Bei der Sanierung der desolaten Finanzlage Urdorfs gehe es darum, «Wünschbares von Notwendigem» zu trennen. Diesem Wortlaut bediente sich Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner nicht nur bei der aktuellen Befragung der Gemeinderats-kandidierenden, sondern auch beim Interview am Tag nach ihrer Wahl zur Gemeindepräsidentin am 9. März 2010. Die damals als «politische Senkrechtstarterin» bezeichnete EVP-Politikerin überzeugte mit ihrer frischen Art. Doch was ist nach Ende der ersten Legislaturperiode davon geblieben? Da keine andere Partei Anspruch auf den Posten der Gemeindepräsidentin Anspruch erhebt, wird Rottensteiner auch nach dem Wahltag vom 9. Februar noch der Exekutive vorstehen. Dass die prognostizierten Nettoschulden für das Jahr 2014 auf 30 Millionen anschwellen, somit höher denn je sein werden, ist ein Schönheitsfehler.

Ebenfalls in Sicherheit wähnen dürfte sich Finanzvorsteher Thomas Hächler. Noch vor vier Jahren lehnte der FDP-Politiker eine Kandidatur für das Präsidium aus beruflichen Gründen ab und wurde mit einem Vorsprung von knapp 100 Stimmen vor Rottensteiner mit einem Glanzresultat wieder in den Gemeinderat gewählt. Überraschend wäre es derweil nicht, wenn ihn die misslungene Spital-Teilprivatisierung – Hächler amtete als Spitalpräsident –, der gescheiterte Austritt aus dem Spitalverband oder der erwähnte Schuldenberg Urdorfs die eine oder andere Stimme kosten würde.

Bürgerliche blasen zum Sturm

Fest im Sattel dürfte auch Christian Brandenberger (CVP) sitzen. Der Vorsteher des Ressorts Planung, Bau und Umwelt darf trotz des knappen Baulandes in der Gemeinde auf Erfolge wie beispielsweise die Überbauung Spitzacker, die im Jahr 2013 Grundsteinlegung feierte, zurückblicken. Er wurde vor vier Jahren mit dem drittbesten Resultat neu in die Exekutive gewählt.

Weitaus spannender fällt vermutlich der Kampf um die restlichen Sitze im Gemeinderat aus. Ende November bliesen die bürgerlichen Parteien zum Angriff, indem sie sich zum gemeinsamen Wahlkampf entschieden. EVP, CVP, FDP und SVP traten seither auf Plakaten und Anlässen zusammen auf. Der Sprecher dieser «bürgerlichen Allianz», Danilo Follador, ist bezüglich der Zielsetzung deutlich. Alle Kandidaten der Allianz-Parteien – es sind deren sechs – sollten die Wahl schaffen. So soll nicht nur der Sitz des nicht mehr antretenden Jürg Pauli (SVP) verteidigt, sondern auch derjenige von Andreas Herren (SP) oder der von Urs Rimensberger (parteilos) erobert werden.

Was geschieht mit dem Sitz der nicht mehr antretenden Barbara Meerwein (FDP)? Die Vermutung, dass ihr FDP-Parteikollege, Olivier Buchs (neu), diesen mühelos beerben wird, liegt nahe. Dies, weil Buchs bereits seit 2010 in der Schulpflege aktiv ist, seine Einsatzbereitschaft also bereits unter Beweis gestellt hat. Zudem gehört er mit der FDP einer Mittepartei an, die bekannterweise leichter an Exekutivämter kommt, als dies die Flügelparteien tun.

Greift bürgerliche Strategie?

Die Frage lautet somit: Schafft es die bürgerliche Allianz Herren oder Rimensberger aus dem Gemeinderat zu verdrängen? Gegen ein Gelingen dieses Vorhabens spricht der Bonus der Bisherigen, den Herren und Rimensberger innehaben. Herren ist seit 2010, Rimensberger seit 2007 in der Exekutive. Die Herausforderer von der SVP, Axel Mathis und Roland Stämpfli, sind hingegen aus politischer Sicht unbeschriebene Blätter. Dass die Urdorfer Wähler SVP-Politiker nicht nur der Parteizugehörigkeit wegen in ein Amt hieven, zeigte sich schon vor vier Jahren. Damals wurde Jürg Pauli mit einem Rückstand von knapp 300 Stimmen mit dem schlechtesten Resultat gewählt. Eine starke Basis sieht anders aus.

Oder kann es der SVP doch gelingen? Vor vier Jahren schnitt der Sozialdemokrat Herren am zweitschlechtesten ab. Wie erwähnt hatte er zwar rund 300 Stimmen Vorsprung auf den Letztplatzierten, aber die Frage bleibt, ob die Kooperation der Bürgerlichen diesen am 9. Februar schmelzen lassen kann. Haben Herren wie auch Rimensberger doch während des Wahlkampfs bisher noch nicht gross von sich reden gemacht.