Weiningen
Warum der Kanton dem Chübelacker-Quartier eine Abfuhr erteilt

Die Sackgasse im Chübelacker scheint besiegelt. Etwas Hoffnung gibt es aber vom Gemeindepräsidenten.

Sibylle Egloff
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Im Zusammenhang mit dem Bau der dritten Gubrist-Röhre muss die Kreuzung der Umfahrungs- und Zürcherstrasse in Weiningen neu gestaltet werden. Das hat die Schliessung der Chübelackerstrasse zur Folge.

Im Zusammenhang mit dem Bau der dritten Gubrist-Röhre muss die Kreuzung der Umfahrungs- und Zürcherstrasse in Weiningen neu gestaltet werden. Das hat die Schliessung der Chübelackerstrasse zur Folge.

Limmattaler Zeitung

Schlechte Nachrichten für die Bewohner der Chübelackerstrasse in Weiningen: Der Kanton hat die fünf Einsprachen gegen die Schliessung der Quartierstrasse abgewiesen. Damit wird die Sackgasse immer wahrscheinlicher.

Im Zusammenhang mit dem Bau der dritten Gubrist-Röhre muss die Kreuzung der Umfahrungs- und Zürcherstrasse im Rebbaudorf neu gestaltet werden. Die Anwohner sollen ihr Quartier ab 2021 nur noch über die Ifang- und Chalofenstrasse erreichen, da ihre Strasse dann nicht mehr an die Kreuzung am östlichen Ortseingang angeschlossen sein wird.

Heinrich Mühle, einer der fünf Einsprechenden, ist enttäuscht über die Abfuhr des Kantons. «Die Verfügung wirkt auf technischer Ebene einigermassen nachvollziehbar, doch sie geht nicht auf unsere Bedenken sowie auf die politischen Aspekte ein — sie ist realitätsfremd.»

Mühle und weitere Anwohner befürchten durch die Schliessung Mehrverkehr und Lärm. Zudem sorgen sie sich um die Sicherheit im Quartier. Die geplante Zufahrt durch die engen Quartierstrassen ist laut Anwohnern mühsam für Zubringer und beim Kreuzen beinahe unmöglich für Ambulanz und Feuerwehr.

Der Kanton weist diese Bedenken in seinem Schreiben nun ab. Mühles Anregungen, statt einer Sackgasse einen Kreisel zu realisieren, den ursprünglichen Zustand mit Anschluss der Chübelackerstrasse an die Kreuzung wiederherzustellen oder eine Verlängerung der die Grenze zu Unterengstringen überschreitenden Hängertenstrasse ins Auge zu fassen, werden ausgeschlagen.

Anschluss zu wenig sicher

«Die Chübelackerstrasse kann aus Sicherheitsgründen nicht mehr direkt an die Zürcherstrasse angebunden werden», heisst es in der Verfügung der Baudirektion, die der Redaktion vorliegt. Der strassenseitig notwendige Lärmschutzhügel im nördlichen Knotenbereich verhindere die Einhaltung des vorgeschriebenen Sichtfelds Richtung Kreuzung. Der Verkehr auf den engen Quartierstrassen beurteilt die Baudirektion als vertretbar.

Die Chübelacker- und Chalofenstrasse seien als Erschliessungsstrassen für den Begegnungsfall zwischen Autos und Lastwagen ausgelegt. «Das Kreuzen zweier Lastwagen ist abschnittsweise bei der öffentlichen Ausweichstelle oder in Ausnahmefällen unter Mitbenutzung des Gehwegs gewährleistet.»

Zu den Lärmbedenken erwidert der Kanton: «Die Fachstelle Lärmschutz erachtet das Projekt als unbedenklich, da sich dadurch keine wesentliche Veränderung der Lärmsituation für die angrenzenden Liegenschaften ergibt.» Eine Kreisel-Lösung lehnt der Kanton in Hinsicht auf das immer stärker werdende Verkehrsaufkommen ab. «Nur mit einem lichtsignalgeregelten Knoten kann eine ausreichende Leistungsfähigkeit für die Abendspitzenstunden erzielt werden», schreibt er.

Dasselbe Argument gilt auch für Mühles Antrag, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Weitere Nachteile bei einer Kreisel-Lösung seien, dass der Verkehr nicht auf die Umfahrungsstrasse gelenkt und der Ortskern von Weiningen so nicht vor Durchgangsverkehr geschützt werden könne. Und auch beim Busverkehr hapere es mit einem Kreisel. Es würden eine Busspur mit Bypass nötig.

In einem Punkt signalisiere die Verfügung ein gewisses Entgegenkommen, sagt Mühle. «Die Baudirektion schreibt, dass Fahrzeuge der Feuerwehr, Sanität und Polizei im Notfall auch den Fussweg, der den künftigen Wendeplatz im Chübelacker mit der Zürcherstrasse verbindet, als Notzufahrt benutzen dürfen. Das begrüsse ich natürlich.» Da diese Möglichkeit bislang argumentativ bestritten worden sei, nehme er die Aussage mit Skepsis zur Kenntnis.

Die Einsprechenden haben nun 30 Tage Zeit, um beim Baurekursgericht Rekurs gegen die Verfügung einzureichen. «Wir werden uns mit unserem Anwalt zusammensetzen und die Möglichkeiten besprechen», sagt Mühle. Der Gang vor Gericht sei jedoch mit hohen Kosten verbunden. Auf diese Weise werde man als kleiner Bürger in die Knie gezwungen. Grosse Hoffnungen, dass sie noch etwas gegen die Pläne des Kantons ausrichten können, macht sich Mühle deshalb nicht.

 Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos) nahm am Freitag, 10. August 2018, die Petition von Anwohner Oskar Steinacher (vorne rechts) vor dem Gemeindehaus entgegen.
4 Bilder
467 Unterschriften gegen Sackgasse im Quartier
 In der Schachtel überbrachten die Bewohner der Chübelackerstrasse die 467 Unterschriften.
 Der neue Weininger Gemeindepräsdient Mario Okle.

Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos) nahm am Freitag, 10. August 2018, die Petition von Anwohner Oskar Steinacher (vorne rechts) vor dem Gemeindehaus entgegen.

Chris Iseli

Goodwill der Gemeinde

Den einzigen Trumpf, den die Anwohner noch in der Hand haben, ist die Petition, die sie vor zwei Wochen mit 467 Unterschriften der Gemeinde überreichten (die Limmattaler Zeitung berichtete). «Der Ausgang der Angelegenheit hängt für mich vom Goodwill der Gemeinde ab», sagt Mühle. Wenn der Gemeinderat auf die Barrikaden gehe und sich für das Anliegen der Chübelacker-Bewohner einsetze, sei vielleicht noch etwas zu machen.

Mühles Wunsch könnte tatsächlich in Erfüllung gehen. Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos) hat sich dem Anliegen der Quartierbewohner angenommen. «Wir haben Planer beauftragt, die Situation anzuschauen und die Möglichkeiten zu prüfen», sagt Okle. Derzeit warte man auf die Antwort. Dass die Gemeinde die Schliessung der Chübelackerstrasse ganz verhindern kann, glaubt Okle nicht.

Doch einen kleinen Spielraum gebe es allenfalls. «Eine Zufahrt von der Zürcher- in die Chübelackerstrasse wäre vielleicht möglich. Damit könnte man den Bewohnern etwas entgegenkommen», sagt Okle. Das Reinfahren würde die Verkehrsführung im Knoten nicht tangieren, sondern nur den Lärmschutz. Doch auch diesbezüglich habe der Kanton die Pflicht, die geltenden Normen zu erfüllen.