Kinderschänder-Fall
Was treibt einen Menschen bloss zu solch schrecklichen Taten?

Der Kinderschänder-Fall im Limmattal sorgt für Entsetzen und Aufruhr. Wie wirken sich Missbräuche auf die Kinder in ihrer Entwicklung aus? Der Psychologe und Sexualtherapeut Thomas Spielmann mit Erklärungsversuchen.

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Die Anklageschrift ist 42 Seiten lang - und sie erschüttert. Ein Mann, der lange Zeit in Dietikon wohnhaft war, missbrauchte über Jahrzehnte Buben. Der Justiz sind acht Opfer bekannt, weitere könnten sich noch melden. Der jüngste Knabe war beim ersten Übergriff 8 Jahre alt, der älteste war beim letzten Übergriff 15. Die Buben übernachteten jeweils einzeln beim Mann zuhause, manche von ihnen über hundert Mal. Ein Teil der Opfer lernte er in der Pfadi Züri kennen, auch wenn diese über diverse Massnahmen gegen sexuelle Ausbeutung verfügt.

Der Psycholog und Sexualtherapeut Thomas Spillmann ist überzeugt, dass die betroffenen Kinder in ihrer gesunden Sexualentwicklung gestört wurden. Ihnen wurde eine adulte Sexualität übergestülpt, ohne dass sie sich spielerisch und mit Neugier diesem Thema annähern konnten.

«In dem Augenblick, wo ein Opfer anfangt zu Reden, kann das Erlebte verdaut und auch bewältigt werden» sagt Spillmann im TeleZüri Video. «Im Schweigen geht der Missbrauch weiter.»

Doch was treibt einen Mensch zu Sex mit Kindern? Für Spillmann ist eine mögliche Erklärung, dass sich der Täter selbst als Opfer sieht. «Nämlich darum, weil das Strafrecht und die Gesellschaft das Ausleben seiner sexuellen Präferenz verhindert.»