Winter im Jugendhaus
So verbringen die Limmattaler Jugendlichen den zweiten Coronawinter

Verzögerte Berufswahl, Sorge um das Leben nach Covid und die Zertifikatspflicht: Das beschäftigt die Jugendlichen in der Winterzeit.

Lydia Lippuner
Drucken
Erschwerende Umstände im Jugendtreff: Das chillige Zusammensein auf den Sofas im Treff ist nicht mehr selbstverständlich für alle.

Erschwerende Umstände im Jugendtreff: Das chillige Zusammensein auf den Sofas im Treff ist nicht mehr selbstverständlich für alle.

Severin Bigler

Einige Jugendliche stehen wie gewohnt vor dem Bahnhof, andere hängen lustlos vor einem Limmattaler Testzentrum. Es ist nun bereits der zweite Winter, in dem die Jugendlichen auf vieles verzichten müssen. Wir haben bei einigen Limmattaler Jugendhäusern nachgefragt, wie sich die Coronamassnahmen auf die Jugendlichen auswirken.

In Schlieremer Jugendtreff Kube sind dieses Jahr sowohl das Kerzenziehen als auch das Jahresabschlussessen ausgefallen. Corona hinterliess aber nicht nur im Programm Spuren, auch die Eintrittsbedingungen veränderten sich. So müssen die Über-16-Jährigen ein Zertifikat vorweisen und im Innenbereich gilt für alle Maskenpflicht. «Das Team der Fachstelle Jugend hat sich überdies freiwillig den Pooltests der Schule Schlieren angeschlossen und lässt sich somit einmal in der Woche testen», sagt Michael Koger, Leiter des Kube.

Die Gefahr besteht, dass Jugendliche abtauchen

Die Verschärfung der Situation kommt für die Jugendlichen zu einem ungünstigen Moment: Denn gerade im Winter sei es ihnen besonders wichtig, einen warmen Ort für ein gemeinsames Treffen zu haben. «Regelmässig sitzen die ungeimpften Über-16-Jährigen vor der Türe und möchten gerne eingelassen werden», sagt Koger. Für diese Jugendlichen, die sich oft aufgrund familiärer Prägung oder Informationen aus Youtube nicht impfen liessen, sei die Zeit besonders hart. «Sie verlieren den Anschluss. Ungeimpfte Jugendliche tauchen ab. Da wir die Beziehung nicht aufrechterhalten können, wissen wir nicht, wie es ihnen geht», sagt Koger.

Aufgrund dieser Umstände bangt er sowohl um die psychische Gesundheit als auch um die Zukunft dieser Jugendlichen. «Viele Jugendliche sind aktuell von unseren Hilfsangeboten ausgeschlossen», sagt er. Dies sei nicht nur für den Moment problematisch, sondern könne auch zu weiteren Problemen im Verlauf ihres Lebens führen.

Jugendliche haben Sorgen um ihre Zukunft

In anderen Jugendtreffs tönt es ähnlich. So gibt die Oberengstringer Jugendbeauftragte Sandra Jenny zu Protokoll, dass der Jugendtreff weiterhin offen sei, man aber pandemiebedingt auf besondere Angebote verzichte. «Wir sind froh und dankbar, wenn wir den Treff weiterhin geöffnet haben dürfen», so Jenny. Dabei sei es vor allem das Ziel, Beziehungen zu knüpfen und diese aufrechtzuerhalten.

«Die Jugendlichen machen sich viele Gedanken und Sorgen um ihre Zukunft, Berufswahl, Gesundheit, die Gesellschaft und das Leben nach Covid», sagt Jenny. So sei die Nachfrage nach Beratungen und Lehrstellencoachings gestiegen. «Viele konnten noch keine Schnupperlehre absolvieren und sind darum eher verhalten und etwas verzögert bei ihrer Berufsfindung.» Um den Kontakt zu halten, sei das Team auch auf den sozialen Medien präsent und erreichbar.

Jugendarbeiter als Polizisten

Die Zeit ist auch für die Sozialarbeiter schwierig. Das lassen viele Jugendarbeiter durchblicken. Es falle ihnen beispielsweise sehr schwer, Jugendliche ohne Zertifikat nicht in den Treff zu lassen und die Maskenpflicht durchzusetzen. Sarah Aemisegger, Leiterin des Jugendtreffs Geroldswil, sagt: «Das ist auch für die Jugendarbeitenden nicht ganz einfach, da sie ein wenig zu Polizistinnen oder Polizisten werden.»

Dabei wolle sie, soweit es möglich ist, trotz der aktuellen Covid-Situation offen sein für alle Jugendlichen. «Ich denke, dass es den Jugendlichen in der momentanen Zeit wichtig ist, sich auszutauschen und bei Fragen und Problemen an uns Jugendarbeitende zu gelangen», sagt sie. Dies werde von den Jugendlichen nach wie vor geschätzt.

Aktuelle Nachrichten