Dietikon könnte eine Vorreiterrolle übernehmen und als erste Gemeinde im Limmattal einen Wirtschaftsrundgang anbieten. Der Vorschlag stammt von Gemeinderat Olivier Barthe (FDP), der die traditionelle Grenzbegehung für veraltet hält. Er will statt des Ablaufens von Gemeindegrenzen – «einem Relikt aus der Agrarwirtschaft Ende des sechzehnten Jahrhunderts» – lieber hier ansässige Firmen besuchen. Seine Interpellation hat der Stadtrat vergangene Woche positiv beantwortet: Er mag die Idee, aber organisieren soll den Anlass der Stadtverein (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Otto Müller, was halten Sie von der Idee eines Wirtschaftsrundgangs in Dietikon ?

Otto Müller: Mir gefällt die Idee von Olivier Barthe sehr gut. Ein solcher Rundgang würde Verständnis für unsere hiesigen Betriebe schaffen. Das Anliegen kann ich also nur unterstützen.

Geht es nach dem Stadtrat, soll der Stadtverein den Anlass künftig organisieren.

Es freut mich, dass man an uns gedacht hat. Wir organisieren ja heute schon jährlich viele Stadtführungen, unter anderem entlang der Reppisch oder mit Schwerpunktthemen wie «Starke Frauen in Dietikon». Nun künftig auch noch einen Rundgang zu den lokalen Wirtschaftsbetrieben zu organisieren, müssen wir natürlich zuerst im Vereinsvorstand diskutieren. Vermutlich wäre es aber wichtig, einen historischen Schwerpunkt zu setzen.

Wie meinen Sie das?

In Dietikon gibt es insgesamt etwa 1700 Firmen. Alle könnte man ja nie besuchen. Um eine vernünftige Auswahl treffen zu können, müsste man einen roten Faden schaffen, also ein Konzept haben. Denkbar wäre da der historische Ansatz: der Besuch beispielsweise der ältesten Betriebe. Oder man könnte auch thematisch festlegen, Betriebe auszuwählen, die mit Wasserkraft zu tun haben. Sehen Sie, hier bin ich schon Ideen am Entwickeln! (lacht)

Anscheinend soll es aber schwierig sein, Firmen dazu zu motivieren, mitzumachen.

Das glaube ich nicht unbedingt und es kann doch versucht werden. Es kann sein, dass es für einzelne Firmen schwierig werden könnte, einen Besuch am Wochenende zu ermöglichen oder dass beispielsweise gewisse Hygienevorschriften dagegensprechen.

Man könnte mit dem Anliegen ganz im Gegenteil ja aber auch «offene Türen» einrennen, wie Ihr Parteikollege Peter Metzinger es gegenüber dieser Zeitung formulierte.

Ja sicher, das glaube ich eher auch. Vermutlich wäre eine Mischform praktikabel: Gewisse Firmen würde man auf einem Rundgang nur von aussen besuchen, andere würde man von innen anschauen gehen.

Wer wäre das Zielpublikum?

Das ist eine interessante Frage. Bei der traditionellen Grenzbegehung ist es eine heterogene Gruppe, es fühlen sich auch Familien angesprochen. Letztmals organisierten wir den Anlass im Jahr 2016. Wir teilten den Rundgang in verschiedene Abschnitte auf, einer ging ausschliesslich entlang der Reppisch. Dies mögen vor allem Naturliebhaber.

Kommen jeweils viele Interessierte?

Meist sind es etwa 30 Personen pro Anlass. Ich denke, für den Wirtschaftsrundgang müsste man sich erst noch überlegen, wer das Zielpublikum sein könnte.

Was unternimmt der Stadtverein nun in dieser Sache weiter?

Wir werden im Januar 2018 in eine Klausur gehen und unter anderem auch die Neuausrichtung unserer Angebote diskutieren. Einen Wirtschaftsrundgang an die Hand zu nehmen, werden wir prüfen.