Schlieren

Wegen Umstrukturierung: Sechs Sozialarbeiter bangen um ihre Jobs

Die Angestellten vermuten, es komme zu sechs Entlassungen.

Die Angestellten vermuten, es komme zu sechs Entlassungen.

Der Schlieremer Stadtrat will den Bereich für Zusatzleistungen auslagern. Das letzte Wort hat jedoch das Parlament.

In der Schlieremer Sozialabteilung bleibt, so scheint es, kein Stein auf dem anderen. Nachdem der Stadtrat vor einigen Wochen umfassende Neustrukturierungen beschlossen hatte (die «Limmattaler Zeitung» berichtete), wird nun klar, dass es dabei nicht bleibt. Wie anonyme Quellen gegenüber der «Limmattaler Zeitung» bestätigen, beabsichtigt der Stadtrat den Bereich Zusatzleistungen zu streichen und den Auftrag an ein externes Unternehmen zu vergeben. Sechs Stellen im Stadthaus sind davon betroffen. Man fürchte sich im Team nun vor Kündigungen, sagt die Quelle weiter. Der Bereich Zusatzleistungen ist die Anlaufstelle für Personen, die eine IV- oder AHV-Rente beziehen, mit diesem Geld aber nicht auskommen. Sie haben Anspruch auf Zusatzleistungen, welche die Gemeinden entrichten müssen.

Bei den betroffenen Angestellten handle es sich um langjährige Mitarbeiter: «Eine Person befindet sich im Mutterschaftsurlaub, eine andere erwartet bald ein Kind», heisst es weiter. Das Team sei schockiert, da man von der Auflösung der Abteilung via Mail erfahren habe und nun vor einer finanziell ungewissen Zukunft stehe. «Erst wurde uns versichert, es komme zu keinen Kündigungen, doch dann kam die Forderung, die Angestellten sollen der Geschäftsleitung Vorschläge unterbreiten, wie weiter vorgegangen werden solle», sagt die Quelle weiter. Fest stehe: «Mit der Auslagerung lässt sich nur Geld sparen, wenn man den bisherigen Angestellten kündigt und somit den Personalaufwand reduziert». Auch für Kündigungen spreche, dass bisher noch niemandem eine neue Stelle oder eine Abfindung angeboten worden sei.

Sorgen macht sich die Quelle aber nicht nur um die eigene Zukunft und um jene der Teamkolleginnen- und Kollegen. Auch Klientinnen und Klienten würden die Auslagerung zu spüren bekommen. So sollen die aktuell rund 630 laufenden Fälle neu von der Sozialversicherungsanstalt (SVA) in Zürich betreut werden, wie intern bekannt gegeben wurde. Zwar solle es noch eine Anlaufstelle in Schlieren geben, «doch für vertiefte Abklärungen müssten die Klienten nach Zürich reisen, was nicht für alle eine leicht zu bewältigende Aufgabe ist», sagt die Quelle.

Auslagerung gilt ab Juli des kommenden Jahres

Bei der Stadt hält man sich ­bedeckt. Stephan Bloch, Ab­teilungsleiter Soziales der Stadt Schlieren, bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung schriftlich nur, dass der Stadtrat in seiner Sitzung vom 23. September beschlossen hat, die Durch­führungsstelle für Zusatzleistungen per 1. Juli 2021 auszulagern. Der entsprechende Beschluss werde am Mittwoch auf der Website der Stadt aufgeschaltet. Ab dann werde man Fragen zu diesem Schritt beantworten.

Das letzte Wort ist jedoch noch nicht gesprochen. So wird das Stadtparlament noch über diese Restrukturierung entscheiden und den stadträtlichen Plänen allenfalls einen Riegel vorschieben. «Wir hoffen, das Parlament stellt sich auf die ­Seite der Angestellten und der ­Bezüger», sagt die Quelle.

Wie bereits im Sommer bekannt wurde, setzt der Stadtrat künftig auch auf verschärfte Kontrollen in der Sozialabteilung. Auf diese Weise soll bei Ausgaben geprüft werden, ob ­allenfalls gar nicht die Stadt ­verantwortlich ist und ob Gelder für ungerechtfertigt entrichtete Zahlungen zurückgefordert werden können. Dazu sollen die Stellenprozente um 285 auf 3175 aufgestockt werden. Mit dem zusätzlichen Personal soll eine bessere Systematik sichergestellt werden können, hiess es damals. Total liess sich die Stadt die Massnahmen rund 800000 Franken kosten, wovon nur 450000 Franken wiederkehrende Kosten sind.

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