Dietikon

Warum viel Müll im Boden bleibt — «Müsli» wird nur teilweise saniert

Jahrzehntelang war er unter der Erde. Jetzt ist der Abfall, der bis 1972 im «Müsli» entsorgt wurde, zu sehen.

Jahrzehntelang war er unter der Erde. Jetzt ist der Abfall, der bis 1972 im «Müsli» entsorgt wurde, zu sehen.

Die ehemalige Abfall-Deponie «Müsli» an der Dietiker Stadtgrenze zu Spreitenbach wird nur teilweise saniert.

Bei den Bauarbeiten für die Limmattalbahn wird derzeit zwischen Dietikon und Spreitenbach viel Abfall aus dem Boden geholt. Im Gebiet «Müsli», wo die Industriestrasse von der breiten Mutschellenstrasse abzweigt, «ist der Müll in der Böschung zurzeit für jedermann sichtbar», schreiben die Grünen-Kantonsräte Manuel Kampus (Schlieren) und Florian Meier (Winterthur) in einer Anfrage an den Regierungsrat. Die Rückstände stammen von einer ehemaligen Kehrichtdeponie. Diese gelte als sanierungsbedürftig, halten die beiden Politiker fest. Weshalb werde diese im Zuge der Bautätigkeiten denn nicht gleich saniert, erkundigen sie sich in ihrem Vorstoss.

Denn die Anlage wird derzeit nur teilsaniert: «Es wird der von dem Strassen- und Trasseebau betroffene Bereich dekontaminiert», erklärt Daniel Issler auf Anfrage. Laut dem Geschäftsführer der Limmattalbahn AG wird nur ein kleiner Bruchteil des Kehrichts entfernt, der unter der grünen Wiese liegt.

Im Rahmen des Plangenehmigungsverfahrens seien umfangreiche Altlastenabklärungen getätigt worden, sagt Issler. «Dabei stand die Frage im Raum, wie der Sanierungsbedarf aussieht.» Es zeigte sich, dass das Areal zwar als belastet und sanierungsbedürftig gilt, aber keine zeitliche Dringlichkeit besteht. Die Stadt Dietikon, der die Grundstücke im «Müsli» gehören, hatte deshalb 2016 ein Sanierungskonzept erarbeitet, das vom kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft genehmigt wurde; demnach wird die Deponie nicht saniert, sondern einfach weiter überwacht, indem das Grundwasser kontrolliert wird. «Eine unmittelbare Sanierung macht aus umweltrechtlichen und ökonomischen Gründen keinen Sinn», hatte der Stadtrat im November 2016 in seiner Antwort auf eine GLP-Interpellation geschrieben.

Eine allenfalls in der Zukunft notwendig werdende Sanierung der alten Deponie auf dem Grundstück «Müsli» müsse aber auch nach dem Bau der Limmattalbahn und den damit verbundenen Anpassungen am Strassennetz möglich bleiben, hielt der Stadtrat damals weiter fest. Indem nun mit den Bauarbeiten eine Teilsanierung erfolgt, ist dies gewährleistet.

Bei der Deponie an der Dietiker Stadtgrenze zu Spreitenbach handelt es sich um eine ehemalige Kiesgrube, die von 1959 bis 1972 mit Material aufgefüllt wurde. Abgeladen wurde hier einerseits insbesondere Haushaltskehricht, wie die kantonale Baudirektion im Kataster der belasteten Standorte festhält. Andererseits wurde auch ­Aushubmaterial, Bauschutt, Bausperrgut und Schlacke im «Müsli» deponiert.

Entsprechend werden nun insbesondere Rückstände zutage gefördert, wie sie in einem gewöhnlichen Haushalt anfallen, erklärt Thomas Schirmer, der beim Bau der Limmattalbahn als Projektleiter Umweltbaubegleitung fungiert. In den 1960er-Jahren sei der Abfall aber noch nicht getrennt worden. «Es findet sich deshalb alles», sagt Schirmer in einem Video der Limmattalbahn AG. Die Schaufeln der Bagger stossen auf Metall, Glas, Kupferbecher, Textilien wie alte Pullover und Hosen, Spraydosen und Plastikgefässe. «Ein ganzes Besteckservice haben wir auch gefunden», sagt Schirmer.

All dieses Material werde nun von einem spezialisierten Unternehmen aufwendig sortiert, führt Daniel Issler aus. «Das erfolgt teilweise von Hand.» Brennbare Abfälle werden verbrannt, rezyklierbare Anteile werden wiederverwertet. Der Rest werde aufbereitet und in modernen Anlagen deponiert.

Der Verkehr rollt auf einer provisorischen Strasse

Im «Müsli» stehen die Bagger und Bauarbeiter wegen der Limmattalbahn im Einsatz. Einerseits wird das Trassee der Limmattalbahn erstellt, das von der Dietiker Bunkerkreuzung her durchs Niderfeld und dann der Industriestrasse entlang nach Spreitenbach verlaufen wird. Andererseits wird die Mutschellenstrasse tiefergelegt; sie wird die Limmattalbahn unterqueren.

Damit Letzteres realisiert werden kann, muss die Mutschellenstrasse zwischen der Kreuzung mit der Überlandstrasse und dem SBB-Tunnel voraussichtlich ab Mitte März bis Ende 2021 gesperrt werden. Der Verkehr wird dennoch auch in dieser Zeit ohne grosse Umleitungen rollen: Es wird eine provisorische Strasse eingerichtet, die parallel zur Mutschellenstrasse und in deren unmittelbarer Nähe verläuft.

Die Kantonsräte Kampus und Meier wollen vom Regierungsrat nicht nur wissen, warum keine Gesamtsanierung der Deponie erfolgt, sondern auch wie dringlich eine solche wäre und wie gross die von der Deponie ausgehende Gefahr sei. Zudem erkundigen sie sich, wie hoch die Kosten einer Sanierung jetzt im Zuge der Bauarbeiten wären – und wie teuer es werden würde, falls sich eine solche nach Fertigstellung der Bahn und Strassen aufdränge.

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