In Gummistiefeln und wettergerechter Kleidung beugt sich Louis Sutter über drei farbige Plastikbecher. Der Doktorand prüft gerade, wie viele Insekten in seine Falle geraten sind. Landwirtschaftsmeister Gerhard Baumann vom Kloster Fahr geht ihm dabei zur Hand.

Die Insekten füllt Sutter in kleine, durchsichtige Dosen ab, die er später im Labor bestimmt.

Diese Forschungsarbeiten führt Sutter im Rahmen einer europäisch angelegten Studie des Forschungsinstituts Agroscope durch. Nebst der Schweiz sind weitere sieben Länder daran beteiligt. Untersucht wird, wie ökologische Ausgleichsflächen die Biodiversität auf landwirtschaftlich genutzten Flächen fördern.

Spinnen und Käfer zählen

Drei der rund 70 untersuchten Grünflächen in der Schweiz gehören zum Landgut des Klosters, das von Bauer Baumann bewirtschaftet wird. Sutter bestimmt auf den ausgewählten Wiesen die Überwinterungsmöglichkeiten, misst das Potenzial für Bestäuber im Sommer und erforscht, welche anderen Nützlinge für die Schädlingsbekämpfung vorhanden sind. Dazu begutachtet er die Struktur und Vielfalt der Vegetation und das Nahrungsangebot für Bestäuber in Form von Pollen und Nektar. Indem er Spinnen und Laufkäfer sowie parasitisch lebende Nützlinge zählt, kann er ausserdem feststellen, wie hoch das Potenzial der Schädlingsbekämpfung ist.

50 Prozent Ausgleichsfläche

Bauer Baumann freut's: «Die Zusammenarbeit mit Agroscope ist nicht nur für das Kloster, sondern für die Landwirtschaft im Allgemeinen sehr wertvoll.» Es sei ausserdem gut, wenn Junge sich für eine nachhaltigere Landwirtschaft engagieren würden, denn schliesslich gehe es um die Erhaltung der Natur für die nächste Generation.
Eine nachhaltige Bewirtschaftung mit ökologischen Ausgleichsflächen wird heute bereits vom Bund vorgegeben.

Ein Anteil von sieben Prozent naturbelassener Fläche ist dabei im Normalfall das Mindestmass, das Kloster Fahr hat rund fünfzig. Da das Kloster Fahr eine Stiftung ist, darf Bauer Baumann aber nur die Hälfte des Landguts mit ökologischen Ausgleichsflächen bewirtschaften, die dann mit Ausgleichszahlungen vom Bund vergütet werden.

Nachhaltige Landwirtschaft ist aber nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sie passt auch zur Ideologie des Klosters. Seit 2008 nimmt das Kloster Fahr am Vernetzungsprojekt teil, das eine bessere Vernetzung von Wald, Landwirtschaft und der Siedlung ums Kloster verspricht.

Forschung dauert noch Jahre

Die im Rahmen von Agroscope durchgeführte Studie bringt auch dem Vernetzungsprojekt einen Nutzen. Das erhoffte, wenn auch nach Sutter ein wenig hoch gesteckte Ziel der Studie, könne denn beispielsweise die Erkenntnis sein, dass bei einer Bewirtschaftung mit Ausgleichsflächen weniger Insektizide gebraucht werden. Oder, dass sich dadurch ein höherer Produktionsertrag einstellt. Bis diese Ergebnisse aber wissenschaftlich abgesichert werden können, müssen Sutter und sein Team noch mindestens drei bis vier weitere Jahre forschen.

Landwirt Baumann ist auf die Forschungsergebnisse gespannt: «Vor allem aber möchte die Schwesterngemeinschaft den Menschen ein Stück Natur zurückgeben.» Beim Spaziergang durch die Felder weist er auf eine kleine Gruppe Klatschmohn und Kornblumen hin, die am Rand seiner bewirtschafteten Weizen- und Rapsölfelder wachsen. «Das wäre bei einer hundertprozentigen Auslastung der Felder gar nicht möglich», meint er und lächelt zufrieden.

Sutter sammelt währenddessen die restlichen Insekten von den Plastiktellern in kleine Behälter ab, verstaut die Fallen ins Auto und fährt Richtung Labor davon. Denn bald ist Mähtag und dann ist die Wiese für die Forschung nicht mehr relevant.