Urteil

Wegen Drängeln auf der Autobahn: 44-jähriger Kosovare zu 20 Monaten bedingt verurteilt

Dicht aufgefahren und rechts überholt: Ein Familienvater hatte es im Üetlibergtunnel eilig - das kommt ihn nun teuer zu stehen.

Dicht aufgefahren und rechts überholt: Ein Familienvater hatte es im Üetlibergtunnel eilig - das kommt ihn nun teuer zu stehen.

Zwölf grobe Verkehrsregelverletzungen: Ein 44-jähriger Mann hat auf der Autobahn gedrängelt, gedrängelt und gedrängelt. Das Dietiker Gericht verhängt eine bedingte Strafe.

Weshalb er denn so halsbrecherisch gefahren sei, will Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher vom Beschuldigten wissen. Der 44-jährige Familienvater bleibt zunächst still. Dann antwortet er: Einmal sei es passiert, jetzt werde es das nicht mehr. Mehr zum Vorfall äussern mag er sich vor Gericht nicht. «Ich schäme mich», sagt er auf eine Nachfrage nur. Ein einmaliger Ausrutscher war es aber nicht, wie sich später zeigen wird. Denn in seinen Ausführungen zum Urteil erwähnt Aeschbacher dann eine frühere Strafe aus dem Jahr 2010, die wegen einer groben Verkehrsregelverletzung verhängt worden sei. Vorbei, meint der Mann am Ende der Verhandlung beim Verlassen des Gerichtssaals. «Nie wieder.»

Der Kosovare war an einem Sonntagabend im April 2019 mit seinem BMW gegen 21 Uhr auf der Autobahn A3 in Richtung Chur unterwegs. Dabei ging es ihm offensichtlich zu langsam voran. So überholte er vor dem Üetlibergtunnel auf Birmensdorfer Gemeindegebiet zunächst einen auf der Überholspur fahrenden Wagen rechts. Im Üetlibergtunnel fuhr er daraufhin bei Tempo 80 einem vor ihm befindlichen Wagen während einiger Zeit mit einem Abstand von nur zehn Metern nach. Der Lenker des Audis gab dann, indem er auf die Normalspur wechselte, die Überholspur frei. Doch frei fahren konnte der Kosovare daraufhin nicht – ein anderes Fahrzeug stand ihm im Weg. Diesem grünen BMW fuhr er «wissentlich und willentlich mit einer Geschwindigkeit von rund 80 km/h in provozierender Art und Weise und mehrmaligem Beschleunigen und Verlangsamen bis auf einen Abstand von lediglich rund zwei Metern auf», heisst es in der Anklageschrift.

Dann überholte der 44-Jährige den BMW kurzerhand rechts (dabei setzte er sich dem kurz zuvor überholten Audi nur gerade drei Meter vor die Schnauze). Und er wechselte wieder auf die Überholspur zurück, um dicht vor dem gerade hinter sich gelassenen BMW abzubremsen. Dies erfolgte gemäss Anklageschrift, «um den Lenker des grauen BMW zu belehren». Unmittelbar danach wechselte der 44-Jährige mehrmals die Spur und bremste einen weiteren Autofahrer aus.

Damit hat sich der Mann gemäss Staatsanwaltschaft der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln und der Nötigung schuldig gemacht. Weil er gemäss Anklageschrift auch «sieben Spurwechsel ausführte, ohne vorgängig den Blinker zu betätigen», kommt auch die mehrfache einfache Verletzung der Verkehrsregeln hinzu.

20 Monate bedingt und 2000 Franken Busse

In der Untersuchung einigten sich die Beteiligten auf ein abgekürztes Verfahren. Der 44-Jährige gestand alle in der Anklage aufgeführten Punkte ein und zeigte sich mit dem Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft einverstanden. Das Dietiker Bezirksgericht erhob diesen Vorschlag, der eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten bei einer Probezeit von drei Jahren sowie eine zu bezahlende Busse von 2000 Franken vorsieht, kürzlich zum Urteil.

Grundsätzlich sei dies angemessen, merkte Gerichtspräsident Aeschbacher an. Er verwies aber auch darauf, dass sich der Mann nicht nur eine grobe Verkehrsregelverletzung geleistet habe, sondern an jenem Sonntagabend gleich deren zwölf begangen habe.

«Jedes einzelne dieser Fahrmanöver hat eine erhebliche abstrakte oder gar konkrete Gefahr beinhaltet.» Der 44-jährige Fahrer, in dessen BMW auch seine gesamte Familie sass, könne froh sein, dass nichts passiert sei. Es habe nur wenig gefehlt, dass jemand verletzt oder gar getötet worden sei.

Dass der Mann anfänglich von einem anderen Lenker provoziert worden sei, möge durchaus der Fall gewesen sein, sagte Aeschbacher. Aber dies sei letztlich egal, das rechtfertige das massive Bedrängen anderer Autofahrer nicht. «Das geht einfach nicht.» Zugunsten des Mannes wertete das Gericht das Geständnis, das zwar nur zögerlich gekommen sei.

Der verurteilte Lenker musste wegen seiner Autobahnfahrt vom April 2019 bereits seinen Ausweis für vier Monate abgeben. Nun muss er noch das Lernprogramm «Start» für risikobereite Verkehrsteilnehmende besuchen; das Bezirksgericht Dietikon bestätigte den Urteilsvorschlag. Schliesslich hat der Mann neben der Busse von 2000 Franken auch noch die Gebühren für das Gericht und das Vorverfahren in der Höhe von 3900 Franken zu bezahlen.

Wegen der Corona-Restriktionen fand die Verhandlung im Bezirksgebäude in zwei getrennten Sälen statt. Das Richtergremium sass in Saal 1, der Beschuldigte und eine Begleiterin ein Dutzend Meter entfernt in Saal 3. Mittels Kameras und Bildschirmen konnten sie miteinander kommunizieren. Der Verteidiger des 44-Jährigen war derweil von seinem Büro aus per Telefonleitung zugeschaltet.

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