Weiningen

Wandern an den Grenzen: «Ein einfacher Spaziergang wäre langweilig»

Hanspeter Haug (rechts hinten) erklärt die Bedeutung der Grenztafel..

Hanspeter Haug (rechts hinten) erklärt die Bedeutung der Grenztafel..

Mit Hanspeter Haugs Grenzumgängen kann man Interessantes über die Gemeinde erfahren.

Am Samstag hiess es in Weiningen die Wanderschuhe anziehen und durch die Wälder laufen. Die erste Etappe einer Wanderung entlang der Gemeindegrenze stand an. Gemeindepräsident Hanspeter Haug persönlich hat sich den Grenzumgang ausgedacht. Nicht nur, dass er Zeit seines Lebens in Weiningen wohnt. Er kennt auch die Limmattaler Wälder wie kaum ein anderer.

So nahmen am Samstagvormittag rund zwanzig gut gelaunte Wanderer die dreistündige Route in Angriff. Vom Weininger Gemeindehaus ging es zunächst mit dem Bus zum Parkplatz auf der Passhöhe des «Winiger» an der Gemeindegrenze zwischen Weiningen und Regensdorf. Dort führt ein ausgeschilderter Weg in den Wald hinein. Neugierig und gespannt folgten die Teilnehmer den interessanten Ausführungen von Hanspeter Haug. «Für den Grenzumgang habe ich mich entsprechend vorbereitet, damit die Interessenten von meinem Wissen profitieren können und etwas über die Gemeinde lernen. Ein einfacher Spaziergang wäre ja langweilig», meinte er lächelnd.

Wurzel von Grenzstreitigkeiten

Halt an der Waldgrenze zwischen Weiningen und Dällikon. Im Jahre 1545 gab es einen Grenzstreit zwischen den beiden Gemeinden. Um den Grenzverlauf in der Natur eindeutig erkennbar zu machen, musste ein ordnungsgemäss versteinter und entsprechend abgesicherter Grenzpunkt sichtbar werden. Haug führte die Gruppe an die Grenztafel sowie einen Grenzstein. Bei dessen Einweihung sei dies ein Anlass zum Anstossen gewesen, erklärte Haug. «Im Wald draussen läuft das so ab: Wenn man etwas mit den Nachbarn vereinbart, gehört ein gemeinsamer Znüni und etwas zum Trinken immer dazu.»

Auseinandersetzungen zwischen den politischen Gemeinden und der Holzkorporation gab es einige. Weiningen, Unterengstringen und Regensdorf stritten sich um rund sechs Hektar Nadelwalds. Regensdorf ging als Sieger hervor; für 10 000 Franken kostete die Gemeinde dieser Wald. «Schade hat unsere Gemeinde ihn nicht, der hätte sich super zugeschlossen an die Korporation», bedauert Haug. Um die Interessen mehrerer Gemeinden abzudecken, gibt es aber auch Zusammenlegungen wie beispielsweise die der Gemeinden Weiningen, Oetwil und Geroldswil. Auch der östliche Grenzstein der Waldzusammenlegung Wiesentäli lag auf der Wegstrecke. «Es kommt immer wieder zu Unklarheiten, wo die Waldgrenze genau verläuft, und stellenweise geht wertvolles Landwirtschaftsland verloren, weil der Wald sich ausdehnt», sagte Haug. Darum mache die Holzkorporation von der Möglichkeit Gebrauch, die Waldgrenze überall genau festzulegen. Das schütze Wald und Kulturland gleichermassen.

«Ich habe einiges gelernt»

Doch der Grenzumgang führte nicht nur durch den Wald. Die Gruppe lief bei Sonnenschein durch die Weininger Rebberge, überquerte den Chriesihoger in Unterengstringen und genoss traumhafte Aussichten auf eine imposante Bergkulisse. Beim Restaurant Föhrewäldli in Fahrweid war das Ziel erreicht und der Morgen klang mit einem Apéro aus. Der 72-jährigen Isabelle Hostettler hatte der lange Wanderweg nichts ausgemacht: «Ich bin es mir gewöhnt, da ich jeden Morgen eine fünf Kilometer Strecke an der Limmat entlang laufe.» Weltenbummler Miro Slezak war auch mit dabei. «Seit zwei Jahren lebe ich mit meiner Partnerin in Weiningen. Bei der Wanderung konnte ich nicht nur neue Leute kennenlernen, sondern auch einiges über die Gemeinde erfahren.»

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