Schlieren
Wegen Fäkalien-Bakterien: Nur noch 500 Gäste dürfen täglich in Bio-Badi

Das Kantonslabor beschränkt die Biobadi-Eintritte vorübergehend auf 500 Gäste. Die Stammgäste werden dabei bevorzugt. Von einer Schliessung wird derzeit abgesehen.

Tobias Hänni
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Die teilweise erhöhten Bakterienwerte der letzten Tage schrecken nicht alle ab.yvb

Die teilweise erhöhten Bakterienwerte der letzten Tage schrecken nicht alle ab.yvb

Yves Bollier

Mit der Sorge um die zeitweise hohe Konzentration an Fäkalbakterien im Plansch- und Nichtschwimmerbecken steht die Schlieremer Biobadi nicht alleine da. Die Entwicklung der Wasserqualität wird auch vom Kanton genaustens verfolgt. Wie Kantonschemiker Martin Brunner auf Anfrage sagt, steht das kantonale Labor, das selber Stichproben in den Badis des Kantons durchführt, in einem «sehr intensiven Austausch» mit Schlierens Stadtverwaltung.

Die Massnahmen, welche die Biobadi nun zur Verbesserung der Wasserqualität ergriffen hat, wurden teilweise vom kantonalen Labor angeordnet. Derzeit wird das Wasser im Planschbecken alle zwei Stunden ausgetauscht, dazwischen wird laufend Frischwasser zugeführt. Darüber hinaus hat der Kanton eine Verfügung zur Besucherzahl erlassen: So darf die Biobadi bis auf weiteres nicht mehr als 500 Gästen Eintritt gewähren. Auch wenn die Verfügung der Badi noch nicht schriftlich zugestellt worden ist, gilt die Regelung ab sofort, wie es in einer Mitteilung der Stadt heisst. «In den Sommerferien haben wir aber ohnehin selten mehr als 500 Gäste», sagt André Thoma, Sekretariatsleiter des städtischen Werkvorstands. Komme es trotzdem zu einem Ansturm, etwa am Wochenende, werde man die Gäste mit einer Tafel auf die Beschränkung hinweisen. «Gäste mit einer Saisonkarte werden dann beim Einlass bevorzugt», sagt Thoma.

Schliessung ist keine Lösung

Mit den nun umgesetzten Anordnungen sieht Kantonschemiker Brunner keinen Grund für weitergehende Massnahmen. «Das Reinigungssystem der Badi funktioniert, stösst bei starker Belastung aber an seine Grenzen.» Deswegen das technische Konzept der Badeanstalt zu ändern, erachtet Brunner als wenig sinnvoll. «Dafür müsste man die Badi schliessen und umbauen.» Eine vorübergehende Schliessung der Badi ist laut Brunner derzeit keine Option. «Wir wollen nun zunächst mal eine Verbesserung erzielen.» In die Badeanstalt sei viel Geld investiert worden und der Bedarf dafür sei da. Ebenfalls wenig praktikabel sei die Sperrung einzelner Bereiche der Badi. «Das ist wegen der baulichen Gestaltung kaum umsetzbar.» Ausserdem bezweifle er, dass sich die Gäste von einer Absperrung abhalten liessen.

Als wichtiges Mittel für eine bessere Wasserqualität sieht Brunner aber die konsequentere Durchsetzung der Hygieneregeln (siehe Kasten). «Wenn ein Kind mit dreckigen Badewindeln oder Unterhosen ins Planschbecken gelassen wird, hat das verheerende Konsequenzen für die Wasserqualität.» Den Leuten müsse der Unterschied zwischen einer Bio- und einer chemisch gereinigten Badi deutlich vermittelt werden. Gerade die Hochsaison mit mehr Gästen bedeute für die Freibäder auch mehr Dreck. Doch auch in Zeiten intensiver Benutzung sei eine festgestellte Wasserverunreinigung normalerweise bloss eine Momentaufnahme. «Zwei Tage später können die Werte wieder tipptop sein», sagt der höchste Chemiker des Kantons.

Frischwasser nur bedingt sinnvoll

Trotzdem müssen laut Brunner zurzeit auch andere Badis ihren Becken mehr Frischwasser zuführen, um die Temperaturen tief zu halten und die Ausbreitung von Bakterien im Zaum zu halten. Allerdings: Das permanente Zuführen von Frischwasser ist bei Biobadis nur bedingt sinnvoll. «Das bringt den Kreislauf durcheinander«, sagt Roger Wyden, Oberbadmeister im Naturbad Riehen im Kanton Basel-Stadt. Auch Andreas Huber, leitender Badmeister des Schwimmbads Biberstein im Aargau, sagt: «Zu viel Frischwasser bringt das biologische System aus dem Gleichgewicht.» Das Biobad in Biberstein ist das älteste in der Schweiz und weist derzeit ebenfalls «nicht so tolle Werte» auf, wie Huber sagt. «Wir haben zwar bei den Kolibakterien keine erhöhte Konzentration festgestellt, dafür aber bei den Staphylokokken», sagt Huber. Den Werten schenke er aber keine zu grosse Beachtung. Denn: «Die empfohlenen Grenzwerte sind auf chemische Badis ausgerichtet, und da gilt ohnehin eine Nulltoleranz.»

Biobadis: So sauber wie ihre Gäste

Da ihr natürlicher Reinigungsprozess langsamer abläuft als die Chemiekeule in Chlorbädern, hängt die Wasserqualität in Biobadis stärker von der Hygiene der Besucher ab. Wer keine unappetitlichen Bakterien ins Wasser einschleppen will, sollte vor dem Sprung ins Wasser folgende Regeln beherzigen:

- Duschen
Es ist das A und O jedes Badibesuchs. Nicht nur kurz zur Abkühlung drunterstehen, sondern den Körper gründlich abduschen.

- Hände waschen
Was generell empfehlenswert ist, gilt auch in der Badi. Ist parallel zur Dusche möglich.

- Keine Unterwäsche oder Windeln
Es versteht sich eigentlich von selbst, hat sich aber noch nicht überall rumgesprochen: Ins Badewasser gehören weder Unterhosen noch Windeln.

- Toiletten
Besonders bei Kleinkindern empfiehlt sich vor dem Sprung ins Becken der Gang aufs Klo, um «Unfällen» im Wasser vorzubeugen.