beginn an äusserst gereizt aufgetreten sein sowie «unsachliche Kommentare» abgegeben und auch Kraftausdrücke verwendet haben. Zudem soll er einfach aus dem Auto gestiegen sein und die Anordnung, sich wieder in sein Fahrzeug zu setzen, missachtet haben. «Nichtbefolgen polizeilicher Weisungen» und «Störung der polizeilichen Tätigkeit» wird ihm im Strafbefehl vorgeworfen.

Ein vermeintliches Fahrverbot

«Das entspricht alles nicht der Wahrheit», entgegnete der Mann vor Gericht. Er sei ganz legal von Uitikon nach Urdorf gefahren; auf dem Schleichweg, der als Ho-Chi-Minh-Pfad bekannt ist, sei er weder zu schnell noch angetrunken unterwegs gewesen. Dennoch forderten ihn die beiden Kantonspolizisten, die in einem Zivilfahrzeug hinter ihm herfuhren, zum Anhalten auf. Als Vielfahrer, der schon oft in Kontrollen geraten sei, sei er natürlich im Wagen sitzengeblieben und habe das Seitenfenster heruntergelassen, um sogleich seine Papiere zeigen zu können, sagte der Mann vor Gericht.

Der Polizist, der sich zu ihm hinunterbeugte, habe ihm dann vorgeworfen, ein Fahrverbot missachtet zu haben. «Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass um diese Zeit um 16.45 Uhr kein Verbot besteht, die Barriere wird erst um 22 Uhr geschlossen.»

Doch der Polizist habe nicht mit sich reden lassen; er habe vielmehr in eine Richtung gezeigt und gefragt, ob er denn jene Verkehrstafel nicht sehe. Doch von seinem Standort aus, weit am Strassenrand im Auto sitzend, habe er sie nun wirklich nicht erblicken können, erinnerte sich der Limmattaler vor Gericht. «Deshalb bin ich dann ausgestiegen, um mich umzusehen.» Bei der Tafel, die der Polizist meinte, habe es sich um ein Einbahnschild gehandelt – aber in die Richtung, in die er gar nicht gefahren war.

Als er dann dem zweiten Polizisten, der etwas weiter entfernt stand, die Situation ebenfalls erklärt habe, habe der andere plötzlich laut geschrien, dass er sich in sein Fahrzeug setzen soll. Dieser Aufforderung folgte er zunächst nicht, wie der Mann vor Gericht einräumte: Er habe dies auch gar nicht müssen. «Der zweite Polizist hat mich ja auch nicht weggeschickt, er wollte meine Erklärungen zu Ende hören.» Zudem hatte er da seine Papiere längst zurückerhalten, die Kontrolle sei damit abgeschlossen gewesen. «Ich bin ein freier Bürger, ich könnte bis Mitternacht an jener Stelle im Freien stehen.»

Vor Gericht zeigte sich der Mann verwundert, was ihm im Strafbefehl alles vorgeworfen werde, was ihm die Polizisten alles angedichtet hätten. «Hätte ich sie wirklich beschimpft, dann hätten sie mich doch zivilrechtlich belangt», meinte er. Und er verwies auf einen Zeugen, einen weiteren angehaltenen Autofahrer, der seine Version bestätigt habe. «Der Polizist hätte doch nur seinen Fehler eingestehen müssen, dass hier kein Fahrverbot besteht.» Aber dazu sei dieser nicht erwachsen genug gewesen, dazu habe er nicht die Grösse gehabt, deshalb habe er ihm dann diese andere Busse angehängt, vermutet der Mann.

Keine Beweise für Kraftausdrücke

Die Einzelrichterin gelangt am Ende zu einem Teilfreispruch und reduziert die Busse von 150 auf 100 Franken. Dass sich der Mann querulatorisch und aggressiv verhalten habe, das sei im Strafbefehl nicht genügend nachgewiesen, führt sie in ihrer Urteilsbegründung aus.

Dass er aber vorsätzlich gegen Artikel 27 des Strassenverkehrsgesetzes verstossen hat, wonach «die Weisungen der Polizei zu befolgen» seien, erachtet das Gericht als bewiesen: Aus welchen Gründen, das bleibt, weil der Gebüsste den Saal mitten in den Ausführungen verlässt, vorerst unbekannt. Die Begründung wird sich erst im schriftlichen Urteil finden, wenn denn ein solches verlangt wird.