Bezirk Dietikon
Was halten die Limmattaler Bauern von einem Wolf in ihrer Region?

Die Bauern im Limmattal halten Schutzmassnahmen gegen den Wolf für unnötig. Es gehe noch Jahre, bis sich hier ein Wolf ansiedle, so ihr Argument. Dem widersprecher allerdings Tierschützer. Und sie kritisieren die Schafzüchter ganz grundsätzlich.

Anina Gepp
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Der Urdorfer Schafhalter Thomas Grob hat keine Angst vor dem Wolf. Bis sich Wölfe ständig in der Region niederlassen, biete der Hofhund genügend Schutz.

Der Urdorfer Schafhalter Thomas Grob hat keine Angst vor dem Wolf. Bis sich Wölfe ständig in der Region niederlassen, biete der Hofhund genügend Schutz.

Ein Wolf im Limmattal? Letzte Woche hat sich so mancher gewundert über diese Nachricht. Doch der Wolf ist in Schlieren vom Zug angefahren und dabei getötet worden. Er war der erste seiner Art im Kanton Zürich. Die Gruppe Wolf Schweiz hält es wie die Zürcher Fischeri und Jagdverwaltung aber durchaus für möglich, dass sich nach dem Schlieremer Wolf bald wieder ein Tier im Limmattal niederlässt. Für die Bauern der Region ist das ernst zu nehmen.

Der Birmensdorfer Bauer Hans-Ulrich Hedinger hält 42 Schafe und hofft, dass es bei dem einen am letzten Mittwoch totgefahrenen Exemplar bleibt. «Ich kann keinen drei Meter hohen Zaun um meine Schafe bauen», sagt er. Dafür fehle ihm schlichtweg das Geld. Ausserdem sei er schon jetzt zur Genüge damit beschäftigt, seine Schafe vor menschlichen Dieben zu schützen. Diese stehlen ihm nämlich immer wieder mal ein Schaf.

«Falls tatsächlich wieder ein Wolf auftaucht, muss ich mir überlegen, was mit meinem Schafen passiert», so Hedinger. Der Bauer würde in diesem Falle sogar in Erwägung ziehen, seine Schafe ganz aufzugeben und vermehrt auf Getreideanbau setzen. «Dass der Wolf keinen Salat frisst, wissen wir schliesslich alle. Und ihn zu füttern, nur damit er keine Schafe reisst, wäre sicherlich auch der falsche Weg.» Noch glaubt Hedinger aber, dass sich das Schlieremer Exemplar nur versehentlich in den Kanton Zürich verirrt hat. «Der Wolf hat bei uns im Limmattal doch gar keinen Platz. Das Gebiet ist viel zu klein. Vielleicht wurde er ja von seinem Rudel verstossen.»

Tägliche Kontrolle der Schafe

Bauer Thomas Grob, der in Urdorf Schafe züchtet, glaubt ebenfalls, dass es sich beim Schlieremer Wolf um einen Einzelfall handelt. «Es wird noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis sich der Wolf im Kanton Zürich ansiedelt», sagt er. Zum jetzigen Zeitpunkt Massnahmen zu treffen, sei daher übertrieben. Falls sich dennoch ein Wolf nach Urdorf verirren sollte, will Grob einen Stromzaun anbringen. «Zudem kann es mein Hofhund auch locker mit einem Wolf aufnehmen und die Schafe beschützen». Der Urdorfer bleibt zunächst aber gelassen: «Ich warte jetzt erst einmal ab und breche nicht gleich in Panik aus. Vorerst bleibt auf meinem Hof alles beim Alten.

Anders als die Bauern hält es Werner Flückiger der Gruppe Wolf Schweiz für sinnvoll, die Schafe bereits jetzt vor Wölfen zu schützen. «Das ist keineswegs voreilig gehandelt», sagt er. Schafe kontrolliert in eingezäunten Gebieten zu halten und über Nacht in den Stall zu nehmen wäre eine Möglichkeit. Auch ein Hund könne einen Wolf durch seine Präsenz auf Distanz halten. «Es geht vor allem darum, die Schafe besser zu kontrollieren und zu betreuen», sagt Flückiger.

Bauern, die ihre Tiere vor dem Wolf schützen, erfüllten gleichzeitig auch eine tiergerechtere Schafhaltung, so Flückiger. Leider seien viele Schafe in der Schweiz tagelang sich selbst überlassen, ohne dass jemand nach ihnen sehe. Es sei jedoch wichtig, dass die Bauern jeden Tag kontrollierten, ob die Tiere gesund sind. So könnten Krankheiten, Fehlgeburten und Verletzungen schneller erkannt und behandelt werden. «Der Wolf zwingt die Bauern dazu, ihre Schafhaltung zu optimieren. Das ist durchaus positiv.»

Den Dialog zwischen Schafhaltern und Naturschützern aufrecht zu erhalten, ist ein zentrales Anliegen der Gruppe Wolf Schweiz. Von der Aussage, der Wolf habe zu wenig Platz im Limmattal, hält Flückiger nichts. «Überlassen wir es doch dem Wolf, wo er sich niederlassen will.» Flückiger appelliert an die Bauern, ihre Schafe per sofort besser zu schützen. Denn der Wolf sei ein Opportunist und gehe keinerlei Risiko ein. «Ist es für ihn zu schwierig an die Schafe heranzukommen, versucht er es gar nicht erst und sucht sich seine Beute in der freien Wildbahn.»

Für den Menschen stellt der Wolf keine Gefahr dar, wie die Zürcher Fischerei- und Jagdverwaltung letzte Woche deutlich machte. Der Wolf sei ein scheues Tier und meide den Menschen. Schafe aber, die mag der Wolf. Das beweist er immer mal wieder im Kanton Wallis.