FC Dietikon

«Was meine Mannschaft gezeigt hatte, war charakterlos»: FCD und die Charakter-Frage

Der Wettswiler Nicola Peter ist vor dem Dietiker Ensar Biqkaj (blaues Dress) am Ball.

Der Wettswiler Nicola Peter ist vor dem Dietiker Ensar Biqkaj (blaues Dress) am Ball.

Zum Abschluss der 1.-Liga-Vorrunde gehen die Limmattaler beim Spitzenklub Wettswil-Bonstetten mit 0:5 unter.

João Paiva ist unbestrittenermassen ein sympathischer Zeitgenosse. Der 36-jährige Trainer des FC Dietikon weiss seine Gefühle geschickt zu verbergen. Egal, ob sein Team gut spielt oder einen schlechten Tag einzieht, die Tonlage des Portugiesen ist bei den Analysen nach Spielschluss stets dieselbe. So überraschte es auch nicht, dass er äusserlich ruhig nach dem Debakel am vergangenen Samstag Stellung bezog.

Er sprach scheinbar entspannt, als befände er sich auf einem Sonntagsausflug mit seiner Familie. Die Worte des FCD-Übungsleiters hatten es allerdings in sich: «Was meine Mannschaft heute in den ersten 45 Minuten gezeigt hat, war ganz einfach charakterlos.» Hoppla, da war einer offenbar ziemlich angefressen. Paiva sparte auch weiter nicht mit klaren Worten. «Wir waren zu Beginn nicht bereit, und es wurde nicht besser. Die Trainings die Woche hindurch waren gut. Aber das heute, nein, das geht so gar nicht.»

Alle Feldspieler mit ungenügender Note

Einzelkritik wollte er nach der 0:5-Abfuhr verständlicherweise keine üben. Warum auch. Ausser Goalie Alpay Inaner, er gab nach überstandener Verletzung sein Comeback und wehrte sich nach Kräften, verdienten sich alle Akteure eine klar ungenügende Note. Zweikampfverhalten, Körpersprache – alles war auf Dietiker Seite mangelhaft.

So ist auch der Spielverlauf rasch erklärt. Schiedsrichter Patrick Rogalla hätte die einseitige Partie getrost nach 21 Minuten abpfeifen können. Zu diesem Zeitpunkt lagen die hoffnungslos überforderten Limmattaler bereits mit 0:4 hinten. Der FCD fand gegen das konsequente Wettswiler Pressing zu keiner Zeit ein probates Mittel. Den Torreigen eröffnete Wettswils 25-jähriger Goalgetter Luiyi Lugo nach exakt 250 Sekunden, als er den ersten Eckball der Partie in die Maschen köpfelte. Den Schlusspunkt setzte erneut Lugo mit dem 5:0 auf Foulpenalty nach bereits 37 Minuten. Der frühere Challenge-League-Spieler des FC Wohlen traf gleich viermal. Und hätte FCD-Keeper Inaner, obwohl nicht hundertprozentig fit in die Partie gestiegen, nicht zweimal mirakulös gerettet, die Klatsche wäre noch deutlicher ausgefallen.

Und die Dietiker? Sie konnten froh sein, dass die Gastgeber nach dem Seitenwechsel zwei Gänge zurückschalteten und es mit den fünf Toren gut sein liessen. Wettswil-Bonstetten wollte nicht mehr, die Dietiker konnten nicht mehr. In den 92 Minuten der Partie kamen die Limmattaler zu keiner einzigen nennenswerten Torchance.

Einen Aufreger gabs dennoch: In der 63. Minute zückte Ref Rogalla die rote Karte und schickte Dietikons Sportchef Christian Müller wegen Reklamierens weg von der Spielerbank. Müller, in jüngeren Jahren Goalie beim FCD, verstand die Welt nicht mehr: «In meiner ganzen Aktivzeit habe ich nur zwei Verwarnungen kassiert. Und jetzt ein Platzverweis wegen Reklamierens? Also, ich weiss nicht.»

Eine Schrecksekunde, als der Goalie zu Boden geht

Trotz allem Ungemach, die Dietiker hatten am Samstag in einer Szene grosses Glück. Goalie Inaner blieb in der 37. Minute, als Wettswil einen Foulpenalty zugesprochen erhielt, minutenlang am Boden liegen. Der Keeper musste sich pflegen lassen und stellte sich danach wieder ins Tor. Auswechseln hätte ihn der FCD nicht können, man reiste ohne Ersatzgoalie nach Wettswil.

Bevor die Winterpause beginnt, steht am kommenden Samstag mit dem Auswärtsspiel im Tessin gegen den FC Paradiso (17.30 Uhr, Campo Pian Scairolo) die erste Partie der Rückrunde auf dem Programm. Für den FC Dietikon – in der Tabelle nur noch zwei Punkte über dem Strich – geht es im Duell zweier Liganeulinge nicht nur um einen versöhnlichen Abschluss des Fussballjahres. Es geht auch um Revanche für die 0:2-Heimniederlage zum Saisonstart und ganz allgemein darum, mit einem Erfolgserlebnis in die lange Meisterschaftspause zu steigen.

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