Dietikon

Warum Slam-Poetin Lara Stoll Streit mit dem Sandmännchen hat

Lara Stoll in Action: Ihre skurrilen Geschichten haben interessante Inhalte.

Lara Stoll in Action: Ihre skurrilen Geschichten haben interessante Inhalte.

Ein Hauch von Dadaismus spiele bei ihren Texten manchmal schon rein, gesteht die erfolgreiche Slam-Poetin Lara Stoll, die im Stadtkeller Dietikon das Publikum mit ihrem neuen Solo-Programm Krisengebiet 2 – Electric Boogaloo begeistert.

Ob sie nun als Frau auf ihr Recht pocht, die Stelle als Weihnachtsmann mit einer Rute aus einem Selfiestick mit Nägeln anzutreten, ihre Mutter in der digitalen Welt suchen muss, oder ein bevorstehendes Rentenloch an der Begeisterung für Enten und dem Migros Restaurant festmacht. Die Künstlerin aus dem Thurgau nimmt kein Blatt vor den Mund, zeigt sich auf der Bühne persönlich und hebt bei philosophischen Fragen gerne mal ins Universum ab. Mit einer Menge Fantasie trifft sie mit ihren Texten die Herzen des Publikums.

«Es war ein fantastischer Abend und eine hohe Kunst, so viel Zeitgeschehen zu verbinden, dass man lachen kann – dazu hat sie eine sehr schöne Ausstrahlung», sagt Madelaine Grawehr aus Dietikon. Selbst ihr lustiges Nachahmen von schnarchenden Männern sei nicht übertrieben gewesen, wendet Silvia Degen ein und lobt: «Sie hat eine Einzigartigkeit, die sie von allen anderen absetzt». In der Tat wurde Stoll in ihrem Spezialgebiet der Slam Poetry, mitunter im Jahr 2010 zur Schweizer- sowie Europameisterin gekürt und gewann jährlich weitere Kleinkunstpreise.

Zudem konnte die heute 29-jährige bereites mehrere Fernsehauftritte, etwa bei Aeschbacher und der eingestellten Sendung Giacobbo/Müller, absolvieren. «Mein Ziel ist es, den Status quo zu erhalten, ich mag die kleinen Bühnen sehr, auf grösseren verpufft vieles, sodass das Ambiente nicht mehr stimmt», sagt sie. Rund einmal in der Woche habe sie einen solchen Auftritt, daneben nahm sie ein Zweitstudium in Psychologie auf. «Die Ideen kommen mir manchmal, wenn ich ein Konzert höre, oder einfach, wenn mich etwas emotional bewegt – was dann manchmal ins Absurde konstruiert wird», lächelt sie.

In der Tat etwas verrückt und bei politischen Angelegenheiten manchmal bitterböse, führt sie durch ihr Programm. «Die Geschichte mit dem Sandmännchen hat mir am besten gefallen», sagt Besucherin Sandra Bachmann und meint damit Lara Stolls Kampf beim Einschlafen, was zu einem lustigen Streit führt. So fragt sie sich, ob das Sandmännchen nach Tijuana ausgewandert sei, während sich dieses wiederum damit rechtfertigt, dass die SBB zu teuer sei und es zudem, wie die Zahnfee, mit dem starken Franken zu kämpfen habe.

Sie ist des Rätsels Lösung

«Es gibt heute mit dem Internet ja die Möglichkeit, die Künstlerin im Vorfeld zu sehen, aber ich liess mich lieber unvoreingenommen auf den Abend ein und bin sehr positiv überrascht – es war ein gemütlicher und spannender Abend», sagt Benno Loosli. Zum Grinsen brachte auch die Begrüssungsrede der Präsidentin des Vereins Theater Dietikon Simone Neff, die auf eine Frage im Kreuzworträtsel des aktuellen Coop Magazins verwies: «Schweizer Slam-Poetin mit Namen Lara» – man darf gespannt sein, wohin der Weg der erfolgreichen Künstlerin noch führen wird.

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