Schlieren

Warum der Stadtrat dieses Polizeiauto nach wie vor in Rente schicken will

Dieser BMW X3 wurde 2014 gekauft und dieses Jahr soll er ersetzt werden. So plant es der Schlieremer Stadtrat.

Dieser BMW X3 wurde 2014 gekauft und dieses Jahr soll er ersetzt werden. So plant es der Schlieremer Stadtrat.

Gemeinderat Markus Weiersmüller (FDP) möchte verhindern, dass die Stadt Schlieren ein Polizeiauto schon nach fünf Jahren in Rente schickt. Doch der Stadtrat erteilt ihm nun eine Absage – auch aus Kostengründen.

Ein Auto schon nach fünf Jahren wieder abgeben und durch ein neues ersetzen? Das ist zu früh, findet der Schlieremer Gemeinderat Markus Weiersmüller (FDP). Auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. Darum hat er Anfang Jahr angeregt, dass die Stadtpolizei Schlieren/Urdorf ihren BMW X3 nicht wie geplant verkauft, sondern als Ersatzfahrzeug, zusätzliches Transportmittel und für eine höhere sichtbare Polizeipräsenz nutzt.

Das Postulat, das er im Gemeindeparlament zusammen mit fünf freisinnigen Mitunterzeichnern eingereicht hatte, hat der Schlieremer Stadtrat nun beantwortet. Er bleibt dabei: Das fünfjährige Polizeiauto soll weg. Darum beantragt der Stadtrat dem Parlament, den Vorstoss von Weiersmüller abzuschreiben. Und begründet dies in seinem Bericht.

Zuerst hält er fest, dass der im August 2014 in Betrieb genommene BMW X3 einen Kilometerstand von rund 113'000 Kilometern aufweist, womit die Werksgarantie mit Gratis-Service abgelaufen ist. Der Nettobuchwert des Fahrzeuges betrage noch rund 30'000 Franken. Dieser wäre bis Ende 2021 komplett abgeschrieben. Weiter verweist der Stadtrat darauf, dass die Abnutzung bei einem Streifenwagen wesentlich grösser sei als bei einem Privatfahrzeug. Denn er ist täglich zwischen 8 und 16 Stunden lang in Betrieb. Total sitzen 14 verschiedene Polizistinnen und Polizisten hinter dem Steuer des weiss-leuchtorangen Einsatzfahrzeugs.

Je älter das Auto wird, desto anfälliger sind die verschiedenen Teile des Autos. Darum wurde die Ersatzbeschaffung für das laufende Jahr budgetiert. Mit der Beschaffung eines neuen Polizeiautos verkauft die Stadt Schlieren jeweils ihr altes an Autohändler. «In der Vergangenheit resultierten Erlöse zwischen 7000 und 11'000 Franken, je nach Zustand», schreibt der Stadtrat. Soweit die Ausgangslage, wie sie bisher geplant war.

Aufgrund von Weiersmüllers Anregung hat der Stadtrat zudem vier Varianten geprüft, wie die Stadt Schlieren das Auto weiter nutzen könnte.

Auf einem Parkplatz kann ein Polizeiauto «provokativ» sein

Zuerst die Weiterverwendung des Streifenfahrzeugs bei gleichzeitiger Beschaffung eines zusätzlichen neuen Fahrzeugs: Dies würde den Vorteil bringen, dass die Stadtpolizei ein zusätzliches Fahrzeug und dank dieser Reserve ganz grundsätzlich eine grössere Flexibilität hätte. Neben diesen beiden Vorteilen weist der Stadtrat auf fünf Nachteile hin. «Hohes Risiko von unvorhergesehenen Reparaturen beim ‹alten› Fahrzeug», schreibt der Stadtrat beispielsweise. Zudem kämen Kosten für einen abschliessbaren Garagenparkplatz hinzu, weil die Stadt dann ein Auto mehr hat und der Stadtrat davon absehen möchte, das Auto auf normale Parkplätze zu stellen. Denn ein Polizeiauto könne auf einzelne Personen «provokativ» wirken, weshalb die Gefahr gross sei, dass das Auto Opfer von Vandalismus werde. Ausserdem sei das im Widerspruch zur Strategie der Polizei, die Bike- und Fusspatrouille zu stärken. Und da die Ressourcen für doppelte Autopatrouillen nicht reichen, würden sowohl das neue als auch das alte Fahrzeug nur suboptimal genutzt werden. Aber vor allem beschäftigt den Stadtrat die Kostenfrage. Er rechnet damit, dass diese stark steigen würden. Konkret geht er von 2400 Franken Parkplatzkosten, 826 Franken für die Versicherung, 1650 Franken für den Treibstoff und 5000 Franken für Service und Radwechsel aus.

Die Variante, das Fahrzeug nicht als vollwertiges Polizeifahrzeug zu nutzen, sondern präventiv an neuralgischen Punkten hinzustellen, um Kriminelle abzuschrecken, verwirft der Stadtrat ebenso. Auch das wegen der hohen Kosten. Zudem würde die Bevölkerung es nicht goutieren, wenn die Stadt Parkplätze in der Blauen Zone dafür besetze, argumentiert der Stadtrat.
Wegen des grossen Ausfallrisikos verwirft der Stadtrat auch die Variante, das Polizeiauto zu behalten und gar kein neues Auto anzuschaffen. Auch wird die Variante verworfen, den Streifenwagen in ein normales Auto zurückzuverwandeln, damit es die ganze Stadtverwaltung bei Bedarf nutzen kann. Denn unter anderem würde die Umgestaltung in ein normales Auto ebenfalls viel kosten.

«5000 Franken für den Service? Das ist doch Wahnsinn»

Markus Weiersmüller bedauert den abschlägigen Bescheid des Stadtrat. «Ich habe dessen Bericht bereits zur Kenntnis genommen, muss ihn aber noch genauer analysieren», sagt er. Eines ist für ihn aber jetzt schon klar: Der Stadtrat, der bei seiner Kostenauflistung von einer «konservativen» Schätzung spricht, setze die Kosten für den Betrieb und Unterhalt viel zu hoch an. «5000 Franken für den Service? Das ist doch Wahnsinn bei einem fünfjährigen Fahrzeug. Diese Schätzung ist viel zu grosszügig», sagt Weiersmüller, der privat auch schon mal einen BMW besessen hat. 1500 oder 2000 Franken seien hier eine wesentlich realistischere Zahl. Deshalb schätzt er denn auch die Totalkosten für Betrieb und Unterhalt nicht auf 10'000, sondern auf etwa 6000 bis 7000 Franken.

Zudem hält Weiersmüller fest: «Wenn dereinst mal der Motor oder das Getriebe kaputt ist, bin ich auch dafür, das Auto fortzugeben. Aber solange keine grossen Reparaturen zu erwarten sind, sollte man das Auto behalten. Wenn es ausfällt, macht das auch nichts, weil es ja nur ein Ersatzfahrzeug wäre» In Schlieren gibt es ein TCS-Zentrum. «Dort kann man das Auto auf Herz und Nieren prüfen, dann weiss man, ob grössere Reparaturen zu erwarten sind oder nicht. Heutige Autos sind zudem auf Laufleistungen von 300'000 Kilometern oder mehr ausgelegt», so Weiersmüller weiter.

Er äussert nochmals grundsätzliche Kritik am Stadtrat. «Ein nur fünf Jahre altes, fast neuwertiges Auto schon wieder ausser Betrieb zu setzen, ist fragwürdig. Und es entspricht nicht dem Umgang mit Steuergeldern, wie ich ihn mir vorstelle.»

Meistgesehen

Artboard 1