Unterengstringen
Wegen Ukraine-Konflikt: Keine Kranzniederlegung am Russendenkmal

Der Gemeinderat verzichtet auf die Kranzniederlegung am Dorffest. Das Dorf soll nicht mit der politischen Konflikt verbunden werden. Konstantin Nefedov, russischer Konsul in Bern, bedauert den Entscheid, akzeptiert ihn aber.

Sandro Zimmerli
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Am Dorffest 2004 wurde die Gedenkstätte mit einer grossen Feier eingeweiht.

Am Dorffest 2004 wurde die Gedenkstätte mit einer grossen Feier eingeweiht.

mke

Eigentlich hätte es einer der Höhepunkte am Unterengstringer Dorffest werden sollen – die Kranzniederlegung einer russischen Delegation am Russendenkmal samt Defilee der Suworow-Kadetten durch das Festgelände. Normalerweise findet der Gedenktag am 25. September statt. Weil das Dorffest vom 26. bis zum 28. September dauert, waren die Kosaken und die russische Botschaft dieses Jahr ausnahmsweise bereit, die Kranzniederlegung zu verschieben.

Doch dieser Punkt ist mittlerweile aus dem Programm gestrichen. Die Weltpolitik hat nun auch Unterengstringen erreicht. Wegen des anhaltenden Konflikts zwischen Russland und der Ukraine hat der Gemeinderat entschieden, die vorgesehene spezielle Gedenkfeier zum 10-Jahres-Jubiläum der Gedenkstätte im Rahmen des Unterengstringer Dorffestes zu verzichten.

«Unter den gegebenen Umständen ist es nicht opportun, einen solchen Anlass durchzuführen. Wir wollen unser Dorffest nicht mit der politischen Situation in der Ukraine vermischen», sagt Gemeindepräsident Peter Trombik. Zumal der Gedenktag an die zweite Schlacht von Zürich im Jahr 1799 ja ausdrücken soll, dass so etwas nicht wieder geschehen dürfe.

Auf der russischen Botschaft hat man den Entscheid aus Unterengstringen zur Kenntnis genommen, wie Konsul Konstantin Nefedov auf Anfrage erklärt. «Wir bedauern den Entscheid, akzeptieren ihn aber», sagt er. Trotzdem wolle man an der Tradition der Kranzniederlegung festhalten, in diesem und auch in den kommenden Jahren. «Wir werden auch dieses Jahr der Gefallenen gedenken. Nur halt an einem anderen Datum», so Nefedov.

Das sieht man auch in Unterengstringen so. «Der Entscheid, auf eine Kranzniederlegung im Rahmen des Dorffestes zu verzichten, heisst nicht, dass wir die Beziehungen zu den Kosaken abbrechen», sagt Trombik. Der Gemeinderat könne sich vorstellen, wie üblich den Gedenktag am 25. September in einem kleinen, informellen Rahmen durchzuführen.

Der Kontak entstand 2002

Obwohl nicht der Hauptgrund für die Durchführung des Dorffestes, hätte eine Kranzniederlegung beim Russendenkmal gut ins Festprogramm gepasst. Vor zehn Jahren wurde der Gedenkstein oberhalb des Klosters Fahr eingeweiht. Er erinnert an die in der zweiten Schlacht bei Zürich gefallenen russischen Kosaken. Damals, am 25. September überquerte der französische General Masséna bei Dietikon die Limmat, um die bei Unterengstringen stationierten Russen unter General Korsakov im Gebiet oberhalb des Klosters Fahr zu bekämpfen. Das Manöver gelang. Die russischen Truppen wurden zum Rückzug gezwungen. Die zweite Schlacht von Zürich war damit beendet.

Der Kontakt zwischen den Kosaken und der Gemeinde Unterengstringen kam 2002 zustande. Elena Stribouk, die Sekretärin der Kosakenvereinigung, hatte die Stadt Dietikon angefragt, ob es möglich wäre, ein Denkmal für die im Jahr 1799 Gefallenen zu errichten. Da die Schlacht nicht auf Dietiker Gebiet ausgetragen wurde, hatte Dietikon ablehnend reagiert, aber Unterengstringen vom Interesse der Russen in Kenntnis gesetzt. Nach dem Hinweis aus Dietikon setzte sich Unterengstringen mit Stribouk in Verbindung. Die Sache kam ins Rollen und anlässlich des Dorffestes 2004 konnte die Gedenktafel eingeweiht werden.