Oberengstringen
Wegen Einsparungen: Kinder gehen ein Jahr später ins Wasser

Gemeinde spart beim Schwimmunterricht und vermietet das Schwimmbecken an Nachbardörfer.

David Egger
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Für neue Kindergärtner und Fünftklässler gibts kein Schwimmen mehr. Spareffekt: 50 000 Franken im Jahr.

Für neue Kindergärtner und Fünftklässler gibts kein Schwimmen mehr. Spareffekt: 50 000 Franken im Jahr.

SymbolbIld: Archiv/Iseli

Jürg Bruppacher, Finanzvorstand in Oberengstringen, ist nicht zu beneiden: Seit 2012 schreibt seine Gemeinde rote Zahlen. Zuletzt resultierten 1,5 Millionen Franken Verlust in der Jahresrechnung 2014. Die Stimmbürger haben deshalb im November den Steuerfuss erhöht. Die Behörden suchen Möglichkeiten, um weniger Geld auszugeben. Alle Ressorts müssen ihr Budget überprüfen. Die neuste Sparmassnahme betrifft Kindergarten- und Primarschüler.

Denn wie kürzlich dem «Engstringer Kurier» zu entnehmen war, reduziert die Gemeinde die Anzahl Schwimmlektionen. Auf Anfrage sagt Schulpräsidentin Elsbeth von Atzigen nun, wie viele Schwimmlektionen genau wegfallen. Eine Änderung sticht besonders heraus: Im Kindergarten lernen die Kinder nun ein Jahr später schwimmen. Denn bisher hatten Schüler der ersten und der zweiten Kindergartenklasse noch 13 Schwimmlektionen pro Jahr. Im ersten Kindergartenjahr fallen die Schwimmlektionen nun ganz weg, im zweiten Kindergartenjahr gibt es für die Kinder noch 10 statt 13 Schwimmlektionen.

Weniger Halbklassenunterricht

Erst-, Zweit- und Drittklässler haben wie bisher 39 Schwimmlektionen jährlich. Aber auch bei ihnen hat die Schule einen Weg gefunden, um Geld zu sparen. Denn die Erstklässler hatten bisher Schwimmunterricht in der Halbklasse. Neu geht jeweils gleich die ganze Klasse ins Wasser und nicht nur eine halbe.

In der vierten Klasse bleibt mit 20 Lektionen im Halbklassenunterricht alles gleich. Für Fünftklässler fällt der Schwimmunterricht ganz weg. Bisher hatten sie 20 Lektionen in der Halbklasse. Soweit der Überblick über das alte und das neue System.

Besser lässt sich der Unterschied am Beispiel zweier Oberengstringer Schüler ausrechnen: Wer in den Genuss des alten, teureren Systems kam, hat vom Beginn des Kindergartens bis zum Abschluss der fünften Klasse total 183 Schwimmlektionen absolviert, davon 79 im Halbklassenunterricht. Nach dem neuen System sind es noch 147 Schwimmlektionen, davon 20 im Halbklassenunterricht.

Sofern das System vorerst so bleibt, werden Schüler, die im Sommer 2023 in die sechste Klasse wechseln, total 36 Schwimmlektionen weniger auf dem Konto haben als zum Beispiel ihre um sieben Jahre ältere Schwester, die bereits diesen Sommer die fünfte Klasse beendet. In der Sekundarstufe hatten die Oberengstringer schon bisher keine Schwimmlektionen.

Empfehlung liegt weit darunter

Der Leistungsabbau erscheint in einem anderen Licht, wenn man sich die «Empfehlungen für die Benutzung von Schwimmeinrichtungen» anschaut, die das kantonale Volksschulamt verfasst hat. In diesem unverbindlichen Ratschlagpapier hält das Amt fest, dass ein Kind vom Beginn des Kindergartens bis zum Ende der obligatorischen Schule mindestens 88 Schwimmlektionen haben sollte. Trotz der Kürzung wird Oberengstringen seinem Nachwuchs also mehr als eineinhalbmal so viel Schwimmunterricht bieten als vom Kanton empfohlen. Auch andere Gemeinden übertreffen die Empfehlung.

Wie es zur Sparmassnahme gekommen ist, erklärt Schulpräsidentin von Atzigen so: «Wir mussten jetzt handeln. Der Schwimmunterricht ist einer der wenigen Kostenfaktoren der Schule, der nicht komplett gebunden, also durch Gesetze vorgegeben ist. Deshalb haben wir uns für diese Massnahme entschieden. Grundsätzlich halten wir aber am Schwimmunterricht fest.» Konkret entlastet die nun gewählte Massnahme das Budget der Gemeinde um 50 000 Franken. Das entspricht etwas mehr als 0,4 Prozent der gesamten Oberengstringer Bildungskosten von über 12 Millionen Franken jährlich.

Schwimmlehrer: kein Jobverlust

In das Sparziel von 50 000 Franken ist das Geld eingerechnet, das die Schule Oberengstringen von den Nachbargemeinden Weiningen und Unterengstringen erhalten wird: Denn damit das Lehrschwimmbecken Brunewiis in der nun eingesparten Zeit nicht leer steht, mieten es die Nachbargemeinden. Für den zusätzlichen Schwimmunterricht, den Weiningen und Unterengstringen im «Brunewiis» abhalten werden, engagieren sie den Oberengstringer Schwimmlehrer, damit dieser sein Pensum nicht reduzieren muss. Die Sparmassnahme tritt ab August in Kraft.