Wahlen
Wahlkampf in Urdorf wird den Bürgerlichen überlassen

Acht Kandidaten bewerben sich um sieben Sitze im Gemeinderat – in Tat und Wahrheit kämpfen aber vier um drei. Eine «bürgerliche Allianz» versucht, Andres Herren (SP) und Urs Rimensberger (parteilos) in der Wahl auszustechen.

Alex Rudolf
Drucken
Teilen
Am 9. Februar entscheidet sich, wer künftig in Urdorfs Gemeindehaus die Fäden zieht..jpg

Am 9. Februar entscheidet sich, wer künftig in Urdorfs Gemeindehaus die Fäden zieht..jpg

LTA

Bei der Sanierung der desolaten Finanzlage Urdorfs gehe es darum, «Wünschbares von Notwendigem» zu trennen. Diesem Wortlaut bediente sich Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner nicht nur bei der aktuellen Befragung der Gemeinderats-kandidierenden, sondern auch beim Interview am Tag nach ihrer Wahl zur Gemeindepräsidentin am 9. März 2010. Die damals als «politische Senkrechtstarterin» bezeichnete EVP-Politikerin überzeugte mit ihrer frischen Art. Doch was ist nach Ende der ersten Legislaturperiode davon geblieben? Da keine andere Partei Anspruch auf den Posten der Gemeindepräsidentin Anspruch erhebt, wird Rottensteiner auch nach dem Wahltag vom 9. Februar noch der Exekutive vorstehen. Dass die prognostizierten Nettoschulden für das Jahr 2014 auf 30 Millionen anschwellen, somit höher denn je sein werden, ist ein Schönheitsfehler.

Ebenfalls in Sicherheit wähnen dürfte sich Finanzvorsteher Thomas Hächler. Noch vor vier Jahren lehnte der FDP-Politiker eine Kandidatur für das Präsidium aus beruflichen Gründen ab und wurde mit einem Vorsprung von knapp 100 Stimmen vor Rottensteiner mit einem Glanzresultat wieder in den Gemeinderat gewählt. Überraschend wäre es derweil nicht, wenn ihn die misslungene Spital-Teilprivatisierung – Hächler amtete als Spitalpräsident –, der gescheiterte Austritt aus dem Spitalverband oder der erwähnte Schuldenberg Urdorfs die eine oder andere Stimme kosten würde.

Sandra Rottensteiner (EVP, bisher) 49 Jahre alt, Kauffrau, lebt seit 1987 in Urdorf und war zwischen 2006 und 2010 Mitglied des Wahlbüros. Seit 2008 sitzt sie für die EVP im Gemeinderat. Im Jahr 2010 wurde sie zur Gemeindepräsidentin gewählt.
8 Bilder
Christian Brandenberger (CVP, bisher) 49 Jahre alt, Dipl. Ing. HTL, Geschäftsführer der eigenen Firma, ist in Urdorf aufgewachsen. Seit vier Jahren ist der CVP-Politiker Urdorfer Gemeinderat und ist Vorstand des Ressorts Planung, Bau und Umwelt.
Thomas Hächler (FDP, bisher) 54 Jahre alt, der gelernte Maschinenzeichner ist heute Leiter Sicherheit bei der Zürcher Kantonalbank. Er wohnt seit 1989 in Urdorf. Seit 1994 sitzt er im Urdorfer Gemeinderat und steht dem Ressort Finanzen vor. Zudem war er zwischen 2004 und 2010 Präsident des Spitals Limmattal.
Andreas Herren (SP, bisher) 52 Jahre alt, der diplomierte Übersetzer ist heute als selbstständiger Kommunikationsberater tätig. Er ist in Urdorf aufgewachsen, wohnte wegen des Studiums auch in Genf. Seit 1994 lebt er wieder in der Gemeinde. Seit 2010 ist er im Gemeinderat Vorstand für Gesundheit und Sicherheit.
Urs Rimensberger (parteilos, bisher) 56 Jahre alt, ist gelernter Tiefbau- und Eisenbetonzeichner. Aktuell ist er Bauleiter bei der Stadt Zürich. Seit dem Jahr 1997 wohnt er in der Gemeinde und ist seit 2007 im Gemeinderat, wo er dem Ressort Sportbetriebe und Liegenschaften vorsteht.
Olivier Buchs (FDP, neu) 41 Jahre alt, ist Ökonom und leitet zurzeit den Regulierungsbereich in einem Telekommunikations-unternehmen. Er wohnt seit dem Jahr 2002 in Urdorf und sitzt seit 2010 in der Urdorfer Schulpflege.
Axel Mathis (SVP, neu) 45 Jahre alt, der diplomierte Bauingenieur FH ist als Projektleiter in einer Bauunternehmung tätig. Er wohnt seit dem Jahr 1997 in Urdorf und hat bisher noch keine politischen Ämter bekleidet, jedoch über 30 Jahre Jugendarbeit in Vereinen geleistet.
Roland Stämpfli (SVP, neu) 55 Jahre alt, der Elektroniker mit Berufsmatura wohnt seit 1982 in Urdorf und arbeitet als Leiter der schweizerischen Geschäftsstelle Polizeitechnik. Schafft er den Einzug in den Urdorfer Gemeinderat, wäre dies sein erstes politisches Amt.

Sandra Rottensteiner (EVP, bisher) 49 Jahre alt, Kauffrau, lebt seit 1987 in Urdorf und war zwischen 2006 und 2010 Mitglied des Wahlbüros. Seit 2008 sitzt sie für die EVP im Gemeinderat. Im Jahr 2010 wurde sie zur Gemeindepräsidentin gewählt.

ZVG

Bürgerliche blasen zum Sturm

Fest im Sattel dürfte auch Christian Brandenberger (CVP) sitzen. Der Vorsteher des Ressorts Planung, Bau und Umwelt darf trotz des knappen Baulandes in der Gemeinde auf Erfolge wie beispielsweise die Überbauung Spitzacker, die im Jahr 2013 Grundsteinlegung feierte, zurückblicken. Er wurde vor vier Jahren mit dem drittbesten Resultat neu in die Exekutive gewählt.

Weitaus spannender fällt vermutlich der Kampf um die restlichen Sitze im Gemeinderat aus. Ende November bliesen die bürgerlichen Parteien zum Angriff, indem sie sich zum gemeinsamen Wahlkampf entschieden. EVP, CVP, FDP und SVP traten seither auf Plakaten und Anlässen zusammen auf. Der Sprecher dieser «bürgerlichen Allianz», Danilo Follador, ist bezüglich der Zielsetzung deutlich. Alle Kandidaten der Allianz-Parteien – es sind deren sechs – sollten die Wahl schaffen. So soll nicht nur der Sitz des nicht mehr antretenden Jürg Pauli (SVP) verteidigt, sondern auch derjenige von Andreas Herren (SP) oder der von Urs Rimensberger (parteilos) erobert werden.

Was geschieht mit dem Sitz der nicht mehr antretenden Barbara Meerwein (FDP)? Die Vermutung, dass ihr FDP-Parteikollege, Olivier Buchs (neu), diesen mühelos beerben wird, liegt nahe. Dies, weil Buchs bereits seit 2010 in der Schulpflege aktiv ist, seine Einsatzbereitschaft also bereits unter Beweis gestellt hat. Zudem gehört er mit der FDP einer Mittepartei an, die bekannterweise leichter an Exekutivämter kommt, als dies die Flügelparteien tun.

Greift bürgerliche Strategie?

Die Frage lautet somit: Schafft es die bürgerliche Allianz Herren oder Rimensberger aus dem Gemeinderat zu verdrängen? Gegen ein Gelingen dieses Vorhabens spricht der Bonus der Bisherigen, den Herren und Rimensberger innehaben. Herren ist seit 2010, Rimensberger seit 2007 in der Exekutive. Die Herausforderer von der SVP, Axel Mathis und Roland Stämpfli, sind hingegen aus politischer Sicht unbeschriebene Blätter. Dass die Urdorfer Wähler SVP-Politiker nicht nur der Parteizugehörigkeit wegen in ein Amt hieven, zeigte sich schon vor vier Jahren. Damals wurde Jürg Pauli mit einem Rückstand von knapp 300 Stimmen mit dem schlechtesten Resultat gewählt. Eine starke Basis sieht anders aus.

Oder kann es der SVP doch gelingen? Vor vier Jahren schnitt der Sozialdemokrat Herren am zweitschlechtesten ab. Wie erwähnt hatte er zwar rund 300 Stimmen Vorsprung auf den Letztplatzierten, aber die Frage bleibt, ob die Kooperation der Bürgerlichen diesen am 9. Februar schmelzen lassen kann. Haben Herren wie auch Rimensberger doch während des Wahlkampfs bisher noch nicht gross von sich reden gemacht.

Aktuelle Nachrichten