Flussfahrten mit dem Gummiboot sind in. Dies bestätigt auch die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) auf Anfrage: «Es ist in den letzten Jahren eine Zunahme von Gummivehikeln auf den Schweizer Flüssen feststellbar», sagt SLRG-Pressesprecher Philipp Binaghi.

Was viele vergessen: Der Spass auf dem Fluss kann schnell gefährlich werden. Konkrete Zahlen zu Unfällen mit Gummibooten auf der Limmat kann die Lebensrettungs-Gesellschaft zwar nicht angeben – sie erfasst nur Fälle, bei denen Beteiligte ertrinken. «Und dass sich Todesfälle im Zusammenhang mit Gummiboten gehäuft haben, wäre mir nicht bekannt», sagt Binaghi.

Wenn es aber zu Zwischenfällen mit «Böötlern» komme, so geschehe dies oft bei Brückenpfeilern oder Wehren, wie er erklärt: «Diese Stellen sind besonders gefährlich.»

Es sei wichtig, dass Flussfahrer bei einem Wehr mit den Booten frühzeitig vor einem Wehr an Land gingen und weit genug flussabwärts wieder einwassern würden. Problematisch ist laut Binaghi nämlich, wenn Flussfahrer nach dem Hindernis wieder zu früh einsteigen.

Denn: Die Wasserwalzen hinter den Wehren – wie sie in der Limmat etwa im Bereich Höngg und Dietikon vorkommen – können eine Sogwirkung erzeugen. «Ich weiss etwa von Fällen, bei denen die Gummiboote nicht mehr aus eigenem Antrieb aus der Walze rauskamen», so Binaghi.

Zwei Risikostellen gibt es

Auf dem Weg vom Zürcher Letten durch das Limmattal befinden sich zwei Wehre; eines am östlichen Ende der Werdinsel im Bereich Höngg und ein zweites beim Wasserkraftwerk in Dietikon.

Während Ersteres dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) gehört, betreiben das zweite die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). Die Verantwortlichen beider Wehre sagen auf Anfrage, dass ihnen keinerlei Unfälle von Schlauchbooten im Zusammenhang mit dem Wehr bekannt seien. «Und dies, obwohl die Frequenzen der Gummiboote in letzter Zeit stark gestiegen sind», sagt Thomas Arnet, Betriebsverantwortlicher beim Kraftwerk der EKZ in Dietikon.

Auch wenn in den Medien kaum Zwischenfälle mit «Limmatböötlern» dokumentiert sind – einer lässt sich doch finden: 2008 gerieten ein 39-jähriger Portugiese und sein 34-jähriger Bruder in einem Schlauchboot auf dem Unterwasserkanal in Höngg in die Wasserwalze.

Ihr Boot kenterte und die beiden Schiffbrüchigen wurden immer wieder unter Wasser gezogen. Schliesslich retteten sie Passanten mit einem Rettungsring, der an einem Seil befestigt war.

Die EKZ und das EWZ sind vom Kanton per Konzession verpflichtet, Bootsfahrenden bei der Passage der Wehre zu helfen. Dazu wurden sogenannte Kahnrampen erbaut: Von Sonnenauf- bis -untergang leisten Betriebsangestellte im Pikett-Dienst dort Hilfe, indem sie schwere Boote bei Bedarf mittels einer elektrischen Vorrichtung aus- und im Unterwasserkanal wieder einwassern.

In aller Regel würden sich Reisende mit solchen Vehikeln – meist Weidlinge oder Kajaks – vorgängig anmelden, sagt Esther Rutz vom EWZ. Die Angestellten könnten aber auch kurzfristig telefonisch gerufen werden. Beim Dietiker Kraftwerk ist laut Arnet gar ein Knopf installiert, mit dem Hilfe angefordert werden kann.