Im zweiten Anlauf klappte es. Nachdem ein erstes, von Kritikern als überdimensioniert kritisiertes Projekt im Herbst 1967 noch an der Urne scheiterte, stimmten die Dietiker Stimmbürger im Frühjahr 1968 dem überarbeiteten Entwurf für ein Gewerbeschulhaus zu. Zwei Jahre später konnte es bereits eingeweiht werden und mit ihm auch die knapp acht Meter hohe Betonskulptur des Plastikers und Kunstmalers Josef Staub auf der Ostseite des Gebäudes.

Die Skulptur ist wieder im Originalzustand zu betrachten.

Sowohl Schulhaus als auch Skulptur stehen heute noch an ihren angestammten Plätzen und sind aus Dietikon nicht mehr wegzudenken. Während Ersteres das Berufsbildungszentrum Amt und Limmattal beheimatet, bereichert Letztere den Stadtpark Kirchhalde.

Seit dieser Woche lässt sich die Skulptur wieder im Originalzustand von 1970 erleben. In den letzten Wochen wurde sie, wie auch das ebenfalls von Josef Staub geschaffene Wandrelief am Schulhaus, umfassend saniert. Beide Kunstwerke, die eine Einheit bilden, sind von der dicken Schicht Farbe befreit und zum Schluss mit einem Graffitischutz überzogen worden.

Damit erscheint eine Arbeit des 2006 verstorbenen Künstlers in neuem Glanz, die in seinem Gesamtwerk einen besonderen Platz einnimmt. «Es ist nicht die einzige Betonskulptur, die mein Vater geschaffen hat.

Eine weitere steht beispielsweise in Spreitenbach, im Langäcker-Quartier. Dennoch ist jene in der Kirchhalde nur schon ihrer Grösse und Konzeption wegen ein Solitär in seinem Schaffen», sagt Fredi Staub, der die Restaurierung begleitete. Die Zahlen sind in der Tat eindrücklich. Erbaut wurde die Skulptur an Ort und Stelle von denselben Arbeitern, die auch das Schulhaus errichteten. In 50 Tagen verbauten sie 6 Tonnen Armierungseisen, 25 Kubikmeter Beton und 300 Quadratmeter Schalung.

Josef Staub, der am 30. November 1931 geboren wurde und ab 1957 bis zu seinem Tod 2006 in Dietikon lebte, wuchs in Baar auf und machte eine Ausbildung zum Maurer. Später wurde er Bauleiter. Erste künstlerische Versuche unternahm er Anfang der Fünfzigerjahre in der Malerei. Mit auf den Baustellen gesammelten Eisenabfällen erschuf er in den Sechzigerjahren erste Reliefs.

1965 entstanden die ersten geometrisch geformten Vollplastiken. In den Siebzigerjahren konstruierte Staub die für ihn typischen abstrakten Plastiken aus Chromstahl, die im Laufe der Jahre immer kühnere Dimensionen annehmen. Sie machten ihn weit über die Landesgrenze hinaus bekannt. Seine Plastiken stehen an vielen öffentlichen Orten und in Privatsammlungen in der Schweiz, Europa und den USA.

Die Skulptur in der Kirchhalde war auf Initiative von Georges Künzler entstanden, dem Architekten des Gewerbeschulhauses. «Georges Künzler wohnte und arbeitete damals ebenfalls in Dietikon.

Er und mein Vater hatten schon vorher Projekte zusammen realisiert», sagt Fredi Staub. Künzler schwebte vor, dass die Skulptur ein Scharnier zwischen dem Schulhaus und der Parkanlage bilden sollte. «Man hat das Gefühl, als wäre der Park mit seinen angrenzenden Gebäuden um die Skulptur angeordnet», so Fredi Staub.

Für ihn, der den Bau hautnah miterlebte und ihn mit seiner Kamera dokumentierte, hat dieses Werk seines Vaters eine besondere Bedeutung. «Sie ist zu einem Wahrzeichen von Dietikon geworden. In den letzten 45 Jahren hat sich vieles verändert, die Skulptur steht aber immer noch an ihrem Platz. Sie ist ein Fixpunkt in einer sich rasant ändernden Umgebung», sagt Fredi Staub.

Die Skulptur in der Kirchhalde ist nicht die einzige Spur, die Josef Staub in Dietikon hinterlassen hat. So steht seit 1980 die von ihm geschaffene Plastik «Frido» beim Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof Guggenbühl. 1989 war Josef Staub Initiant und Mitorganisator der grössten Schweizer Eisenplastik- Ausstellung, der «Eisen 89». Auf vielen Plätzen und im Naherholungsgebiet Dietikons waren damals Werke aller bedeutenden Eisenplastiker der Schweiz aufgestellt. Noch heute bietet sich die Gelegenheit, Exponate aus dieser Zeit zu bestaunen. Beispielsweise beim Parkplatz Bahnhof Dietikon. Mächtig thront dort die Plastik «Duomo d’acciaio», zu Deutsch «Stahlkathedrale», des 2011 verstorbenen Silvio Mattioli, ferner «Sphäre II» von Gillian White beim Limmatuferweg oder «Tor» von René Moser vor dem alten Stadthaus.

Josef Staub setzte sich auch für die Kulturförderung ein. In Dietikon beispielsweise als Kursleiter der Elternschule oder als Mitinitiant der kulturellen Vereinigung «Limmethus» in den 1970er-Jahren.

Ein besonderes Geschenk hinterliess Josef Staub dem Gewerbeschulhaus in Form einer Zementstele, die sich im Eingangsbereich des Gebäudes befindet. Staub, der selber Maurer lernte, wollte den damals im Gewerbeschulhaus unterrichteten Maurerlehrlingen zeigen, dass man mit Beton mehr machen kann, als Häuser zu bauen.