Nichtraucher
Warum sich Lehrlinge freiwillig zum Atemlufttest in Dietikon melden

Im Berufsbildungszentrum wurde die Atemluft von nichtrauchenden Jugendlichen getestet.

Thomas Mathis
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Unter Aufsicht von Katharina Hug bläst Dario in das Messgerät. Er ist aus Überzeugung Nichtraucher.

Unter Aufsicht von Katharina Hug bläst Dario in das Messgerät. Er ist aus Überzeugung Nichtraucher.

Thomas Mathis

Wer von der Polizei schon einmal zum Alkoholtest aufgefordert wurde, kennt das Gerät. Es ist ein piepsendes Instrument in handlicher Grösse, in das ein Plastikröhrchen gesteckt werden kann. Bläst man ins Röhrchen, wird der Alkoholgehalt in der Atemluft gemessen. Mit Geräten dieser Art können nicht nur Betrunkene, sondern auch Raucher ermittelt werden, weil die Atemluft von Rauchern einen erhöhten Anteil an Kohlenstoffmonodix aufweist.

Solche Geräte kamen gestern im Berufsbildungszentrum Dietikon zum Einsatz. Acht zufällig ausgewählte Lehrlinge, die Nichtraucher bleiben möchten und sich deshalb beim Projekt Rauchfreie Lehre angemeldet haben, wurden von Katharina Hug auf ihre Abstinenz getestet. Die Mitarbeiterin des Projekts Rauchfreie Lehre war für die Tests verantwortlich. Das Prozedere, dem sich die acht 16- bis 24-Jährigen unterzogen, lief stets gleich ab: ausatmen, einatmen, 15 Sekunden die Luft anhalten und dann ins Röhrchen blasen. Bereits nach ein paar Sekunden vermeldete das Gerät den Probanden das Resultat.

Bei einem Lehrling wurde ein leicht erhöhter Wert des geruchslosen Gases festgestellt. Alle anderen haben den Test bestanden. Da der Betroffene glaubhaft versichern konnte, dass er weiterhin Nichtraucher ist, fiel auch er nicht durch. «Die Jugendlichen lügen mir selten ins Gesicht. Meistens geben sie von sich aus zu, dass sie geraucht haben», sagt Hug. Ein Grund dafür sei, dass die Jugendlichen nicht viel zu verlieren hätten.

Es fallen nur wenige durch

Gross ist die Freude bei Hug, wenn ehemalige Raucher gute Werte erzielen. «Es sind oft die Ex-Raucher, die die Abstinenz nicht durchhalten», sagt sie. Diese würden sich aber vorwiegend im Rahmen der sporadisch durchgeführten Onlinebefragung abmelden. Nur ein kleiner Teil falle bei den Tests durch. «Insgesamt reduziert sich die Teilnehmerzahl während des Projektjahrs um rund zehn Prozent», sagt Hug.

Die Motivation der Lernenden ist verschieden, wie die Befragung der Probanden zeigt. Wesley ist Spitzenbasketballer und trainiert jeden Tag. Für ihn kommt das Rauchen nicht infrage. «Rauchen schadet der Gesundheit, ist eine Zeitverschwendung und stinkt», sagt er. Der 19-Jährige konnte sich dank seines Chefs erfolgreich gegen das Passivrauchen zur Wehr setzen. «In der Produktionshalle wird jetzt weniger geraucht», sagt er. Joel wurde von schlechten Vorbildern abgeschreckt. Zudem gibt es ihm ein gutes Gefühl, dass er nicht von einem Zwang beherrscht wird. Bei Stella, die in einer sportlichen Familie aufgewachsen ist, war Rauchen nie eine Option. Allen drei sprechen zudem den finanziellen Aspekt an. Rauchen sei ihnen zu teuer, sagen sie.

Warum bist Du Nichtraucher?

Wesley (19) «Ich kann mir nicht vorstellen, eine rauchende Freundin zu haben. Ich mag den Geruch nicht.»
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Cedric (16) «Obwohl viele meiner Kollegen rauchen, hatte ich noch nie das Bedürfnis zu rauchen.»
Stella (16) «Meine Kolleginnen finden es gut, dass ich nicht rauche. Ich werde nicht ausgeschlossen.»

Wesley (19) «Ich kann mir nicht vorstellen, eine rauchende Freundin zu haben. Ich mag den Geruch nicht.»

Thomas Mathis

Für keinen der Jugendlichen scheint es schwierig zu sein, ohne Rauchen auszukommen. Ihre Einstellung wirkt sehr gefestigt: «Es ist mein fester Wille, nicht zu rauchen», sagt Dario. Unter gleichaltrigen Rauchern werden die Jugendlichen kaum unter Druck gesetzt: «Meine Kolleginnen finden es gut, dass ich nicht rauche», sagt die angehende Logistikerin Stella.
Unterstützung erhalten die Jugendlichen auch von ihren Lehrbetrieben, die teilweise finanzielle Anreize geben. Das Unternehmen, bei dem Joel angestellt ist, spendiert nichtrauchenden Lehrlingen am Ende der Lehre eine Prämie von 500 Franken. Bei Cedric wird Rauchern 50 Franken vom Lohn abgezogen, weil Raucher häufiger Pausen einlegen.

Für Hug haben die Messungen, die aufgrund praktischer Gründe vorwiegend an Berufsschulen durchgeführt werden, neben dem Gewinn an Glaubwürdigkeit einen weiteren Mehrwert. Sie erhält die Möglichkeit, direkt mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen. «Hier kann ich den Puls fühlen», sagt Hug. Sie hofft, dass die Probanden bis Ende ihrer Lehre überzeugte Nichtraucher bleiben, denn Studien zeigen: Je länger man Nichtraucher ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, Raucher zu werden.

Wer durchhält, der wird belohnt

Im Kanton Zürich versuchen Lernende im Auftrag der Fachstelle für Tabakprävention während ihrer Ausbildung nicht zu rauchen

Das Projekt «Rauchfreie Lehre» wird von der Fachstelle für Tabakprävention im Kanton Zürich zum sechsten Mal lanciert. Die Anmeldungen für das neue Schuljahr sind bereits abgeschlossen; Firmen können sich jederzeit anmelden. Schweizweit nehmen 8000 Lernende aus rund 1500 Ausbildungsbetrieben teil. Mehr als ein Viertel der nichtrauchenden Lernenden arbeiten in knapp 500 Unternehmen im Kanton Zürich. Darunter vertreten sind Institutionen aus allen Branchen. So die Pflegenzentren der Stadt Zürich, die ISS Facility Services mit Hauptsitz in Zürich Altstetten und das Berufsbildungszentrum in Dietikon.

Als Grund nennen die Verantwortlichen die Gesundheit der Jugendlichen, aber mit unterschiedlichen Beweggründen. «Rauchfreiheit ist uns wichtig, weil unsere Lernenden im Berufsalltag in Kontakt mit Menschen sind», sagt Peter Lehmann, Ausbildungsverantwortlicher für Pflegeberufe innerhalb der Pflegenzentren der Stadt Zürich. Meenu Nedumkariyil, Sprecherin der ISS Facility Services sagt: «Wir wollen unsere Lernenden in allen Belangen unterstützen, mitunter auch darin, einen gesunden Lebenswandel zu führen.» Insgesamt zehn der 85 Lernenden in der Firma würden auf freiwilliger Basis am Projekt «Rauchfreie Lehre» teilnehmen. Die Anmeldungen würden von der Fachstelle für Tabakprävention zugestellt und die Lernenden können sich über das Projekt informieren. Anmelden müssen sich diese aber selbstständig und das Formular jährlich aufs Neue ausfüllen.

Zusätzliche Ferientage

Dennoch fördern die beiden genannten Firmen im Raum Zürich die Teilnahme, in dem sie erfolgreiche Nichtraucher belohnen. Die ISS Facility Services beispielsweise schenkt den Lernenden zwei zusätzliche Ferientage pro Jahr, wenn sie die Stichprobentests der Rauchfreien Lehre bestehen. Mittels Atemluftmessungen werden diese unvorbereitet getestet, erklärt Katharina Hug von der Fachstelle für Tabakprävention. Die Pflegezentren in der Stadt Zürich dagegen belohnen ihre Lernenden mit einem Einkaufsgutschein im Wert von 200 Franken pro Lehrjahr. Auch das Projekt Rauchfreie Lehre lost unter allen Teilnehmenden diverse Gewinne aus. Der Hauptgewinn umfasst einen Sprachaufenthalt im Ausland, gefolgt von Gutscheinen für ein Wochenende im Europapark in Rust oder Konzerttickets.

Anders dagegen das Berufsbildungszentrum in Dietikon. Gemäss Abteilungsleiterin Claudia Hug gebe es für dieses Projekt von der Schule her keine direkte Belohnung. Sie informiert die Schüler im Sportunterricht über die mögliche Teilnahme. Mit Stellwänden und Filmen werden die Schüler umfassend über das Projekt informiert. «Das Berufsbildungszentrum Dietikon unterstützt die rauchfreie Lehre seit fünf Jahren. Mit rund 81 Lernenden die am Projekt teilnehmen, haben wir eine erfreulich hohe Schülerzahl», sagt Claudia Hug, Abteilungsleiterin des Berufsbildungszentrums in Dietikon.

Zudem führe die Ausbildungsstätte viele weitere gesundheitsbezogene Aktivitäten durch. So gebe es jeweils in der Woche des Aids-Welttages einen Wettbewerb für die Lernenden. Die Gewinner erhielten im Anschluss ein Necessaire mit Hygieneartikeln und Kondomen. Auch führe die Schule den sogenannten Powerpass: Schüler, die von insgesamt zwölf Aktivitäten – die von Schwimmen bis zum gemeinsamen Kochen ein breites Spektrum umfassen – acht erfüllt haben, können an einer Auslosung teilnehmen. Zu gewinnen gebe es einen Gutschein für einen Besuch im Erlebnisbad Alpamare. (Lina Giusto)