Kloster Fahr
Weiden werten Landschaft entlang der Limmat auf

Was seit kurzer Zeit an der Limmat beim Kloster Fahr wächst, macht seinem Namen keine Ehre. Die frisch gepflanzten Kopfweiden haben nämlich noch keinen Kopf, sondern sind nicht mehr als kahle, astlose Baumstämme, die nach rund 2,5 Metern abrupt enden

Bettina Hamilton-Irvine
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An der Limmat beim Kloster Fahr wurden 15 neue Weiden gepflanzt
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Weiden werten Landschaft entlang der Limmat auf
Die Kopfweiden verdanken ihren Namen dem verdickten Kopf
Kopfweiden sind heute weitgehend aus der Landschaft verschwunden
Kopfweiden sind Weiden, deren Stamm abgesägt wurde
Als Arten werden dazu meist Silberweiden oder Korbweiden verwendet
Kopfweiden bieten Lebensraum für viele Insekten wie dem Brombeerzipfelfalter
Sonnenanbeter an der Limmat müssen sich nicht sorgen, die Bäume werden wenig Schatten spenden

An der Limmat beim Kloster Fahr wurden 15 neue Weiden gepflanzt

Jürg Krebs

Dies wird sich jedoch bald ändern, wie Marco Sacchi, Geschäftsführer des Vereins Naturnetz, erklärt. Sobald sie genug gross sind, werden die Weiden - 10 davon sind Silberweiden, 5 sind Korbweiden - zu sogenannten Kopfweiden geschnitten. «Mit ihrem verdickten Kopf stellen sie ein uraltes naturlandschaftliches Merkmal dar», sagt Sacchi.

Nicht nur die Korbweiden, die man früher zum Flechten von Körben verwendet habe, seien heute jedoch grösstenteils aus der Landschaft verschwunden, sondern auch die Silberweiden. Dieser Entwicklung will der im Kloster Fahr angesiedelte Verein Naturnetz mit dem Pflanzen der Bäume entgegenwirken.

Ein temporäres Zuhause für Insekten

Die Weiden bedeuten jedoch nicht nur eine kulturhistorische Aufwertung der Landschaft, sondern auch eine ökologische. «Die Kopfweiden sind sehr wichtig für viele Tiere als erste Nektarlieferanten», sagt Sacchi. Bereits Ende Februar oder Anfang März könnten sich Honigbienen oder Schmetterlinge im besten Fall ihren Nektar holen - lange bevor andere Pflanzen bereit seien.

«Wenn die Weiden grösser sind, bieten sie ausserdem Lebensraum für viele Tiere», erklärt Sacchi. Die Silberweide sei sogar Schweizermeister, so Sacchi: Sie bietet mehr als 1000 Insektenarten ein temporäres Zuhause. «Darunter sind jedoch keine, vor denen man sich fürchten muss», sagt Sacchi.

Auch Sonnenanbeter, die nun zu viel Schatten entlang der Limmat befürchten, dürfen beruhigt werden. Laut Sacchi werden die Weiden, die man auf einer Höhe von etwa 2,5 Metern belassen wird, nur sehr wenig Schatten spenden. «Man wird höchstens ein wenig den Kopf in den Schatten legen können», sagt der Naturnetz-Geschäftsführer.

Kloster Fahr befürwortet Projekt

So sollten die Weiden niemandem in die Quere kommen; auch nicht dem kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel), in dessen Zuständigkeitsbereich sie sich befinden. Man habe die Abstände zwischen den Bäumen absichtlich so berechnet, dass Arbeit entlang der Limmat auch mit Maschinen nach wie vor problemlos möglich sei, erklärt Sacchi.

Auch beim Kloster Fahr, auf dessen Land die Weiden stehen, sei man mit dem Projekt «auf offene Ohren gestossen»: «Sie sind an einer Aufwertung der Landschaft sehr interessiert», so Sacchi.