Der Winter galt als stürmisch, damals im Jahr 1523 in Weiningen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Während des damaligen Bildersturms in der Kirche – die Zerstörung heiliger Bilder im Zuge der Reformation – stand Pfarrer Georg Stäheli im Zentrum der Aufregung.

Der katholische Landvogt von Baden wollte den Gottesmann verhaften lassen, aber engagierte Pfarreimitglieder wussten dies zu verhindern – die Rede ist vom «Weininger Handel». Ein historisches Ereignis, das Stoff für eine Adventsgeschichte aus der Feder von Heinz Lüthi lieferte.


Der Autor und ehemaliges Mitglied des «Cabaret Rotstift» veröffentlichte gerade seinen neuen Band «Drei Weihnachtsgeschichten aus dem Alten Zürich» und stellte diesen am Donnerstag in der Stadt- und Regionalbibliothek Dietikon vor.

Lüthi gelang das Kunststück, das eingangs erwähnte Ereignis mit einer fiktiven Episode zu bereichern – betitelt als «Weininger Weihnachtsgeschichte». «Man muss sich bewusst sein, dass damals viele kulturelle Güter zerstört wurden», sagte er nachdenklich. Insofern scheint es mutig, dies in eine Adventserzählung mit einzubeziehen. «Weihnachten hat für mich persönlich auch etwas Versöhnliches», so Lüthi. Und so endet denn auch die Episode von Pfarrer Stäheli.

Heinz Lüthi und sein Vers über alte Waggons auf dem Abstellgleis

Heinz Lüthi und sein Vers über alte Waggons auf dem Abstellgleis


Wie ein Licht in dunkler Nacht


Die zwei weiteren Geschichten ereignen sich ebenfalls vor historischem, ja sogar düsterem Hintergrund. So wird in «Weihnacht im Ried oder der Ustertod» im Jahre 1668, als die Pest unzählige Menschenleben forderte, ein krankes Mädchen gerettet. Der Bockenkrieg von 1804 ist in der finalen Episode «Schirmensee» die bewegte Kulisse. «Das war damals kein simpler Räuberkrieg», erinnerte Lüthi.

Diesem Blutvergiessen stellt er einen Mann gegenüber, der dank Witz und Einsatz an Weihnachten das Herz einer Frau erobert. Es scheint, als wolle der Autor nachträglich ein Licht in jenen dunklen Nächten erhellen lassen.


Lüthi vermied es in seinen Worten, kitschig zu werden. Sein Stil ist eher nüchtern; seine Herangehensweise an die Charaktere liebevoll. Dies geht auch aus anderen Episoden hervor, die er an diesem Abend vorlas. Musikalisch an der Drehorgel von der Bibliothekarin Vreni Fischbacher begleitet, erzählte er von der «Ananas seines Vaters», deren exotischer – und in seiner Kindheit seltener – Geschmack ihn noch immer fasziniere.

Lüthi erinnerte sich auch an seine Kindheit im Seefeld, eine Zeit, die er als paradiesisch beschrieb. Er berichtete vom «Unzerstörbaren Geheimnis» und liess damit den Glauben an das Christkind neu aufleben.


Lüthi, der 33 Jahre lang in Weiningen als Primarlehrer arbeitet, heute aber in Richterswil lebt – er bezeichnet sich selbst als «Wassermensch» – kehrt gerne ins Limmattal zurück. Und er denkt bereits an sein nächstes Buchprojekt. Die «Limmattaler Chronik» hat er bereits niedergeschrieben, diese biete aber Stoff für vielerlei neue Geschichten, wie er durchblicken liess. Schliesslich sei das Buch an sich die beste Geliebte, die es geben kann, wie er zum Schluss des Abends verkündete. Weitere Tuchfühlungen mit dem geschriebenen Wort versprechen also einiges.