Geroldswil
Warum das Zentrum schützenswert ist

Mit der möglichen Unterschutznahme des Geroldswiler Zentrums durchkreuzt der kantonale Denkmalschutz die Ausbaupläne der reformierten Kirche.

Alex Rudolf
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1973: Im Brunnen auf dem Dorfplatz badeten früher Kinder. Der Platz wurde später neu gestaltet, der Brunnen verschwand. zvg

1973: Im Brunnen auf dem Dorfplatz badeten früher Kinder. Der Platz wurde später neu gestaltet, der Brunnen verschwand. zvg

Die grauen Betonwände umschliessen den Geroldswiler Zentrumsplatz, der teilweise von einem Baldachin überdeckt wird. Ästheten mögen sich streiten, ob es sich hierbei um einen schönen Ort handelt. An dem Bau muss aber etwas dran sein. Anfang Juni wurde publik, dass die kantonale Denkmalpflege die Geroldswiler Zentrumsüberbauung ins Inventar Denkmalschutzobjekte aufnehmen wird.

Die Gründe dafür sind vielfältig, wie eine Anfrage bei Anne Lauer, der für das Limmattal und Furttal zuständige Inventarisatorin bei der Denkmalpflege, zeigt. «Das Gemeindezentrum nimmt eine hohe städtebauliche Bedeutung ein», sagt sie und unterstreicht die «erstrangige Relevanz» des mehrteiligen, in einem Guss geplanten und ausgeführten Gemeindezentrums in sozial- und wirtschaftshistorischer Hinsicht. Die Mischung von Funktionen in einer Überbauung nehme eine einzigartige Stellung in der Architekturgeschichte des Kantons Zürich ein, so Lauer weiter.

Die Nachkriegsmoderne

Hinsichtlich der Architektur verweist Lauer auf die hohe Qualität, da die einzelnen Gebäudeteile sich in einheitlicher Weise präsentieren. «Die Gestaltung kommt mit wenig Baumaterialien und einer reduzierten Formsprache aus.» So stehe die Zentrumsüberbauung mit seinen Gebäuden und Aussenräumen in «eindringlicher Weise» für das Gedankengut der Nachkriegsmoderne. Der architektonischen Periode zwischen 1945 und 1970.

In welchem Ausmass die Gebäude geschützt werden, werde vorzu beurteilt, wie auf Anfrage zu vernehmen ist. «Der genaue Umfang der schutzwürdigen Substanz ist anhand von Bauprojekten in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege zu definieren», so Lauer. Diese angesprochene Zusammenarbeit sorgt bei der evangelisch-reformierten Kirche derzeit für rote Köpfe. Anfang Juni gab die Kirchenpflege bekannt, dass die geplanten Sanierungsarbeiten aufgeschoben oder gänzlich hinfällig werden. Grund war die Nutzungsänderung, die sich durch den Bau eines Grillplatzes ergeben hätte (Limmattaler Zeitung berichtete).

Doch nicht nur die reformierte Kirche besitzt Liegenschaften im Geroldswiler Zentrum. Auch die Stadt hat ihre Verwaltungsbüros dort. Überdies ist sie im Besitz des «Hotels Geroldswil», wo ebenfalls eine Nutzungsänderung geplant ist. Wie vor ein paarWochen bekannt wurde, kündigte der Pächter den Vertrag frühzeitig auf Juni 2017. Der ursprüngliche Plan der Gemeinde war, ab dem Jahr 2022 – wenn der Pachtvertrag regulär ausgelaufen wäre – den Hotelbetrieb einzustellen und stattdessen Wohnungen zu errichten. Ist diese Nutzungsänderung möglich?

«Ja», sagt Anne Lauer. «Die Gebäude des Zentrums, deren Fassaden und Innenräume sind wertvoll.» Demgegenüber sei die Nutzung des Gebäudes nicht unter Schutz gestellt. «Das Konzept der Wohnungen ist mit der Nutzung eines Hotels in seiner Raumdisposition verwandt und kann eine gute Nutzungsänderung darstellen», sagt sie.

Schattenseiten

Bei der Gemeinde ist man erleichtert, dass die Umnutzung des Hotels in hindernisfreie Wohnungen nicht infrage gestellt wird. Laut Gemeindeschreiber Beat Meier sei noch zu verhandeln, wie weit bauliche Eingriffe – insbesondere in die äussere Struktur und Erscheinung – gehen dürfen. Erste Gespräche hätten bereits stattgefunden.

Generell birgt die Aufnahme des ersten Geroldswiler Bauwerks ins Inventar der Schutzobjekte auch Schattenseiten. Wie Meier erklärt, seien nun die Hürden für gesellschaftliche und wirtschaftliche Anpassungen am Zentrum gestiegen. «Wir sind stolz, ein derart vielfältiges, funktionierendes Zentrum zu haben», damit dies jedoch so bleibe, sei eine Weiterentwicklung wichtig. «Mit der Umgestaltung der Ladenpassage mit VOI, Bäckerei, Café und Metzgerei ist dies sehr gut gelungen.» Die Projekte der neuen Busschlaufe und der Zentrumsüberbauung Baufeld Ost seien schon weit fortgeschritten und würden die Attraktivität langfristig sicherstellen.