Schaufenster und Regale überborden vor lauter Geschenkangeboten, der Himmel hängt voller Weihnachtsbeleuchtung, die Lebensmittelläden verkaufen Schokolade, Erdnüssli und Fondue-chinoise-Fleisch in Mehrkilopackungen. Weihnachten steht vor der Tür, keiner kommt drum herum. Doch was bedeuten die Festtage für Anhänger anderer Religionen? Bekommen jüdische und muslimische Kinder auch Geschenke, damit sie auf ihre Schulkameraden nicht eifersüchtig werden? Und feiern sie auch Familienfeste während der freien Tage?

Die Zeit über Weihnachten verbringen Juden «so, wie die meisten Leute ihre freien Tage verbringen: Familie und Freunde besuchen und ausruhen, zum Beispiel», sagt Susi Saitowitz, Generalsekretärin der Jüdisch Liberalen Gemeinde in Zürich.

Just auf die Weihnachtsfeiertage fällt dieses Jahr das jüdische Lichterfest: Chanukka dauert acht Tage lang, vom 21. bis 28. Dezember, und wird zum Gedenken an die Wiedereinweihung eines von den Griechen entweihten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 vor Christus gefeiert. Weil der jüdische Kalender eine andere Zeitrechnung hat, fällt das Fest jedes Jahr auf ein anderes Datum im Zeitraum November/Dezember.

«In den meisten Familien bekommen die Kinder auch Geschenke zu Chanukka», sagt Saitowitz. Anstelle eines Tannenbaums stellen Juden einen neunarmigen Chanukkaleuchter auf: «Während Chanukka wird an acht Tagen jeden Abend mithilfe des neunten Armes, des so genannten ‹Schamasch›, ein weiteres Licht angezündet.» Zum Fest werde traditionellerweise Fettgebackenes aufgetischt, beispielsweise «Sufaniots» (Berliner) und «Latkes» (Kartoffelpuffer).

Zeit für Kurse und Ferienlager

«Die christlichen Feiertage bieten für uns verschiedene Möglichkeiten», sagt Hatice Yürütücü aus Dietikon, Mitglied der eidgenössischen Kommission für Migrationsfragen. Einige würden Ferien machen und in ihre Heimatländer reisen, andere würden zu Hause bleiben und sich erholen. Natürlich stehen auch Besuche von Freunden und Familien auf dem Programm: «Aber nicht, weil Weihnachten ist, sondern weil man endlich Zeit dazu hat», sagt Yürütücü.

Zeit für Besuche – oder Kurse und Ferienlager: Die Islamische Glaubensgemeinschaft Dietikon beispielsweise organisiert während der Feiertage ein Filmfestival und ein Wintercamp für Kinder. «Für das Festival drehen die Kursteilnehmer ihre eigenen Filme und im Camp lernen die Kinder etwas über die Islamwissenschaft und geniessen den Schnee», sagt Präsident Cengiz Yükseldi. Geschenke bekommen die muslimischen Kinder keine: «Unsere Festtage werden auch mit Geschenken gefeiert, da gleicht sich das aus», sagt er und lacht. «Die muslimischen Kinder sind in sofern gegenüber den christlichen Schulkameraden nicht benachteiligt.» Einen Tannenbaum würde sich Yükseldi nicht in die Stube stellen: «In Holland habe ich das schon erlebt, dass Muslime den Kindern zuliebe einen Tannenbaum geschmückt haben. Aber hier kenne ich niemanden, der das tut.»

Muslime feiern Ramadan oder das Opferfest, die Geburt des Propheten Mohammed hingegen wird nicht wie Weihnachten gefeiert. «Anlässlich von Ramadan und Opferfest gibt es auch Geschenke und Geldgaben für die Kinder», sagt Yürütücü. Sie erinnere sich daran, wie sie als Kinder bei Nachbarn, Verwandten und Bekannten vorbei gingen, ihnen ihre Festtagswünsche mitteilten und dafür kleinere Geldbeträge und Geschenke mitnahmen. «Es war immer ein Wettkampf, wer das meiste Geld und die meisten Geschenke sammeln konnte.» Diese Tradition für die Kinder werde auch in der Schweiz weitergeführt.