Edwin Schlumpf ist erzürnt. Der 86-jährige Schlieremer erhielt kürzlich Post vom Kanton, genauer gesagt von der Volkswirtschaftsdirektion. Im Umschlag befand sich ein Fragebogen zu seinem Mobilitätsverhalten. «Nicht nur ist der Zeitpunkt für eine solche Umfrage völlig falsch gewählt, auch haben die gestellten Fragen teilweise nichts mit dem Limmattaler Verkehr zu tun», moniert Schlumpf.

Im April gab die Volkswirtschaftsdirektion bekannt, dass sie im Rahmen einer Umfrage in den Städten Dietikon und Schlieren sowie in der Gemeinde Urdorf insgesamt 6300 Personen anschreiben wird. Die Befragung sei ein Teil des «Verkehrsmonitorings Limmattal», wobei es sich um eine Wirkungs- und Erfolgskontrolle der umfangreichen Infrastruktur- und Angebotserweiterung im Limmattal handle, hiess es damals. Im Zentrum stehe die Eruierung des Mobilitätsverhaltens der Bevölkerung wie auch die Einstellung zur Wahl des Verkehrsmittels.

Das Ausfüllen des Fragebogens dauere rund 20 Minuten und sei anonymisiert, wie es im zwölfseitigen Dokument heisst. An einem bestimmten Referenztag soll der Teilnehmer Auskunft über benutzte Verkehrsmittel, Gründe für die Wahl der Verkehrsmittel, Pendlerdauer und eine Beurteilung der Ist-Situation des Limmattaler Verkehrs geben. Die Macher der Umfrage wollen auch in Erfahrung bringen, wie gross der Haushalt des Teilnehmers ist. Ebenso interessiert sie das Jahreseinkommen des Haushaltes und, ob das Vorhandensein einer Dusche am Ende des Weges die Wahl des Verkehrsmittels beeinflusse.

«Angaben haben einen Wert»

«Was geht es denn den Kanton an, wo ich duschen kann und warum interessiert ihn mein Jahreseinkommen, wenn es um Verkehr geht?», fragt Schlumpf rhetorisch. Aus seiner Sicht hat dies nichts mit einer seriösen Umfrage zu tun.

Markus Gerber, Kommunikationsbeauftragter beim Amt für Verkehr, versichert, dass die öffentlich einsehbaren Richtlinien zum Datenschutz eingehalten werden. Er verweist zudem darauf, dass die kritisierten Angaben durchaus einen Wert für die Erhebung der Umfrage haben. «Das Einkommen kann eine wichtige Variable sein, wenn es darum geht, Verhalten und Einstellungen zu erklären», so Gerber. Daher werde es in der Umfrage erhoben. Die Befragten können ihr Einkommen einer von sechs möglichen Kategorien zuordnen. «Bei sämtlichen Fragen besteht immer die Möglichkeit, mit ‹weiss nicht› oder ‹keine Antwort› zu antworten», so Gerber.

Zu den Duschgelegenheiten hält Gerber fest, dass eine solche für viele Menschen nach einer anstrengenden Velofahrt wichtig sei. «Sie fühlen sich – besonders wenn sie Kundenkontakt haben – sicherer, wenn sie duschen können», so Gerber. Somit handle es sich beim Vorhandensein einer Dusche um ein entscheidendes Kriterium für die Wahl des Verkehrsmittels.

Umfrage soll wiederholt werden

Doch damit nicht genug: Neben dem Inhalt stellt Schlumpf, der laut eigenen Angaben von zahlreichen verärgerten Schlieremern weiss, auch den Zeitpunkt der Erhebung infrage. «Derzeit wird in Schlieren gebaut wie noch nie. Eine solche Umfrage sollte man machen, wenn sich diese Veränderungen erst mal gesetzt haben», sagt er. Er, der sich auch aktiv gegen den Bau der Limmattalbahn eingesetzt hat, fände den Zeitpunkt in zwei, drei Jahren besser. «Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine solche Umfrage aber mehr als dubios», so Schlumpf.

Gerber stimmt mit Schlumpf überein, dass sich die Auswirkungen der Umwälzungen erst in ein paar Jahren zeigen werden. «Daher begleiten wir den Veränderungsprozess mit Befragungen im Rahmen einer Vorher-nachher-Betrachtung. Konkret heisst das, die Umfragen werden in regelmässigen Abständen wiederholt», so Gerber. In einem dreijährigen Rhythmus solle dies geschehen, damit Veränderungen über die Zeit nachvollzogen werden können.

Generell lasse sich sagen, dass die Umfrage nicht für grossen Unmut in der Bevölkerung sorgt. «Wir stellen eine grosse Bereitschaft fest, die Fragen zu beantworten», sagt Gerber. Dies gehe vor allem aus dem hohen Rücklauf und den sehr wenigen kritischen Rückantworten hervor – lediglich zwei Schreiben hätten den Kanton erreicht, in welchen sich Personen über die Befragung beklagen. Bislang seien rund 1500 Fragebögen retourniert worden, was einem Rücklauf von 24 Prozent entspreche. «Damit wurde die geschätzte Rücklaufquote bereits vor Ablauf der Befragung erreicht», so Gerber.

Edwin Schlumpf hat darauf verzichtet, den Fragebogen auszufüllen, und verweist darauf, dass es ihm zahlreiche Bekannte gleichtun würden.