Seit Ende Oktober ist es definitiv: Die 1971 in Betrieb genommene Dietiker Kehrichtverwertungsanlage (KVA) verschwindet 2035 von ihrem jetzigen Standort, da sie ihr technisches Lebensende erreicht und ein Ersatzneubau auf dem gleichen Grundstück wegen Moorschutz-Vorschriften nicht infrage kommt. Es ist zugleich das Ende eines Wahrzeichens, namentlich des höchsten Kamins der Stadt.


Ein symbolischer Vorbote dieses Abschieds kommt ab Januar 2017 in die Läden: Der Kamin wird auf den neuen blauen Limmattaler Kehrichtsäcken fehlen. Sie tragen dafür das Logo der KVA-Betreiberin Limeco. Zudem kommen die Wappen der Gemeinden des Bezirks Dietikon sowie jenes von Bergdietikon auf den Sack. Jenes von Uitikon fehlt, da das Dorf eigene Üdiker-Säcke hat.

Der Name soll mehr Bekanntheit erlangen


Die Änderung wurde von den zuständigen Gemeinde- und Stadträten beschlossen, konkret von der Konferenz der Gesundheitsvorstände und Gesundheitssekretäre des Bezirks Dietikon (GVSBD). Angeregt hat den Wechsel die Limeco: «Unseren Kamin kennen zwar alle. Nun soll aber auch unser Name in der Bevölkerung bekannter werden», sagt Sprecherin Gabriela Kofel.

Bisher hat sich der Name nicht durchgesetzt – das ist sogar schwarz auf weiss belegt: 2014 zeigte eine repräsentative Telefonumfrage unter der Limmattaler Bevölkerung, dass fast die Hälfte nichts mit dem Namen Limeco anfangen kann. Zumindest nicht aus dem Stand heraus. Nur wenn zuvor die Worte Kehrichtverwertungsanlage oder Abwasserreinigungsanlage fallen, weiss eine klare Mehrheit der Befragten, wofür der Name steht.


Die Limeco will aber für ihre Regiowärme bekannt sein, deren millionenschwerer Ausbau bis nach Spreitenbach und Oberengstringen in den nächsten Monaten startet. «Unsere wichtigste Botschaft ist, dass wir als Regiowerk das Limmattal mit umweltfreundlicher Energie versorgen», sagt Kofel. Damit auch visuell zur Geltung komme, dass Kehricht eine Quelle sauberer Energie ist, habe das Grau verschwinden müssen.

Doch warum Blau als Ersatz? «Ursprünglich war Orange unser Favorit. Aber bei orangenen Säcken schimmert der Sackinhalt durch, da sie etwas transparenter sind. Das würde einen schmuddeligen Eindruck machen», sagt Kofel. Dazu kommt, dass sich jede Farbe anders auf die Produktionskosten auswirkt. So ist Blau zwar teurer als Standard-Grau, aber billiger als die meisten anderen Farben. Wobei: Signifikant sind die Preisunterschiede nicht.


Deutsche Säcke wohl ab Februar


Bei ihrer Sitzung hatten die Gesundheitsvorstände nicht nur über Farbe und Aufdruck des Sacks zu entscheiden. Im Raum stand auch die Frage, ob die Petroplast als Lieferantin beibehalten wird, obwohl sie ihre Sackproduktion schliesst und in der Folge zum deutschen Grossunternehmen Papier-Mettler verlegt.

Mit der St. Galler Firma Top Pac stünde ein einziger Hersteller zur Auswahl, der am Produktionsort Schweiz festhält. Die Politiker entschieden sich nach kurzer Diskussion gegen einen Lieferantenwechsel. Den Ausschlag gaben die bisher guten Erfahrungen. «Der Lieferant erledigt auch die ganze Abrechnung der Gebühren mit den Verkaufsstellen der Limmattaler Kehrichtsäcke. Diese ist sehr anspruchsvoll und muss daher gut funktionieren und eingespielt sein, was bei Petroplast definitiv der Fall ist», sagt André Thoma, Leiter des Schlieremer Werksekretariats, dem das Sekretariat der Gesundheitsvorstände angegliedert ist.

Zudem wechselt einzig die Produktion den Standort. Vertrieb und Logistik der Petroplast bleiben im Land. Unter den zuständigen Gemeinde- und Stadträten kam zudem der Gedanke auf, dass die Submission zur Neuvergabe dieses grossen Auftrags womöglich europaweit hätte ausgeschrieben werden müssen. Dies könnte etwa zur Folge haben, dass beim Preiskriterium ein osteuropäischer Hersteller das Rennen macht und die Säcke noch weiter weg produziert werden.

Wann die Limmattaler Gebührensäcke schliesslich aus dem rheinland-pfälzischen Morbach kommen, steht noch nicht genau fest. «Papier-Mettler baut derzeit seine Kapazitäten aus, solange wird noch in Jona produziert», sagt Roland Müller, Verkaufsleiter der Sparte Abfallwirtschaft und Recycling bei Petroplast. Dies sei voraussichtlich bis Februar der Fall.


Tiefere Kosten, aber gleiche Preise


Obwohl die Produktionsverlagerung jede Sack-Rolle um ein paar Rappen günstiger macht, sinken die Preise nicht. Davon wird abgesehen, da etwa bei einer Zehnerrolle 35-Liter-Säcke bloss eine Senkung von 17 Franken auf 16,97 oder 16,95 Franken drinläge. Zuletzt wurde der Preis 2011 gesenkt, von 20 auf 17 Franken. Eine nächste Senkung ist spätestens 2035 zu erwarten, wenn eine neue und effizientere KVA den Limmattaler Abfall verwerten wird. Übrigens: Die grauen Säcke bleiben gültig.