Birmensdorf

Wanderweg in der Nähe der Schiessanlagen ist aufgehoben

Aus der über 100-jährigen Schiesstätigkeit hat sich in den Kugelfängen viel Blei angesammelt. Nun bleibt die Frage, wer die Sanierung der Kugelfänge bezahlt.

Aus der über 100-jährigen Schiesstätigkeit hat sich in den Kugelfängen viel Blei angesammelt. Nun bleibt die Frage, wer die Sanierung der Kugelfänge bezahlt.

Bei einem Unfall auf dem Waffenplatz Reppischtal wurde ein Armeeangehöriger verletzt. Ein naher Wanderweg wurde abgeschafft. Der Wanderweg ist seit längerem nicht mehr im kantonalen Richtplan, signalisiert wurde dies erst vor einer Woche.

Der Wanderweg auf dem Streckenzug von Egg über das Ober-Reppischtal zum Hafnerberg, der an den Schiessanlagen des Waffenplatzes Zürich-Reppischtal vorbeiführt, wurde aufgehoben. Mitverantwortlich dafür ist ein Schiessunfall auf dem Waffenplatz, der sich im März ereignet hatte. Der Wanderweg befinde sich schon seit längerer Zeit nicht mehr im kantonalen Richtplan, erklärt Christoph Roth, technischer Leiter der Zürcher Wanderwege. Nur: Signalisiert wurde dies erst vor rund einer Woche.

Die Abschaffung des Wanderwegs sei bereits vor Roths Zeit als technischer Leiter beschlossen worden. Unfälle in Zusammenhang mit der Schiessanlage habe es seines Wissens auf dem Wanderweg zwar nie gegeben. «Doch wahrscheinlich wurde das Risiko erkannt», so Roth.

Verletzter bei Schussübung

In Zusammenhang mit der Schliessung des Wegs steht auch ein Unfall, bei dem im Bereich der Schiessanlagen jüngst eine Person verletzt wurde. In einem Schreiben an eine über die Absperrung erzürnte Bürgerin nennt Roth noch diesen Vorfall als Grund der Wanderwegaufhebung. Eine Person sei von einem Querschläger getroffen worden.

Tobias Kühne, Mediensprecher der Militärjustiz, bestätigt, dass am 26. März eine Schiessübung auf dem Waffenplatz Zürich-Reppischtal einen Verletzten gefordert hatte. «Der Mann konnte das Spital aber noch am selben Tag verlassen», sagt Kühne. Eine Untersuchung sei eingeleitet, deren Abschluss Kühne im Herbst erwartet. Bis zu diesem Zeitpunkt macht die Militärjustiz noch keine Angaben zum Schussverlauf oder zum Standort des Verletzten.

Während Übungen gesperrt

Die Schliessung des Wanderwegs wirft Fragen auf: Bestand tatsächlich die Gefahr, dass verirrte Schüsse von Militärübungen auf Passanten treffen könnten? Der Waffenplatz Zürich-Reppischtal ist immerhin auch ein Naherholungsgebiet. «Während der Schiessübungen ist das Gebiet für die zivile Nutzung gesperrt», sagt Oberstleutnant im Generalstab Damian Casanova, Waffenplatzkommandant. Erst wenn sämtliche Massnahmen des Sicherheitsprotokolls, das unter anderem die Errichtung von Barrieren im Zielgebiet beinhaltet, erfüllt sind, wird das Feuer freigegeben.

Auf allen Wegen, die ins Gebiet führen, weisen während Schiessübungen von Militär oder Polizei unübersehbare Strassensperrungen auf die Gefahr hin. Wer diese passiert, betritt das Gebiet auf eigene Gefahr. Zudem werden alle Schiessübungen auf der Homepage des Waffenplatzes sowie auf den ins Gebiet führenden Wegen veranschlagt. So können sich die Leute schon vorab darüber informieren, ob ihre Naherholungsroute zur geplanten Zeit begehbar ist oder nicht.

Trotz Sicherheitsmassnahmen kam es aber im März zu diesem Unfall. Obwohl die Schliessung des Wanderwegs schon länger geplant war, hatte der Vorfall nicht unwesentliche Folgen für das weitere Vorgehen mit dem Wanderweg. «Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen, aber zur Verstärkung des Sicherheitsdispositivs wurde die Schliessung des Wanderwegs während der Schiesszeiten beschlossen», so Casanova.

Schilder werden oft später entfernt

Wohl, weil der Aufwand für eine Sperre bei jeder Schiessübung zu gross war, und weil die Aufhebung sowieso bereits auf dem Plan stand, wurde der Prozess nun vorangetrieben. Eine letzte Frage ist, warum der Wegweiser, der den ehemaligen Wanderweg hinter den Schiessanlagen anzeigte, erst vor rund einer Woche entfernt wurde – also lange nach dem Beschluss der Abschaffung, und rund drei Monate nach dem Unfall.

Dazu sagt der technische Leiter Zürcher Wanderwege Roth: «Es ist normal, dass Wanderwegschilder nicht immer zeitgleich mit einer Aufhebung abmontiert werden.» Grund dafür seien viererlei Datensätze, mit denen die Zürcher Wanderwege arbeiten. Diese würden nicht immer simultan angepasst, weshalb manchmal auch eine Weile vergehen könne, bis eine Signalisation tatsächlich abgeschraubt werde. Der Wanderweg zwischen Egg und Hafnerberg im Reppischtal wurde von der Wanderwegkommission bereits im GIS (geografisches Informationssystem) eingetragen und führt nun statt über die Querverbindung via Schiessanlage über Schüren zurück zum Hafnerberg – «ein Riesenumweg», wie Roth gesteht.

Doch vielleicht ein Umweg, der sich lohnt.

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