Derzeit besteht in den Limmattaler Hallenbädern Grossandrang. Doch je mehr Leute sich im Schwimmbecken tummeln, desto stärker sind die Badmeister gefordert. Das Problem: Badegäste bringen Hautschüppchen, Haare, Fussel oder auch Schminke mit ins Wasser. Zwar bindet Chlor die kleinen Schmutzpartikel, doch in Verbindung mit Wasser entsteht gebundenes Chlor, das sogenannte Chloramin. Dieses verursacht Augenbrennen und den unangenehmen Hallenbadgeruch.

Es gibt aber auch immer Badegäste, die es beim Schwimmen einfach laufen lassen. Dies bestätigen die angefragten Badmeister. «Leider kommt es noch immer vor, dass Besucher nicht auf die Toilette gehen», sagt Katja Ganz, stellvertretende Betriebsleiterin des Hallenbads Uitikon. Im Kanton Basel etwa bemängelte die kantonale Behörde in einem kürzlich veröffentlichten Bericht 30 von 188 Wasserproben: Entweder war das Wasser nicht sauber genug oder es enthielt zu viel Chemie, berichtete die «bz Basel». In zwei Proben wurden sogar das Bakterium Escherichia coli gefunden – ein Indiz dafür, dass im Wasser menschliche Fäkalien vorhanden sind.

Planschen Badegäste auch im Limmattal in verunreinigtem Wasser? Der Zürcher Kantonschemiker gibt Entwarnung: Es stehe gut um die Wasserqualität im Limmattal, sagt Rolf Etter. Ihm seien jedenfalls keine grösseren Probleme bekannt. Einerseits sind die Hallenbäder zur Selbstkontrolle verpflichtet, andererseits entnimmt der Kanton auch unangemeldet Wasserproben und führt bakteriologische Untersuchungen durch. Wäre etwas nicht in Ordnung, könnte der Kanton ein Hallenbad vorübergehend schliessen.

Mehr Frischwasser bei Schülern

«Wir sind grundsätzlich innerhalb der kantonalen Werte», sagt Bruno Gmür, Badmeister des Hallenbads Urdorf. Das Badewasser ständig innerhalb der Werte zu halten, ist jedoch kein einfaches Unterfangen: Wenn am Morgen die Schüler zum Schwimmunterricht kämen, steige meistens der Harnstoffgehalt im Wasser. Dann muss Gmür mehr Frischwasser hinzugeben. Problematisch sei vor allem, wenn sich die Schüler vorher nicht richtig duschten. Dann nämlich landen Haare, Hautcreme und Schweiss im Wasser – der Anteil an gebundenem Chlor steigt.

Weil in Urdorf noch eine Filteranlage aus den 70er-Jahren steht, muss Gmür dann jeweils eine Menge Frischwasser dazugeben – zwischen 2000 und 3000 Liter am Tag. Das sind etwa 20 gefüllte Badewannen.

Weniger Frischwasser braucht das Dietiker Hallenbad Fondli. Die Wasseraufbereitungsanlage funktioniert mit Ozon. Diese sei quasi der Rolls-Royce unter den Wasseraufbereitungen, sagt Oskar Schildknecht, der Betriebsleiter. Geht das Badewasser zur Technik, wird es dort durch Ozon entkeimt. Danach wird dem Wasser mithilfe eines Aktivkohlen-Filters das Ozon wieder entzogen, schliesslich wird dem filtrierten Wasser noch Chlor beigefügt, bevor es wieder ins Becken gelangt. «Dank dieser Technik haben wir nie Probleme mit den Werten», sagt Schildknecht. Neben der Wasserqualität sei jedoch auch die Hygiene der Umgebung entscheidend. Und dazu könne auch jeder Badegast beitragen.

Besser als Flüsse oder Seen

Wie in den anderen Bädern wird auch im frisch sanierten Hallenbad in Geroldswil dreimal täglich das Badewasser kontrolliert. Auch hier habe man kein Problem mit den Werten, sagt die Chefbadmeisterin Maya Werder. In Geroldswil hat jedes Becken eine eigene Wasseraufbereitungsanlage. Es könne aber vorkommen, dass etwa ein Kind ins Becken mache. In einem solchen Fall müssen sie das Kinderbecken entleeren. Geschieht dies im Schwimmbecken, müssen die Badmeister den Haufen herausfischen und mit Chlor neutralisieren. «Im Vergleich zu Flüssen oder Seen erreichen Hallenbäder jedoch Trinkwasserqualität.»