Schlieren
Wegen geplanten Bauten: Geschützte Mammutbäume auf dem Geistlich-Areal müssen weg

Auf dem Geistlich-Areal werden zwei über 100 Jahre alte Mammutbäume gefällt

Kevin Capellini
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Einer der beiden Mammutbäume auf dem Geistlich-Areal, die gefällt werden sollen.

Einer der beiden Mammutbäume auf dem Geistlich-Areal, die gefällt werden sollen.

Stadt Schlieren

Zwei alte Mammutbäume auf der Baustelle auf dem Geistlich-Areal in der Nähe des Bahnhofs in Schlieren müssen gefällt werden, obwohl diese im Landschaftsschutzinventar der Stadt eingetragen sind. Wäre der Stadtrat allerdings dem Willen der Grundstückeigentümerin Geistlich Immobilia AG gefolgt, wären zwei weitere Bäume, die teilweise über 100 Jahre alt sind, ebenfalls gefällt worden. Denn diese hatte im beim Stadtrat im vergangenen Dezember eingereichten Gesuch verlangt, dass alle vier von der Stadt als wertvoll oder sehr wertvoll eingestuften Bäume – drei Mammutbäume und ein Nussbaum – verschwunden.

Die Eigentümerin argumentiert in ihrem Gesuch, dass die Bäume sich im Bereich «der Baulinien oder der notwendigen Altlastenentsorgung» befänden. Da die Bäume als speziell schützenswert eingestuft und im Gestaltungsplan des Areals eingetragen sind, darf die Geistlich Immobilia die Bäume nicht einfach fällen, sondern braucht dafür eine Bewilligung vom Stadtrat.

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Bäume wollte die Geistlich Immobilia AG auf dem Geistlich-Areal aus dem Schutzinventar entlassen, damit sie geplanten Bauten weichen können. Der Stadtrat Schlieren setzte sich allerdings für den Erhalt von zwei der vier Bäume ein.

Quecksilber gefunden

Eine vom kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) durchgeführte Untersuchung des Bodens hat ergeben, dass alle vier betroffenen Bäume auf belastetem Terrain stehen. Das Resultat zeigte, dass der Boden hohem Masse Quecksilber enthält. Die gemessene Konzentration von 100 bis 150 Milligramm pro Kilogramm übersteigt den maximal zulässigen Wert um das 50- bis 75-fache. Das AWEL ordnete daraufhin eine vollständige Altlastensanierung des Geländes an. Doch die Stadt wollte die beiden Bäume, die sich nicht innerhalb der Baulinien befinden, nicht aufgeben.

Stadtrat strebt Erhaltung an

Für die beiden Mammutbäume, die gefällt werden, sind als Ersatz zehn neue Bäume in sogenannten Bauminseln geplant. Diese sollen nach Fertigstellung der Bauarbeiten das Tor zum Rietpark bilden. Damit die anderen beiden alten Bäume bestehen bleiben können, sind wegen dem belasteten Boden Massnahmen nötig. Etwa ein halber Meter Erde muss um die Bäume entfernt und dicht begrünt neu aufgeschüttet werden. Ein Geotextil soll zudem die erneute Kontamination der frischen Erde verhindern. Damit Bewohner des entstehenden Rietparks nicht mit dem belasteten Boden in Kontakt kommen, müssen beide Bäume mit einem mindestens 1,2 Meter hohen Zaun umgeben werden. Der Stadtrat schreibt in einer Mitteilung, dass aber «nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Bäume trotz all dieser Massnahmen absterben.»

Laut dem Stadtrat schlagen die beiden Bäume «eine wichtige und wertvolle Brücke» zwischen der langen Geschichte des ehemaligen Industriegeländes Geistlich-Areal und dem neu entstehenden Stadtteil Am Rietpark. Deshalb sei der Mehraufwand für den Erhalt der alten Bäume gerechtfertigt.