Ein roter Weihnachtsbaum funkelt im Schein der Lichterkette, Weihnachtsfiguren und Sterne zieren den Raum und im Hintergrund läuft Musik. Im Club Eden in Schlieren sieht es fast so aus wie an einer ganz normalen Weihnachtsfeier. Nur der Dresscode ist etwas freizügiger.

«Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Familie. Da sollte niemand allein sein», sagt die Bordellbesitzerin Mona. Deswegen sei es ihr auch besonders wichtig, 365 Tage im Jahr geöffnet zu haben. «Die Gäste suchen bei uns die Nähe, die sie in ihrem Alltag nicht zu spüren bekommen und vermissen.»

Das Klischee, dass nur Männer ins Bordell kämen, die ihre Frauen betrügen, stimme nicht, meinen auch die Eden Girls. «Es gibt viele, die nicht bindungsfähig sind oder keine Partnerin finden und sich trotzdem nach etwas Zuneigung und körperlicher Nähe sehnen.» Viele kämen auch einfach zum Reden oder bräuchten jemanden, der sie mal in den Arm nimmt. «Bei uns bekommen die Männer Liebe auf Zeit», so Mona.

Die Kundschaft unterscheide sich an Weihnachten nicht wirklich von anderen Tagen. «Es kommen besonders viele Alleinstehende zu uns. Familienväter verbringen den Abend eher mit ihren Angehörigen, kommen aber nach der Feier mit der Familie nicht selten auch noch vorbei.

Wenn es zu Hause Streit gegeben hat, sind viele froh, einfach nur bei uns zu sitzen und etwas zu trinken», sagt Mona. An Weihnachten suchen aber auch viele Andersgläubige das Bordell auf. «Für sie ist der 25. Dezember ein ganz normaler Tag, aber alle Geschäfte sind geschlossen. Dann kommen sie eben zu uns.»

Eine Familie für die Mädchen

Jedes Jahr kocht die Puffmutter Mona ihren «Töchtern» am 24., 25. und 26. Dezember ein mehrgängiges Weihnachtsessen. Dieses Jahr will aber Ella ihre Kolleginnen mit einem rumänischen Festmahl verwöhnen. Sie feiert an Heiligabend ihren Geburtstag – und verbringt ihn im Bordell. Auch Geschenke für die Mädchen legt Mona an Weihnachten unter den roten Tannenbaum. «Ich habe mir für jede einzelne etwas Persönliches ausgedacht», sagt die Bordellbesitzerin.

«Viele von ihnen haben niemanden zu Hause, mit dem sie Weihnachten verbringen können. Auch sie sind froh, an dem Abend nicht alleine zu sein.»
An Silvester schliesst der Club Eden seine Türen aber um 21 Uhr.

«Die Frauen wollen auch ein bisschen feiern», so Mona. Sie betreibe ein eher kleines, traditionelles Bordell. Maximal arbeiten dort zwölf Frauen. «An Silvester sind es ungefähr sechs, da können wir keine grosse Party veranstalten.»

Intime Atmosphäre

Der Soprano-Club in Urdorf hingegen ist ein etwas grösserer Betrieb. An Silvester wird dort bei einer Party angestossen, zusammen getanzt, gefeiert und gegessen. An Weihnachten geht es in dem Bordell jedoch etwas ruhiger zu und her. «An Heiligabend wird es bei uns intim – aber nicht im sexuellen, sondern im familiären Sinne», sagt Panda, ein Mitarbeiter des Bordells.

Auch im weihnachtlich geschmückten Soprano-Club werden die Gäste 365 Tage im Jahr verwöhnt.

«Wir sind dann für die Gäste da, aber die Frauen nehmen keine Männer mit aufs Zimmer.» Es kämen dann vor allem Männer, die keine Familie haben. Zusammen mit den Frauen und den Mitarbeitern sitzen sie alle in der Küche zum Weihnachtsessen, verbringen den Abend in Gemeinschaft und unterhalten sich. «An Weihnachten kehren einige Frauen zu ihren Familien zurück. Aber es gibt auch viele, die zu Hause niemanden haben», sagt Panda. «Dieses Jahr werden insgesamt 13 Frauen hier sein.»

Rumänin Rebecca verbringt das Fest der Liebe auch im Soprano-Club. Ihre Familie wisse nicht, dass sie in der Schweiz in einem Bordell arbeite, verrät sie. «Wenn ich mit meinen Eltern skype, gehe ich immer in den Waschraum. Sie denken, ich arbeite als Zimmermädchen in einem Hotel und wasche gerade die Bettwäsche.»

Den meisten Frauen gehe es ähnlich wie ihr, die wenigsten erzählen Verwandten und Bekannten von ihrem Beruf. Dennoch haben ihn hier alle frei gewählt. «Wenn ich es schrecklich finden würde, wäre ich ja nicht mehr hier», meint eine Psychologiestudentin aus Rumänien, die sich mit ihrer Arbeit im Bordell das Studium finanziert. «Die Frauen müssen sich bei uns auch wohlfühlen», meint Panda.

«Egal wie schön sie ist, wenn es einer nicht gut geht, dann strahlt sie das ungewollt auch aus und hat keine Kunden.»