Motorsport

Warum dieser Urdorfer einen britischen Rennfahrer in Neuseeland betreut

Der Urdorfer Bruno Weibel (links) gibt dem Briten Colin Nursey Instruktionen fürs Rennen. zvg

Der Urdorfer Bruno Weibel (links) gibt dem Briten Colin Nursey Instruktionen fürs Rennen. zvg

Der Urdorfer Bruno Weibel betreut in Neuseeland das Rennauto eines Kunden. Genauer den «Lotus 18» des britischen Rennfahrers Colin Nursey.

Colin Nursey dürfte den letzten Samstag nicht in bester Erinnerung behalten. Der Brite musste sein zweites Rennen an diesem Tag auf dem Ruapuna Circuit in Christchurch in Neuseeland kurz vor dem Ende aufgeben. Ein anderer Fahrer hatte seinen Lotus 18, einen historischen, offenen Rennwagen, so stark gerammt, dass die Auspuffanlage kaputt ging und Nursey nicht mehr weiterfahren konnte.

Im ersten Rennen zuvor hatte Nursey noch den dritten Rang geholt. Allerdings war der Kühler durch ein Trümmerteil eines anderen Autos beschädigt worden. Daher liess Nursey den Kühler austauschen – durch Bruno Weibel. «Zum Glück hatten wir einen Ersatzkühler dabei», sagt Weibel.

Der Urdorfer ist seit zwei Wochen in Neuseeland. Sein Auftrag: Er betreut Nurseys Lotus 18 vor Ort. «Colin fragte mich an, ob ich mich an drei aufeinanderfolgenden Rennwochenenden in Neuseeland um den Betrieb seines Autos kümmern könnte», sagt Weibel. «Und ich habe zugesagt.»

Jeder hilft jedem aus

Schon einmal hat Weibel dem Briten geholfen, als er ihm 2015 das Getriebe seines Rennwagens repariert hat. Die beiden, als Fahrer damals noch Konkurrenten in der Formula Junior, in der Weibel im selben Jahr Europameister wurde, sind dadurch zu Freunden geworden. Und nun ist Nursey sozusagen Weibels Kunde.

«Das ist eben der Unterschied zwischen dem historischen und dem modernen Rennsport», meint Weibel. «In der historischen Rennserie kann man zu jedem gehen, jeder hilft einem aus. Wir sind hier wie eine grosse Familie, in der es jeder cool findet, wenn der andere mitfahren kann.»

Dass Weibel für einmal sich nicht auf, sondern neben der Rennstrecke aufhält, bedeutet für ihn zusätzliche Anspannung. «Wenn man selber fährt, konzentriert man sich einzig auf die Fahrdynamik», sagt er. «Aber wenn man die Verantwortung dafür trägt, dass das Auto fährt, hört man beim Vorbeifahren doppelt so genau hin, ob alles okay ist.» Hinzu komme, dass man während des Rennens selbst keinen Einfluss habe, sondern nur zuschauen könne. «Daher ist das für mich der viel grössere Stress, als selber mitzufahren.»

Strecke auf der Playstation

Weibels Rollentausch beinhaltet aber nicht nur die technische Betreuung vor Ort. Noch in der Schweiz hat er sich detailliert über das Layout der Rennstrecken informiert, die Nursey fährt – mittels Playstation. «Ich bin die Strecken auf der Spielkonsole abgefahren und habe mir so das Layout eingeprägt», sagt er.

Fünf Wochen wird der Urdorfer insgesamt in Neuseeland verbringen, wo derzeit sommerliche Temperaturen herrschen. Diese beeinflussen auch die Rennlänge: Statt 25 Minuten wie in Europa sind die Fahrer nur 10 Minuten unterwegs. «Wohl um die Wagen und Fahrer vor Überhitzung zu schützen», vermutet Weibel.

Um sich an das Klima und die neue Umgebung zu gewöhnen, ist Weibel zwei Wochen früher angereist. Auf der Insel ist er mit dem Wohnmobil unterwegs, das er per Schiff von Europa nach Neuseeland hat bringen lassen. Mit Weibel mitgeflogen sind auch seine Frau und seine beiden Kinder, die noch nicht im schulpflichtigen Alter sind. «Klar, sonst wäre es schwierig gewesen», sagt Weibel. «Daher mussten wir diese Chance packen. So etwas gibt es vielleicht nur einmal im Leben.»

Durch den Abstecher nach Neuseeland gerät allerdings Weibels eigener Zeitplan ins Wanken. Denn normalerweise bereitet der Rennfahrer im Winter sein eigenes Auto für die neue Saison vor, die im April startet. «Ich hätte das eigentlich schon erledigen müssen», sagt er. «Aber ich habe es zeitlich nicht mehr geschafft.»

Er müsse daher sein Auto aufbereiten, wenn er zurück sei. «Mir bleiben dann nur noch wenige Wochen bis zum Saisonstart», sagt Weibel. Doch daran denkt er im Moment nicht, sondern ans nächste Rennwochenende.

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