Schlieren

Warum die Reservoirs nicht rund sind

Brunnenmeister Carlos Pighin gewährte auf einem Waldrundgang Einblick in die Wasserversorgung und zeigte das ausgeklügelte System hinter unserem Leitungswasser auf, das wir als selbstverständlich nehmen.

Es ist eine Selbstverständlichkeit: Das Wasser, das bei uns aus den Leitungen fliesst, ob im Haus oder an den Brunnen in Städten und Dörfern, ist von einwandfreier Qualität und kann bedenkenlos getrunken werden. Dass dahinter ein ausgeklügeltes System von Pumpen, Reservoirs und Leitungen steht, welches rund um die Uhr durch ein Team von Fachleuten gewartet und kontrolliert wird, ist aber den wenigsten bewusst. Der Vogel- und Naturschutzverein und die Holzkorporation Schlieren luden am Samstag zu einem Rundgang im Schlieremer Wald und vermittelten interessante Einblicke in das System der Wasserversorgung der Stadt.

Für Carlos Pighin, Brunnenmeister und Bereichsleiter Gas- und Wasserversorgung der Stadt Schlieren, ist klar: Das Schlieremer Wasser ist besser als jedes Mineralwasser, das – in Flaschen abgefüllt – teuer verkauft wird. Und es ist billig. «Ein Kubikmeter Wasser kostet nur 38 Rappen. Wir haben eine der günstigsten Wasserversorgungen im Kanton», sagt Pighin stolz. Eine beachtliche Zahl von Interessierten hat sich vor der Quellwasserstube Brüelhof eingefunden und lauscht den Ausführungen des Brunnenmeisters. Schlieren verfügt über ein Leitungsnetz von 72 Kilometern. «Von hier bis Basel», sagt Pighin.

Jeder Schlieremer braucht 321 Liter

Die Zuhörer staunen darüber, dass Schlieren pro Jahr 2,1 Millionen Kubikmeter Wasser verbraucht, an Spitzentagen bis zu 5000 Kubikmeter und pro Einwohner täglich rund 321 Liter. Sie erfahren auch, dass das älteste Reservoir in Schlieren aus dem Jahr 1894 stammt, dass die Gemeinde verpflichtet ist, 850 Kubikmeter Löschwasser bereitzuhalten, und dass ein Reservoir der Stadt auf Engstringer Boden steht und von beiden Gemeinden gemeinsam genutzt wird.

Carlos Pighin weiss auf alle Fragen des Publikums eine Antwort. Er erklärt den Unterschied zwischen Grundwasser und Quellwasser, beantwortet Fragen zum Kalkgehalt und berichtet, dass Kolibakterien mit UV-Licht abgetötet werden. Wenn er erzählt, dass sich das Wasser in Stahlrohren am wohlsten fühlt, merkt man, wie ihm sein Beruf und das Trinkwasser ans Herz gewachsen sind. «Die meisten Leute wissen nicht, was alles zu einer funktionierenden Wasserversorgung gehört. Sie sehen ja nur die Brunnen und Hydranten», sagt Pighin.

Für Erheiterung sorgt die Geschichte über den Bau von Reservoirs. So wurde das älteste Reservoir in Schlieren 1894 rechteckig gebaut. Dann stellte man fest, dass das Trinkwasser in den Ecken stehen blieb. 1936 nutzte man dieses Wissen und baute runde Behälter. Aber da zeigte sich, dass diese für das Einsteigen nicht optimal sind. Also baute man neu mit schlangenförmigen Kammern. Diese Bauweise führte zu Problemen beim Reinigen. Das neue Reservoir der Stadt wurde – wen wunderts – daher wieder eckig gebaut, wie anno 1894.

Irma Reimann ist als Leiterin der Schlieremer Wandergruppe der Pro Senectute oft im Wald unterwegs. «Trotzdem wusste ich nicht, dass es mitten im Wald Reservoirs hat.» Es sei ihr wieder bewusst geworden, dass ständig verfügbares und sauberes Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit ist. Auch Paul Bucher hat viel Interessantes gesehen. «Die Zusammenhänge waren mir klar, aber dass wir die Möglichkeit hatten, ein Reservoir zu besichtigen, hat mir sehr gut gefallen», sagt er.

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