Der Schäflibach braucht mehr Platz, damit Urdorf besser vor hundertjährlichen Hochwassern geschützt ist. Nun ist die Planung soweit abgeschlossen, dass die Unterlagen des Hochwasserschutzprojektes ab heute für 30 Tage im Gemeindehaus aufliegen. Konkret geht es um den Abschnitt vom Parkplatz Zwischenbächen bis zur Autobahn (und damit fast bis zur Dietiker Grenze).

Die Problemstelle des Schäflibachs in Urdorf befindet sich beim Restaurant Pappel, wo der Bach unterirdisch verläuft. «Mit dem Umbau wird der dortige Bachdurchlass doppelt so gross», sagt Claudio Fiechter, Abteilungsleiter Werke der Gemeinde. Ein hundertjährliches Hochwasser wird den neuen Durchlass fast komplett füllen – heute käme es dagegen zu einer Überschwemmung.

Vom Parkplatz Zwischenbächen bis zum Restaurant Pappel wird der Gewässerraum – dazu zählen auch die Ufer – 17 Meter breit. Für diese Aufweitung braucht es Land von total 12 Parzellen links des Schäflibachs. Davon gehören 5 der Gemeinde, von den restlichen muss sie kleine Teilflächen erwerben. Schon im November hat die Gemeinde mit den Grundeigentümern gesprochen. «Die vielen Gespräche waren wertvoll und haben sich gelohnt, wir erhielten bisher nur positive Rückmeldungen. Darum gehen wir zurzeit davon aus, dass das Projekt auf Akzeptanz stösst», sagt Rebecca Bauder, Bereichsleiterin Bau, Planung und Werke.

Landerwerb betrifft Schrebergärten

Auch das Familiengartenareal Bach ist von Landbeanspruchung betroffen: Alle Schrebergarten-Parzellen, die an den Schäflibach-Fussweg grenzen, werden ein paar Meter Land abgeben müssen, wie Claudio Fiechter bestätigt. Wie viel, ist ab heute in den Projektunterlagen einsehbar.

Auch zwei neue Fussgängerbrücken sind geplant, die sich in der Gestaltung an jenen beim Wüeribach in Birmensdorf orientieren werden. Der Schäflibach wird nicht nur verbreitert, sondern auch renaturiert. Für die Arbeiten müssen zuerst die Bäume links des Bachs gerodet werden. Am rechten Ufer, also direkt an der Birmensdorferstrasse, bleiben die meisten Bäume stehen. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden die gerodeten Ufer wieder bepflanzt. 

Zudem entstehen auf der linken Seite drei Sitzbank-Nischen. Ebenfalls zum Projekt gehört eine kleine Betonbrücke, die an der Kreuzung von Birmensdorferstrasse und Feldstrasse entstehen soll. Sie wird später zu einer Ausfahrt des geplanten Feldstrassen-Kreisels. Diese Ausfahrt dient dann insbesondere Landwirten mit ihren Traktoren. Später könnte sie dereinst zur Zufahrt für eine völlig neue Siedlung werden. Denn die Äcker zwischen dem Parkplatz Zwischenbächen und den Schrebergärten sind im Zonenplan als Reservezone eingetragen, die in ferner Zukunft in eine Wohnzone umgewandelt werden könnte.

Vom Restaurant Pappel bis zur Autobahn wird das linke Ufer auf einer Länge von rund 100 Metern leicht erhöht zwecks Hochwasserschutz. Dafür sind minime Landerwerbe nötig, die Aufschüttung wird aber grösstenteils auf Privatgrundstücken vorgenommen. Ausgearbeitet wurde das ganze Projekt von der Holinger AG mit Zweigniederlassung in Winterthur. Die Bauzeit beträgt gut 12 Monate. «Wir hoffen, dass der Bau im ersten Halbjahr 2018 beginnt», sagt Claudio Fiechter.

Das Projekt kostet 6,3 Millionen Franken und wird durch die Gemeinde, den Kanton, den Bund und verschiedene Fonds bezahlt. Die Höhe des Gemeinde-Anteils ist noch nicht bestimmt. Zurzeit ist die Rede von gut 3 Millionen Franken. Für diesen Kredit braucht es keine Volkszustimmung mehr, da es sich um eine gebundene Ausgabe handelt, die durch das bereits bewilligte Strassenprojekt Birmensdorferstrasse verursacht wurde – eine lange Geschichte: Schon 2009 sagten die Urdorfer Ja zum 3,2-Millionen-Franken-Kredit für die Sanierung der Birmensdorfer- und die Redimensionierung der Feldstrasse.

Nachdem der Kanton 2010 die neue kantonale Naturgefahrenkarte festsetzte, durfte das Strassenprojekt aber nicht realisiert werden, ohne gleichzeitig den neuen Hochwasserschutzregeln nachzukommen, insbesondere beim Bachdurchlass Pappel. 2016 hat der Regierungsrat einen nötigen Kredit für das Strassenprojekt gesprochen. Ein Bautermin steht aber noch nicht fest. Übrigens: Die Entsorgungsstelle Zwischenbächen wird durch die Projekte nicht tangiert, sie soll an Ort und Stelle bleiben.

Die Politische Gemeinde hatte daran zu nagen, dass der Kanton sie zu diesem Millionen-Projekt verpflichtet. Werkvorstand Urs Rimensberger (parteilos) sagt: «Aus Sicht der Gemeindefinanzen ist das Projekt nicht optimal. Es wird aber den Schäflibach stark aufwerten. Mit dem schön renaturierten Bach verliert die Birmensdorferstrasse dann etwas von ihrem Durchfahrtscharakter. Diesen Vorteil müssen wir auch sehen.»