Konzerte
Wegen Corona: Die Musik im Limmattal verstummt bis auf weiteres

Die Musikvereine im Limmattal treten vorerst nicht auf. Aufgrund der Coronakrise legten die Vereine ihr Programm und die Proben auf Eis.

Carmen Frei
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Konzerte wie dieses Kirchenkonzert der Stadtmusik Dietikon werden in näherer Zukunft nicht stattfinden.

Konzerte wie dieses Kirchenkonzert der Stadtmusik Dietikon werden in näherer Zukunft nicht stattfinden.

Christian Murer

Die verschärften Massnahmen des Bundesamts für Gesundheit sind für die Limmattaler Musikvereine einschneidend. Die neuen Regelungen lassen nur noch Proben unter sehr eingeschränkten Verhältnissen zu. Für Fabian Zwimpfer, den Präsidenten der Stadtmusik Dietikon, war das aber absehbar. «Wir haben die Massnahmen kommen sehen», sagt er. Sie hätten unabhängig davon bereits im Vorfeld eine Umfrage im Verein gemacht; mit dem Resultat, dass die Stadtmusik Dietikon nicht mehr hinter einer Weiterführung des Betriebs wie bis anhin steht. Dann habe der Bundesrat fast zeitgleich die schärferen Massnahmen verhängt.

«Bis auf weiteres ist nun alles unterbrochen. Wir haben keine Proben mehr, und das Konzert im November ist abgesagt», bedauert Zwimpfer. Bereits zuvor seien verschiedene Engagements abgesagt worden, so zum Beispiel die Feuerwehrhauptübung. Bei den Proben habe die Stadtmusik Dietikon hingegen versucht, den Betrieb wieder aufzunehmen. «Im Juni haben wir wieder angefangen mit Proben im Freien», sagt er. Es sei hauptsächlich darum gegangen, wieder Musik machen zu können. Ab September sei das Korps für Proben in Register und Ensembles aufgeteilt worden. Gesamtproben hätten aber nur selten stattgefunden, da aufgrund der Regelungen nur unter speziellen Umständen geprobt werden konnte. «Wir werden die Situation in ein paar Wochen wieder evaluieren. Ich bin zuversichtlich, dass wir einen Weg finden werden, auf irgendeine Art und Weise Musik machen zu können», sagt Zwimpfer.

Konzertübertragung per Livestream findet nicht statt

Wegen der verschärften Massnahmen musste auch der Musikverein Harmonie Schlieren den kompletten Probebetrieb einstellen, wie der Präsident Markus Otto mitteilt. Die Harmonie Schlieren hätte am 21. November ihr Galakonzert durchgeführt, das Interessierte per Livestream auf der Vereinswebsite hätten verfolgen können. Das fällt nun ins Wasser.

Bis anhin habe man unter Einhaltung eines Schutzkonzeptes geprobt, erklärt Otto. Seit den neuesten Entscheiden des Bundesrats sei das nicht mehr möglich. Momentan überlege man sich, in kleinen Gruppen von maximal fünfzehn Leuten dennoch Proben abzuhalten, sagt Otto. «Die soziale Komponente ist eine wichtige. Ohne Proben käme sie zu kurz.»

Bei der Harmonie besteht die Hoffnung, dass Konzerte bis Ende Oktober 2021 wieder erlaubt sind: Dann soll «Züri ­töönt» in der Halle 622 in Zürich Oerlikon stattfinden. Die musical-ähnliche Produktion wurde vom Dirigenten der Harmonie Schlieren, Tobias Zwyer, komponiert. Geplant war der Anlass für den vergangenen Sommer, wurde aber frühzeitig um ein Jahr verschoben. Ob «Züri ­töönt» dann tatsächlich durchgeführt werde, hängt unter anderem von der Durchführung des Sechseläuten in Zürich ab, das den Organisatoren von «Züri töönt» als Werbeplattform dient. Fällt das Sechseläuten ins Wasser, werde auch eine Durchführung von «Züri töönt» unwahrscheinlich, sagt Otto.

Proben in Kleingruppen dürften schwierig werden

Auch bei der Harmonie Urdorf hat man schnell reagiert und die nächsten Proben abgesagt. «Wir hatten grosses Glück, dass wir letzten Sonntag unser Konzert in der Kirche Urdorf unter Berücksichtigung aller Schutzmassnahmen noch durchführen konnten», sagt Präsident Urs Dannenmann. Die Mitglieder des Vorstands und der Musikkommission würden demnächst virtuell besprechen, wie es weitergehe. «Allerdings wird ein Probebetrieb mit maximal 15 Teilnehmenden eine Herausforderung sein», sagt er. So könnten nicht einmal die Hälfte der Mitglieder anwesend sein.

Dannenmann lobt in dieser schwierigen Situation den kantonalen sowie den Schweizer Blasmusikverband und das Bundesamt für Kultur (BAK). «Sie schicken uns regelmässig Weisungen dazu, wie man sich verhalten soll», sagt er. Die Verbände und das BAK seien gut organisiert, was sich gerade jetzt besonders zeige. Die Sicherheit und die Gesundheit aller Mitglieder seien grundsätzlich das Wichtigste. Bereits vor einigen Wochen wurde deshalb das Jahreskonzert Ende Januar abgesagt. Doch Dannenmann blickt optimistisch in die Zukunft: «Wir hoffen, dass wir ab Frühling Anlässe im Freien durchführen können.»

2021 vorerst normal geplant

Marcel Burch, Präsident der Kreismusik Limmattal, schaut ebenfalls optimistisch nach vorne. «Das Jahr 2021 haben wir vorerst normal geplant», erklärt er. Allerdings hat dies auch pragmatische Gründe: «Absagen ist immer einfacher als nachträglich eintragen.»

Die Kreismusik probte noch bis zum Bundesratsentscheid am vergangenen Mittwoch. Seither wären die Proben noch mit 15 Personen möglich, doch sie werden bis auf weiteres nicht fortgeführt. «Eventuell werden wir die Zeit für Registerproben nutzen», meint Burch.

Die diesjährigen Auftritte musste die Kreismusik Limmattal alle absagen. Doch Burch sieht mögliche Alternativen. «Wir überlegen uns, wie wir in den nächsten Monaten eine digitale Konzertaufzeichnung verwirklichen können, damit wir die geleistete Arbeit auch in diesen Zeiten unserem Publikum präsentieren können», sagt er. Burch hofft, dass sich die Situation bald wieder normalisiert und die Kreismusik Limmattal ihre Passion wieder in gewohntem Rahmen mit ihren Mitmenschen teilen kann.