Sternwarte Uitikon
Was steckt hinter dem Stern von Bethlehem?

Andreas Weil von der Sternwarte erklärt das Weihnachtsstern-Phänomen. Die drei Weisen folgten wahrscheinlich einer Konstellation von Saturn und Jupiter.

von Flurina Dünki
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Die Sternwarte Uitikon hat verschiedene Thesen zu der Erscheinung des Bethlehemstern aufgestellt.

Die Sternwarte Uitikon hat verschiedene Thesen zu der Erscheinung des Bethlehemstern aufgestellt.

ZVG

Drei weise Männer machten sich einst vom Morgenland Richtung Mittelmeer auf, um im beschwerlichen Ritt die Wüste zu durchqueren. Ihr Beweggrund war die Erscheinung eines leuchtenden Sterns. Sie interpretierten ihn als Wegweiser zum Geburtsort eines neugeborenen jüdischen Königs. So erzählt es der Apostel Matthäus in seiner Version der Weihnachtsgeschichte.

Die Reise der drei Weisen, als deren Ausgangsort Babylon vermutet wird, muss aufgrund der 800 Kilometer langen Strecke mehrere Wochen gedauert haben. Was also leuchtete vor über 2000 Jahren so hell am Himmelszelt, dazu noch über eine solch lange Zeit?

Andreas Weil, Führer in der Sternwarte Uitikon

Andreas Weil, Führer in der Sternwarte Uitikon

Flurina Dünki

«Es muss etwas Helles im Westen gewesen sein, von Babylon her gesehen», sagt Andreas Weil von der Sternwarte Uitikon. Im Laufe der Jahrhunderte habe man verschiedene Thesen dazu aufgestellt. Diese basierten auf Ereignissen im Weltall, die sich zwischen den Jahren 7 und 4 vor Christus ereignet haben. In dieser Zeit wird auch die Geburt Jesu vermutet.

Die Explosion eines Sterns (Supernova) und das Erscheinen eines Kometen seien häufige Theorien, so Weil. «Eine Supernova würde im Weltall Reste hinterlassen, die über tausende von Jahren sichtbar sind und die Sternexplosionen genau datieren lassen. Solche Reste konnten aber auch mit speziellen Teleskopen am entsprechenden Ort im All nicht gefunden werden.» Auch ein Komet sei in den Jahren um Christi Geburt nicht in Erdennähe gewesen, sagt der 72-Jährige. Zudem wäre ein Komet von den dreien kaum als Symbol von Geburt und Neubeginn gedeutet worden, war er doch Zeichen für Tod, Unwetter, Feuer und Krieg.

Der mittelalterlichen Malerei ist es zu verdanken, dass wir uns den typischen Behtlehemstern gleichwohl kometenähnlich vorstellen. Als einer der ersten malte der Florentiner Künstler Giotto di Bondone im 14. Jahrhundert eine Krippenszene mit einem Kometen als Weihnachtsstern. Vorbild dafür war der Komet Halley, den der Maler 1301 beobachten konnte.

Saturn und Jupiter

«Die wahrscheinlichste These ist, dass es kein einzelner Stern, sondern eine Konstellation von Saturn und Jupiter war, die im Jahre 7 vor Christus aus Erdperspektive eng beieinander standen», sagt der Sternwarte-Führer. Die Tatsache, das Erde, Saturn und Jupiter mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten um die Sonne kreisen, würde bewirken, dass man alle 60 Jahre – und dann gleich drei Mal hintereinander – Saturn und Jupiter von der Erde her eng zusammenstehend sichten kann.

Das Phänomen des Planetenpaares, das dank Sonnenbeleuchtung den Erdbewohnern besonders hell erscheint, konnte im Jahr 7 vor Christus im Mai, September und Anfang Dezember als helle Erscheinung beobachtet werden. Dies würde auch erklären, weshalb die drei Könige im Matthäus-Evangelium den Stern über dem Bethlehemer Stall wiederentdeckten: «Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut.»

Grosse Konjunktion werde das mehrmalige Begegnen von Jupiter und Saturn genannt, erklärt Weil. Bei der Dezember—Konjunktion schloss sich zudem der Halbmond dem Duo an und gab dem Weihnachtsstern seinen Schweif. «Planeten konnten von Gelehrten der damaligen Hochkulturen, zu denen die drei Weisen gehörten, bereits identifiziert und deren Bahnen berechnet werden. Als sie den Jupiter als Königsplaneten mit anderen Himmelsobjekten vereint sahen, könnte dies ihnen die Geburt eines Königs symbolisiert haben», so Weil.

Der Mond als Schweif

Mittels Sternwarten-Grossbildschirm macht Weil einen Zeitsprung unter das Himmelszelt des Dezembers im Jahr 7 vor Christus. Tatsächlich nähernten sich damals die Planeten Saturn und Jupiter und der Halbmond mit jedem Tag etwas mehr, bis sie zusammen einen Halbkreis mit Kugelkopf bildeten.

«Im Jahr 7 vor Christus hatten sich die Planeten im Sternbild Fische ‹vereint›, das als Symbol des damaligen Israels stand», so Weil. Auch das hätten die Weisen aus dem Orient gewusst. Dies würde den jüdischen König erklären, den die drei suchten. Die nächste einfache Saturn-Jupiter-Konjunktion – leider ohne Mond-Schweif – können wir bereits im Jahr 2020 bestaunen. Und uns vorstellen, wie dank dieser Konstellation ein obdachloser Säugling einst zu Gold, Myrrhe und Weihrauch kam.