Sie kam zu spät. Steckengeblieben im Strassenverkehr, weil auf der Schiene am Mittwochnachmittag nichts mehr ging. Fahrleitungsstörung in Schlieren. Dass es ausgerechnet ihr so erging, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Als Volkswirtschaftsdirektorin ist Regierungsrätin Carmen Walker Späh schliesslich hauptsächlich dafür zuständig, dass es reibungslos läuft im Kanton Zürich auf den Strassen, Wegen, Schienen, auf dem Wasser und in der Luft.

Sie war nach Dietikon gekommen, um an der Generalversammlung des Industrie- und Handelsvereins Dietikon (IHV) in den Räumen der EKZ ein Gastreferat zu halten. IHV-Präsident Josef Wiederkehr hatte die langjährige «Banknachbarin» aus Kantonsratszeiten eingeladen. Walker Späh informierte die rund 40 Limmattaler Wirtschaftvertreter über Aktuelles zu Verkehr und Wirtschaft im Kanton. Beeindruckende Zahlen waren darunter. Etwa dass auf 1000 Einwohner knapp 500 Personenwagen kommen, dass der ZVV pro Tag mehr als 1,6 Millionen Fahrgasttransporte verzeichnet, und dass zwischen 1990 und 2012 das Verkehrswachstum an Personenwagen bei 40 Prozent, das der Zürcher S-Bahn bei 152 Prozent lag. «Und der Verkehr wird auch künftig noch zunehmen, auch im Limmattal», meinte sie.

Gemäss der Vorgabe des Regierungsrats soll der Zuwachs hauptsächlich im Bereich des öffentlichen Verkehrs stattfinden. Bezüglich der Mobilität im Limmattal ist bis 2030 avisiert, beim öV von 14 auf 17 Prozent zuzulegen, beim Individualverkehr von 62 auf 59 zu reduzieren und beim Langsamverkehr die Quote bei 24 Prozent zu stabilisieren. Der Verkehr müsse mit der Dynamik im Limmattal Schritt halten. Denn die Zahl der Einwohner werde bis 2030 um 21 Prozent von 99 000 auf 120 000, die der im Limmattal Beschäftigten um 14 Prozent von 58 000 auf 66 000 zunehmen.

Die Zähne zusammenbeissen

Das Thema Limmattalbahn tangierte Walker Späh nur kurz. Dabei brachte sie ihre Erleichterung zum Ausdruck, dass es mit dem Bau jetzt vorwärtsgeht. Bei der Fragerunde kam IHV-Präsident Josef Wiederkehr auf das Thema zurück. Ob denn im Zuge des Baus demnächst auf einen Schlag überall Baustellen im Limmattal entstehen würden, wollte er wissen. «Es ist uns sehr wichtig, dass der Bau der Bahn für die Bevölkerung so erträglich wie möglich abläuft», erwiderte Walker Späh.

Man werde auf eine gute Abstimmung achten, und sie werde dafür sorgen, dass stets Ansprechpartner für Anliegen und Kritik zur Verfügung stehen. Es brauche aber auch Verständnis vonseiten der Bevölkerung für die unvermeidbaren Baustellen. «Der Bau der Limmattalbahn ist eine sehr anspruchsvolle Angelegenheit. Das müssen wir jetzt einfach durchleben.» Wiederkehr formulierte es noch etwas anders: «Bevor es richtig gut wird, müssen wir noch einige Zeit die Zähne zusammenbeissen.»

Auch Urs Jenny, Präsident der Dietiker IG Silbern, nutzte die Gelegenheit, bei der Regierungsrätin für ein wichtiges Anliegen der Gewerbler am Standstandort Silbern zu weibeln. Wie denn der aktuellste Stand bei der dringend gewünschten S-Bahn-Station Silbern sei, wollte er wissen. Man sei dran, das mit der SBB zu koordinieren, so Walker Späh. Für eine detaillierte Beantwortung müsse sie aber erst Informationen einholen. Sie versprach Jenny, in der Sache auf ihn zuzukommen. Jenny hatte auch ein starkes Argument vorgebracht. Wenn sie das nächste Mal mit dem öV anreiste und an der S-Bahnstation Silbern ausstiege, käme sie vermutlich pünktlich an, meinte er.

Generalversammlung des IHV Dietikon

Wirtschaftliche Dynamik ungebrochen

Nachdem im letzten Jahr ein Jahresverlust von 8000 Franken zu verbuchen war, freute sich der Vorstand des Industrie- und Handelsvereins Dietikon (IHV), dass er 2016 mit einem Plus von 17 000 Franken abschliessen konnte. Die Mitgliederbeiträge waren erhöht worden, und es wurden im Gegensatz zu 2015 auch keine politischen Aktivitäten finanziert. In seinem Jahresbericht freute sich Präsident Josef Wiederkehr darüber, dass die wirtschaftliche Dynamik im Limmattal ungebrochen ist.

Das zeige sich beispielsweise auch an den 40 Dietiker Firmenneugründungen im Jahr, die sich dauerhaft etablieren können. Auch die wichtigen Themenfelder, die einer Lösung harren, sprach Wiederkehr an: die ausstehende Moorschutzverordnung, die S-Bahn-Station Silbern, die verkürzte Autobahn-Ausfahrt in Dietikon, den Vollanschluss Spreitenbach. Der Vorstand wurde in globo und per Akklamation wiedergewählt. (GAH)