Einst war Cytos ein strahlender Stern in der Zürcher Biotech-Start-up-Szene. Doch nach den finanziellen Problemen und der daraus resultierten Übernahme durch die Kuros Biosurgery Holding vom vergangenen Januar macht das Schlieremer Unternehmen erneut Negativschlagzeilen. Wie das SRF-Magazin «Eco» berichtet, wurde ein ehemaliger Cytos-Forschungsdirektor vom Bundesstrafgericht wegen Insiderhandels verurteilt. Das Urteil stammt von Mitte Februar dieses Jahres, wurde der Öffentlichkeit jedoch erst Anfang April zugänglich gemacht.

Der Mann hat in den Jahren 2009 und 2010 Cytos-Aktien im Wert von gesamthaft rund 300 000 Franken gekauft und verkauft und dabei einen Gewinn erzielt beziehungsweise Verluste umgangen. Unter dem Strich bereicherte er sich um rund 55 000 Franken. Das Gericht verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von 84 000 Franken sowie einer Busse von 4000 Franken. Zudem muss er den durch den Insider-Handel erzielten Gewinn wieder abgeben. Ausserdem überliess der ehemalige Cytos-Manager seinem Vater Insider-Informationen, mithilfe derer dieser einen Gewinn von 25 000 Franken erzielen konnte. So wurde auch der Vater zu einer Geldstrafe in der Höhe von 32 000 Franken sowie einer Busse von 2000 Franken verurteilt. Er muss seinen Gewinn ebenfalls abgeben.

Mutter und Partnerin involviert

Im Urteil des Bundesstrafgerichts ist das Vorgehen des ehemaligen Forschungsdirektors an einer Auflistung der verschiedenen Fälle im Detail ersichtlich. Insgesamt konnte ihm Insider-Handel in fünf Fällen nachgewiesen werden. Er erteilte im genannten Zeitraum mittels Konti, die einerseits auf den Namen seiner Mutter und andererseits auf jenen seiner Lebenspartnerin liefen, Aufträge zum An- und Verkauf von Cytos-Aktien. «Diese Aufträge erteilte er gestützt auf Wissen über nicht öffentliche, kursrelevante Tatsachen, zu dem er in seiner Funktion Zugang hatte», schreibt das Gericht in seinem Urteil. Dazu gehören verschiedene Studienresultate, die entweder die gewünschten Ergebnisse nicht erreichten oder die Wirksamkeit eines von Cytos entwickelten Medikamentes untermauerten. Im Gerichtsurteil ist ersichtlich, dass der ehemalige Cytos-Manager heute als ordentlicher Professor an einer Universität angestellt ist. Gegenüber der Sendung «Eco» sagte er, dass diese Insider-Geschäfte ein grosser Fehler gewesen seien, der ihm leidtue.

Fusion im Januar vollzogen

Dies ist wohl das letzte Kapitel in der bewegten Firmengeschichte von Cytos. 1995 als Spin-off der ETH gegründet, zieht das Unternehmen drei Jahre später nach Schlieren ins Wagi-Areal. Im Jahr 2002 folgt nach der Fusion mit dem Pharmahandelsunternehmen Asklina der Gang an die Börse. Bereits ein Jahr später kommt der erste Grosserfolg. Der Basler Pharmariese Novartis kauft Cytos die Lizenz für ein Alzheimer-Medikament ab.

Doch bald darauf schreibt das Unternehmen rote Zahlen. Dies, nachdem verschiedene Produkte im Studienprozess nicht die gewünschten Resultate erbringen. Die erste grosse Konsequenz folgt erst im Jahr 2009: Nachdem auch ein Bluthochdruck-Medikament die Testphase nicht übersteht, werden knapp 60 der damals 135 Arbeitsplätze gestrichen. Im 2014 scheitert ein Asthma-Medikament wiederum an der klinischen Studie, woraufhin das Cytos-Kader die Liquidation des Unternehmens in Betracht zieht.

Es kommt jedoch anders: Denn im Dezember 2015 vermeldet Cytos die Fusion mit der Kuros Biosurgery Holding. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Spin-off der ETH Zürich, das Hirnhaut-Wundversiegelungs- und Knochenheil-Technologien entwickelt. Anfang Januar dieses Jahres stimmen rund 100 Cytos-Aktionäre dieser Fusion zu.