Winterthur
Wegen Pensionskassen-Debakel hat Geschäftsleiterin gekündigt

Nachdem der Winterthurer Gemeinderat die Finanzspritze für die Pensionskasse abgelehnt hatte, zieht die Geschäftsleiterin Gisela Basler Konsequenzen. Sie hat gekündigt und verlässt die Pensionskasse Ende Jahr. Zudem müssen die Arbeitgeber und Arbeitnehmer mehr an die Sanierung der Vorsorgeeinrichtung zahlen.

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Es sei nach wie vor skandalös, dass auch die Versicherten für die Verfehlungen der städtischen Behörden aufkommen müssten. (Symbolbild)

Es sei nach wie vor skandalös, dass auch die Versicherten für die Verfehlungen der städtischen Behörden aufkommen müssten. (Symbolbild)

Keystone/CHRISTOF SCHUERPF

Der Stiftungsrat bedauert Baslers Entscheid sehr, kann ihn aber nachvollziehen, teilte dieser am Mittwoch mit. Sie hatte die Geschäftsführung erst seit Mai 2018 inne. Der Stiftungsrat prüfe gegenwärtig «alle Optionen, um die Funktionsfähigkeit der Kasse gewährleisten zu können». Es ist bereits das dritte Mal seit 2014, dass die Geschäftsleitung von Bord geht.

Dies waren jedoch nicht alle schlechten Nachrichten: Der Stiftungsrat sehe sich zudem gezwungen, die Sanierungsbeiträge zu erhöhen. Als Grund nennt er den Entscheid des Gemeinderates von diesem Frühling, die für die Sanierung dringend nötige Finanzspritze von 144 Millionen Franken nicht zu gewähren. Damit hätte die marode Kasse ausfinanziert werden sollen.

Politische Unklarheit dauert an

Es lasse sich aktuell nicht abschätzen, wann mit einer neuerlichen Parlamentsberatung des zurückgewiesenen Kreditantrages gerechnet werden könne, schreibt der Stiftungsrat. Damit würden die politischen Unsicherheiten andauern.

Nun müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einspringen: Die Sanierungsbeiträge werden erhöht. Arbeitgeber müssen ab Januar 3,85 Prozent der versicherten Löhne für die Sanierung zahlen. Bisher waren es 1,45 Prozent. Die Arbeitnehmer werden neu 1 Prozent ihres versicherten Lohnes abgeben. Bisher waren es 0,95 Prozent.

Dieser Entscheid sei mit Hilfe von Pensionskassen-Experten und nach Gesprächen mit der Aufsichtsbehörde getroffen worden.

Die Gewerkschaft VPOD bezeichnete diese Massnahmen als «nachvollziehbar». Sie seien die logische Folge der versenkten Ausfinanzierungs-Vorlage. Zudem habe der Gemeinderat diese in seinem Rückweisungsbeschluss vorgeschlagen, teilte sie mit.

Deckungsgrad von nur 89,1 Prozent

Es sei aber nach wie vor skandalös, dass auch die Versicherten für die Verfehlungen der städtischen Behörden aufkommen müssten. Die Gewerkschaft fordert die Behörden auf, endlich ihrer Pflicht nachzukommen und die Pensionskasse auf gesunde Beine zu stellen. Die dafür nötigen Rückstellungen seien längst gebildet.

Die Pensionskasse der Stadt Winterthur schloss das Jahr 2018 mit einem Deckungsgrad von nur 89,1 Prozent ab. Wegen der guten Anlagemärkte befinde sich die Kasse gegenwärtig in einer besseren Situation als noch Anfang Jahr, schreibt der Stiftungsrat. (sda)