Das Trottoir ist verbreitert, der Asphalt ist noch frisch. «Hier entsteht die neue Haltestelle Sommerau. Ab Montag hält der Bus genau vor meinem Haus», sagt Heidi Fluor. Mit ihrer Familie wohnt sie schon seit Jahren an der Poststrasse in Dietikon. Im Zuge der Limmattalbahn-Arbeiten auf der Zürcherstrasse werden die Busse der Linie 303, 311 und 314 Richtung Bahnhof Dietikon ab dem 2. September über die Schöneggstrasse via Poststrasse geführt. In umgekehrter Richtung fahren die Busse Richtung Schlieren ab diesem Zeitpunkt über die Bahnhofstrasse in die Zürcherstrasse und von dort via Asylstrasse in die Schöneggstrasse.

Fluor und die rund 50 Anwohner der Poststrasse sind mit dieser Verkehrsführung überhaupt nicht einverstanden. «Für uns alle bedeutet die künftige Situation eine riesige Einbusse an Lebensqualität», sagt Fluor. Während 19 Stunden würden jeden Tag alle 7 Minuten die schweren Busse durch die Poststrasse fahren – und das drei Jahre lang. «Der Bus hält vor meinem Garten. Jeder Fahrgast kann in mein Wohn- und Esszimmer schauen», sagt Fluor. Zudem befürchten sie und ihre Nachbarn Lärmemissionen durch den Busverkehr.

Die Strasse dient Kindern als Schulweg

Angst hat man aber auch, dass die Strasse, die Kanalisation und die Häuser durch die Erschütterung des Mehrverkehrs beschädigt werden könnten. «Wer wird für diese Schäden aufkommen?», fragt sich Fluor. Am meisten sorgen sich die Anwohner jedoch um die Sicherheit der Fussgänger. «Die Poststrasse ist sehr schmal und dient vielen Kindern als Schulweg. Ein Kinderhort ist in der Poststrasse zu Hause. Zudem ist sie seit vielen Jahren ein sicherer Veloweg vor allem für ältere Bewohner Dietikons.» Die Strasse sei absolut ungeeignet für eine solche Verkehrsführung. «Auf der einen Seite öffnen sich viele Gartentore direkt auf die Strasse. Viele Liegenschaften haben keinen Parkplatz und so muss für den Güterumschlag kurz vor dem Haus parkiert werden können.» Unter diesen Umständen sei der Busverkehr nur schwer möglich. Fluor ist sich sicher: «Es muss eine andere Lösung geben. Ich verstehe nicht, wieso die Busse nicht auch Richtung Bahnhof Dietikon über die Asylstrasse fahren können.» Betroffen vom Bau der Limmattalbahn ist Fluor aber nicht nur privat, sondern auch geschäftlich. Sie führt seit 16 Jahren den Spielwarenladen «Spiel und Hobby» an der Zürcherstrasse.

Um sich gegen das neue Busverkehrsregime zu wehren, sendeten die Nachbarn einen Brief mit 50 Unterschriften an die Limmattalbahn AG, die Verkehrsbetriebe Zürich und die Stadt Dietikon. Dieser zeigte Wirkung. Die Anwohner wurden zu einer Sitzung eingeladen und ihre Bedenken wurden angehört. Das Resultat: die Einführung von Tempo 30 und die Entfernung des Velofahrstreifens in die entgegengesetzte Richtung der Einbahnstrasse während der Bauzeit.

Doch damit geben sich die Nachbarn nicht zufrieden. «Die Verantwortlichen sollten mehr Rücksicht auf die Anwohner und die betroffene Bevölkerung nehmen», sagt Fluor. Ein Teil der Dietiker Bevölkerung werde durch diese Verkehrsführung stark beeinträchtigt. «Wir können nicht verstehen, dass die Verantwortlichen der Limmattalbahn das kaltlässt.» Fluor betont aber auch: «Wir sind nicht grundsätzlich gegen den Bau der Limmattalbahn. Das war ein demokratischer Entscheid, den wir akzeptieren.» Man habe auch höchsten Respekt vor den Leuten, die die Verkehrsführung während der Baustelle planen. Das sei keine leichte Aufgabe. Und trotzdem: «Mit der Busverkehrsführung sind wir einfach nicht einverstanden.» Auch wenn die Busse bereits ab Montag die neue Route durch die Poststrasse nehmen, will Fluor nicht aufgeben. «Wir Anwohner versuchen weiterzukämpfen und bleiben in Kontakt mit den Verantwortlichen.»

Andere Verkehrsführung ist nicht möglich

Daniel Issler, Geschäftsleiter der Limmattalbahn AG, bestätigt, dass die Einführung von Tempo 30 und die Entfernung des Velostreifens als Massnahmen getroffen wurden, um die Sicherheit auf der Poststrasse zu verbessern. «Verkehrssicherheit hat für uns oberste Priorität, deshalb sind wir froh um die Inputs der Anwohner.» Die Befürchtungen, dass durch den Busverkehr auf der Strasse und an den Häusern Schäden entstehen könnten, kann Issler nicht ganz nachvollziehen. «Es handelt sich nicht um eine Baustelle, sondern um Busse, die dort durchfahren. Es verkehren bereits heute nicht nur Autos, sondern auch Lastwagen auf der Strasse. Die Busse fahren langsam, deshalb haben wir keine grossen Bedenken.»

Eine andere Verkehrsführung sei nicht möglich. «Man hat sich für diesen einspurigen Grosskreisel entschieden, um die Bauzeit möglichst kurz zu halten und damit die Bauarbeiter genug Platz haben», sagt Issler. Wenn der Busverkehr nur über die Asylstrasse abgewickelt würde, würde der Baubereich auf der Zürcherstrasse zwischen Post- und Asylstrasse stark eingeschränkt. Zudem würden die Busse viel mehr Platz benötigen, um aus der Asylstrasse in die Zürcherstrasse abzubiegen. Von der Poststrasse her könnten die Busse geradeaus Richtung Bahnhof fahren.