Limmat
Was viele Böötler unterschätzen: Flussfahrten können auch lebensgefährlich enden

Wer sich nicht gut vorbereitet, begibt sich auf einer scheinbar harmlosen Bootstour in Lebensgefahr.

Janine Gloor
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Eine Fahrt im Gummiboot sollte nicht unterschätzt werden, auch wenn das Wasser ruhig fliesst.Archiv/Ly Vuong

Eine Fahrt im Gummiboot sollte nicht unterschätzt werden, auch wenn das Wasser ruhig fliesst.Archiv/Ly Vuong

Ly Vuong

Eine Bootsfahrt, die ist bekanntlich lustig. Aber nur, wenn sie auch sicher ist. Bei hochsommerlichen Temperaturen ist der Limmatabschnitt von Zürich nach Dietikon ein beliebtes Ziel, um sich auf einem Gummiboot oder einer Luftmatratze treiben zu lassen. Doch auch wenn das Wasser ruhig fliesst, birgt eine solche Bootstour ernsthafte Gefahren.

Mit den Flussregeln der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft kann jeder zu seiner Sicherheit beitragen. «Wir empfehlen, konsequent eine Schwimmweste zu tragen», sagt Mediensprecher Philipp Binaghi. Vom Zusammenbinden der Boote, wie es bei vielen Böötlern beobachtet werden kann, rät er ab. «Dadurch sind sie nicht mehr manövrierbar.» Die Boote auf der Limmat machen Lust zum Nachahmen, ein schwimmender Untersatz ist schnell organisiert. Doch vor der ersten Tour auf einem unbekannten Flussabschnitt soll man die Strecke am Ufer zu Fuss erkunden. «So kann man in Ruhe alle Hindernisse und gefährlichen Stellen erkennen», sagt Binaghi. Trifft man im Wasser auf ein unerwartetes Hindernis, muss man schnell reagieren. Das führe zu Stresssituationen und begünstige unüberlegte Entscheidungen, erklärt er.

Letzte Woche kam es beim Hönggerwehr zu einer gefährlichen Situation. Ein Mann in einem Gummiboot schaffte es nicht, auszuwassern. Im letzten Moment konnten Passanten ihn auf die Brücke hochziehen. Für Christoph Portmann von der Wasserschutzpolizei ein klarer Fall von schlechter Vorbereitung. «Gummiböötlen setzt ein Mindestmass an Eigenverantwortung voraus. Statt es blindlings anderen nachzumachen, sollte man sich erst der Gefahren bewusst werden», sagt er. 150 Meter vor dem Hönggerwehr warnen Tafeln vor dem Hindernis, doch nur wer die Strecke kennt, weiss, dass man auf der linken Seite des Wehrs über eine Rampe auswassern kann. Verpasst man diese, muss mit dem Schlimmsten gerechnet werden. «Ein Wehr kann zur Todesfalle werden», sagt Binaghi. «Das Weisswasser ist mit mehr Sauerstoff angereichert, Schwimmer werden nicht mehr getragen», erklärt er. «Durch die Rotation wird man darin festgehalten. Ohne fremde Hilfe kommt man zu 99 Prozent nicht mehr aus einer solchen Wasserwalze heraus.» Hindernisse wie Brückenpfeiler oder grosse Steine im Wasser sollen ebenfalls mit genügend Abstand umfahren werden. Wo sich das Wasser bricht, können Wirbel entstehen, von deren Sog Schwimmer heruntergezogen werden.

Böötler kennen Schilder nicht

Neben dem Hönggerwehr in Zürich befindet sich in Dietikon beim Wasserkraftwerk eine weitere sehr gefährliche Stelle. In diesem Sommer sei es noch zu keinem Zwischenfall gekommen, teilt die Betreiberin, die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), auf Anfrage mit. «Einzig ein verlassenes Gummiboot ist bei uns im Rechen gelandet, konnte aber seinen Besitzern unversehrt zurückgegeben werden», sagt EKZ-Mediensprecherin Priska Laïaïda.

Die mangelnde Vorbereitung einiger Böötler fällt auch der Kraftwerkbetreiberin auf. «Allgemein stellen wir in Dietikon immer wieder fest, dass vielen Gummibootfahrern die Schifffahrtszeichen nicht geläufig sind und sie sich deshalb falsch verhalten, was zu gefährlichen Situationen führen kann.» So habe es 20 Meter oberhalb des Wehrs ein Zeichen, dass man dort auswassern müsse. Trotz der klaren Signalisierung fahren Gummiboote aber immer wieder bis zur Kahnrampe weiter», sagt Laïaïda. Ein Zeichen zwischen dem Kraftwerk und der unteren Brücke zeigt an, wo nach dem Wehr wieder eingewassert werden kann. Viele Hobbykapitäne fahren jedoch gar nicht so weit: Die Nötzliwiese ist ein beliebter Ausstiegplatz, denn nirgends ist der Bahnhof – die Mitfahrgelegenheit an den Ausgangspunkt – näher.