Gefängnisausbruch Limmattal
Was treibt Frauen in die Arme von Mördern und Vergewaltigern?

Eine Wärterin des Gefängnisses Limmattal verhilft einem verurteilten Vergewaltiger zur Flucht und brennt mit ihm durch. Wie ist es möglich, Gefühle für jemanden zu entwickeln, der anderen Menschen grösstes Leid zugefügt hat?

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Auf der Flucht: Hassan Kiko.

Auf der Flucht: Hassan Kiko.

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Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Die Gefängniswärterin Angela Magdici (32) verhilft dem verurteilten Sexualstraftäter Hassan Kiko (27) zur Flucht aus der Haftanstalt Limmattal und brennt mit ihm durch.

Vermutet wird, dass die beiden eine amouröse Beziehung eingegangen sind und sich gemeinsam nach Italien abgesetzt haben.

Angela Magdici verhielf einem Vergewaltiger auf die Flucht – sie dürften gemeinsam mit einem BMW in Richtung Italien geflüchtet sein.

Angela Magdici verhielf einem Vergewaltiger auf die Flucht – sie dürften gemeinsam mit einem BMW in Richtung Italien geflüchtet sein.

zvg

Über die Beweggründe, weshalb sich die Frau in die Arme des verurteilten Vergewaltigers begab, ihre berufliche und soziale Zukunft aufs Spiel setzt, kann nur spekuliert werden.

Ist hier das Klischée «Bad Boy - schöne Frau» im Spiel oder steckt mehr dahinter?

Psychologisch gesehen ist das Phänomen nicht neu: Massenmörder und Sektenguru Charles Manson (81) hatte zahlreiche Groupies und soll seine 26-jährige Freundin 2014 im Gefängnis gar geheiratet haben.

Frauenmörder Ted Bundy ehelichte seine Anwältin Carole Anne Boone und sogar der irre norwegische Amok-Killer Anders Breivik soll viele Verehrerinnen haben.

Massenmörder Charles Manson: Er und seine sektenähnliche Manson Familiy töteten 1969 in der Nähe von Los Angeles mehrere Menschen. Darunter die hochschwangere Hollywood-Schauspielerin Sharon Tate, damalige Ehefrau von Regisseur Roman Polanski.

Massenmörder Charles Manson: Er und seine sektenähnliche Manson Familiy töteten 1969 in der Nähe von Los Angeles mehrere Menschen. Darunter die hochschwangere Hollywood-Schauspielerin Sharon Tate, damalige Ehefrau von Regisseur Roman Polanski.

Keystone

Es geht aber auch weniger spektakulär: Zahlreiche Gefängnisinsassen unterhalten Brieffreundschaften zur Aussenwelt. Oftmals handelt es sich dabei um «Liebespost». Die Website «jailmail.de» bietet sogar eine regelrechte Kontakt-Börse von «drinnen nach draussen».

Dabei geht es meist um eine Art Tauschhandel. Die Häftlinge suchen nach Abwechslung vom tristen Gefängnisalltag, die Frauen nach Zuneigung.

Dass es sich oft um Frauen handelt, welche selbst Gewalt oder Misshandlung erlitten haben, ist kein Zufall.

In der Psychologie beschreibt der Fachbegriff «Hybristophilie» die mit sexuellem Begehren verbundene Zuneigung zu Straftätern, insbesondere aus dem Sexual- und Gewaltbereich.

Typologie der Verehrerinnen

Mögliche Motive für ein solches Verhalten können traumatische Erfahrungen mit Misshandlung oder Übergriffen aus früheren Beziehungen oder in der Kindheit sein.

Der österreichische Psychiater Reinhard Haller teilt Frauen, welche sich in Beziehungen zu solchen Männern begeben, in drei Typen ein, wie er gegenüber «Spiegel.de» sagt:

Die Retterin: Sie würde sich als Heldin einer Geschichte sehen, die zu ihrem Mann halte, obwohl die ganze Welt gegen sie sei.

Die Seelenforscherin: Dieser Frauen seien fasziniert vom Bösen und wollen die Abgründe der Seele ergründen.

Der archaische Typ: Hier gehöre «das Morden, Töten und Schlachten zum Männlichen», so Haller. Die Frau würde diese Verhaltensweisen mit «Stärke, Schutz und Sicherheit» assoziieren.

Was gemäss Psychiater fast allen dieser Beziehungen eigen ist: Die Frauen würden die Taten der Männer bagatellisieren oder ganz verleugnen, so Haller. (az)

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