Üetliberg
Wegen einer Hütte: Naturschützer kämpfen gegen «Winterzauber» auf Üetliberg

Der Stalliker Gemeinderat überschritt seine Kompetenzen und gestattete eine Hütte ausserhalb des erlaubten Bereichs. Der Verein Pro Üetliberg unternahm daraufhin rechtliche Schritte.

Alex Rudolf
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Der Winterzauber auf dem Üetliberg erfreut sich grosser Beliebtheit.

Der Winterzauber auf dem Üetliberg erfreut sich grosser Beliebtheit.

Rolf Kuhn

Der Verein Pro Üetliberg stört sich daran, dass die Hütten des Uto-Kulm-Weihnachts­dorfes, genannt «Winterzauber», dort stehen, wo sie laut Uto-Kulm-Gestaltungsplan gar nicht dürften. Der Stalliker Gemeinderat hatte die Erlaubnis dazu erteilt, obwohl er nicht die Kompetenz dazu hatte. Daher leiteten die Naturschützer rechtliche Schritte ein. Das wiederum passt den Uto-Kulm-Betreibern gar nicht. «Es ist unglaublich, dass man den Gastronomen, die wegen der Coronapandemie ohnehin schon sehr schlecht dastehen, noch Steine in den Weg legen will», sagt Uto-Kulm-Sprecher Benjamin Styger gegenüber der «Limmattaler Zeitung».

Die Uto-Kulm-Verantwortlichen hatten bei der Gemeinde Stallikon ein Gesuch eingereicht für temporäre Aussenbauten in der Zeit zwischen dem 19. November 2020 und dem 18. Februar 2021. Es geht um vier Hütten. Eine davon steht in dem Bereich, der eigentlich nur der Öffentlichkeit zusteht, ohne Nutzungen durch das Uto Kulm. «Als Unterstützungsmassnahme für die Gastronomie verzichtete der Gemeinderat auf das Durchführen eines Baubewilligungsverfahrens und erteilte die Erlaubnis», sagt der Stalliker Gemeindeschreiber Roberto Brunelli auf Anfrage. In der Stadt Zürich seien ja auch Massnahmen ergriffen worden, um die coronabedingten Einbussen im Gastrobereich abzufedern. Restaurants und Bars durften zum Beispiel ihre Aussenbereiche auf dem öffentlichen Grund vergrössern. «Zudem ist der Zugang zum öffentlichen Bereich auf der Üetliberg-Spitze keineswegs eingeschränkt», sagt Brunelli weiter.

Aus Sicht des Vereins Pro Üetliberg hätte der Stalliker Gemeinderat auch den Kanton beiziehen müssen. Daher verlangt der Verein in einer Beschwerde an die Gemeinde vom 18. November und darüber hinaus in einer Aufsichtsbeschwerde an die kantonale Baudirektion vom 19. November, dass der Gemeinderatsbeschluss aufgehoben, ein baurechtliches Verfahren durchgeführt und der «Winterzauber»-Betrieb eingestellt wird.

Kantonale Baudirektion gibt Pro Üetliberg Recht

Für die Pro-Üetliberg-Präsidentin Margrith Gysel steht fest, dass die Mindereinnahmen der Gastronomen nicht auf Kosten des Üetlibergs wettgemacht werden sollen: «Eine Übernutzung durch das Uto Kulm schädigt das Schutzgebiet. Coronapandemie hin oder her.»

Ende November schliesslich pfiff die Baudirektion des Kantons Zürich die Gemeinde zurück. So könne die Zustimmung tatsächlich nicht ohne weiteres durch Stallikon erteilt werden, da der Perimeter einer Nichtbauzone zuzurechnen sei. Besonders die Frage, ob die Bauten der Baubewilligungspflicht unterliegen oder nicht, müsse auch durch die kantonale Behörde beurteilt werden. Dies ist der Antwort des Stalliker Gemeinderates vom 23. November auf die Pro-Üetliberg-Beschwerde zu entnehmen.

Zwar wies der Gemeinderat die Forderung ab, den «Winterzauber»-Betrieb einstellen zu lassen, leitete jedoch die nachträgliche Bewilligung des Baugesuchs ein. Dieses wurde mit dem Vermerk «Bereits erstellt» am 11. Dezember im kantonalen Amtsblatt publiziert. Während 20 Tagen liegt es nun auf, im Januar befindet die fünfköpfige Baukommission Stallikons da- rüber, sagt Gemeindeschreiber Brunelli. Gegen diesen Entscheid könne danach rekurriert werden. Bezüglich Aufsichtsbeschwerde liegt noch kein Bescheid der Baudirektion vor.

«Für uns ist es ein Erfolg, dass sich der Kanton nun eingeschaltet hat», sagt Gysel. Man warte ab und hoffe auf eine Umsetzung des Gestaltungsplans. Illusionen mache sie sich keine. «Bis alle Verfahren abgeschlossen sind, dürfte der ‹Winterzauber› schon längst vorüber sein.»

Die Verantwortlichen des Uto Kulm fühlen sich schikaniert. Sprecher Styger sagt, man sei froh, dass der Betrieb mitsamt der kritisierten Hütte weitergehen könne.