Birmensdorf
Weil der Wald unter Stress steht, muss der Mensch jetzt eingreifen

Nach sieben Jahren Arbeit stellen die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft sowie das Bundesamt für Umwelt die Ergebnisse ihres Forschungsprogramms «Wald und Klimawandel» vor.

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Er hat Bedeutung als Erholungsraum, Schutz und Wirtschaftsfaktor: Aber der Schweizer Wald steht unter Stress. Az Archiv

Er hat Bedeutung als Erholungsraum, Schutz und Wirtschaftsfaktor: Aber der Schweizer Wald steht unter Stress. Az Archiv

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Auf den Wald kommen grosse Herausforderungen zu. Bäume, die heute keimen, werden aufgrund des Klimawandels bereits im mittleren Alter in einem stark veränderten Klima leben. Welche Auswirkungen hat das für den Wald, und inwieweit kann man Gegensteuer geben? Diesen Fragen ging seit 2009 das Forschungsprogramm «Wald und Klimawandel» des Bundesamts für Umwelt (BAFU), der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und weiterer Forschungsinstitute nach (siehe Zweittext rechts). Am Montag wurden die Resultate anlässlich einer Fachtagung im Birmensdorfer Wald nahe der WSL vorgestellt.

Was wurde erforscht?

Ziel des von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) 2009 lancierten Forschungsprogramms «Wald und Klimawandel» war es, Wissensgrundlagen und Entscheidungshilfen für Förster und Waldeigentümer zu erarbeiten. Mehr als 40 Projekte wurden durchgeführt und mit den Erkenntnissen der internationalen Forschung verglichen oder angereichert. Beteiligt waren unter anderen auch die Universität Basel, die ETH Zürich, das Paul-Scherrer-Institut in Villigen AG und die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Zollikofen BE. Der Beitrag des BAFU an das Forschungsprogramm beträgt elf Millionen Franken. Die WSL und weitere Forschungsanstalten investieren beträchtliche Eigenmittel. (GAH)

Die globale Erwärmung wird dem Schweizer Wald stark zusetzen. Dadurch werden in den kommenden Jahrzehnten seine wichtigen Aufgaben gefährdet. Der Wald ist nicht nur Erholungsraum. Er schützt auch vor Naturgefahren wie Lawinen und liefert Holz als Rohstoff wie Energieträger. Der Klimawandel laufe so schnell ab, dass fraglich sei, ob sich der Wald ohne menschliche Eingriffe daran anpassen und seine vielfältigen Leistungen weiterhin erbringen kann, hiess es auf der Medienkonferenz. Seit Beginn der Industrialisierung beträgt die Erwärmung in der Schweiz bereits rund 1,9 Grad Celsius. Mit der im Klimaabkommen von Paris angestrebten Begrenzung der Erwärmung auf global 1,5 bis 2 Grad werden noch weitere 1 bis 2 Grad dazukommen. Mit gravierenden Folgen. Die Vegetationszonen werden sich um 500 bis 700 Meter nach oben verschieben. Steigende Temperaturen und Trockenheit setzen den Wald unter Stress, erhöhen die Waldbrandgefahr und fördern den Schädlingsbefall, etwa durch Borkenkäfer.

Die Forschungen unterstreichen, wie wichtig es ist, dass Förster und Waldeigentümer ihre Waldpflege bereits heute auf diese zukünftigen Klimabedingungen ausrichten. Zentraler Punkt ist hier zum einen, die Vielfalt der Baumarten zu fördern. Zum anderen sind vor allem die Eigenheiten des Standorts zu beachten, wie etwa Dicke des Bodens, dessen Wasserversorgung oder die Ausrichtung der Bäume zur Sonne (Hangexposition). Alle Faktoren wechseln oft auf kleiner Fläche. «So lassen sich auf kleinflächig aufgelösten Standortkarten Bereiche darstellen, in denen auch die klimasensitive Fichte weiterhin gedeihen kann», so die WSL. Zur Zeit werden Baumarten-Empfehlungen in Waldtests überprüft. Denn die Forschungen sind nicht abgeschlossen. «Wir bleiben weiterhin am Ball», meinte Konrad Steffen, Direktor der WSL, am Montag.

Buchtipp Das Buch «Wald im Klimawandel» fasst den Kenntnisstand zusammen. Haupt Verlag Bern, 447 Seiten, 58 Franken, erhältlich ab Dezember.