Wahlhilfe
Wieso sich das Volk in Dietikon im Gegensatz zu Schlieren nicht online mit Kandidierenden vergleichen kann

Dietikon setzt bei den Wahlen nicht auf die Online-Wahlhilfe Smartvote, weil dem Stadtrat das Angebot zu teuer war. Die Stadt wirft Smartvote zudem vor, im Zusammenhang mit einem Vorstoss von Kerstin Camenisch (SP) vertrauliche Informationen weitergegeben zu haben.

Florian Schmitz
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Auf Smartvote können Wählende über einen Fragebogen mit vielen Themen herausfinden, welche Kandidierenden zu ihren Einstellungen passen.

Auf Smartvote können Wählende über einen Fragebogen mit vielen Themen herausfinden, welche Kandidierenden zu ihren Einstellungen passen.

Gaëtan Bally

In Schlieren können interessierte Wählerinnen und Wähler ihre politischen Einstellungen vor den anstehenden Wahlen mit acht von zehn Stadtratskandidierenden sowie etwas mehr als der Hälfte der 109 Gemeindeparlamentskandidierenden vergleichen. Möglich macht das die Onlineplattform Smartvote, die aus grossen Fragebögen zu diversen Themen Profile für Kandidierende erstellt. Diese erlauben der Wählerschaft, die Politikerinnen und Politiker besser einzuordnen und ausgehend von den eigenen Positionen Wahlempfehlungen zu erhalten.

Für die Erneuerungswahlen 2022 setzt die Hälfte der zehn grössten Städte im Kanton Zürich auf die Online-Wahlhilfe. Nicht dabei ist Dietikon.

«Der finanzielle und personelle Aufwand des Angebots Smartvote erscheint dem Stadtrat im Vergleich zum Nutzen zu gross»,

schreibt der Stadtrat in seiner am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf eine Kleine Anfrage von Kerstin Camenisch (SP). Das Angebot habe sich auf etwa 11'000 Franken belaufen, heisst es bei der Stadt auf Anfrage.

Gemeinderätin Camenisch wollte wissen, wieso der Stadtrat im vergangenen Sommer das Angebot von Smartvote für die kommenden Wahlen ablehnte; er tat dies mit der Begründung, die Entwicklung der Plattform bezüglich der Zusammenarbeit mit Gemeinden zunächst weiter beobachten zu wollen.

Im Gegensatz zu Dietikon ist der Nachbar Schlieren auf Smartvote präsent.

Im Gegensatz zu Dietikon ist der Nachbar Schlieren auf Smartvote präsent.

Smartvote

Unmut über weitergegebene Informationen

Der Stadtrat bestätigt in seiner Antwort das abgelehnte Angebot mitsamt Begründung, ist aber nicht erfreut, dass diese Informationen bis zu Camenisch vorgedrungen sind. Das Angebot sei in einem persönlichen E-Mail-Austausch zwischen der Stadtschreiberin und einer Mitarbeiterin von Smartvote thematisiert worden, schreibt der Stadtrat. «Es ist unprofessionell und entspricht nicht den erwarteten Anforderungen an Vertraulichkeit, wenn Informationen aus einem persönlichen E-Mail-Verkehr an Dritte weitergegeben werden.» Smartvote hätte Camenisch an die Stadtschreiberin weiterleiten sollen, die gerne Auskunft gegeben hätte, heisst es weiter in der Antwort.

Die SP Dietikon habe Smartvote für eine mögliche Zusammenarbeit kontaktiert und so erfahren, dass die Stadt das Angebot bereits abgelehnt habe, erklärt Camenisch auf Anfrage. Sie verstehe die Aufregung nicht, schliesslich seien keine sensiblen Informationen weitergegeben worden.

Die Gemeinderätin fragte die Stadt auch, was sie zu unternehmen gedenke, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen und die Wählerschaft näher zu den Kandidierenden zu bringen. «Es ist nicht die vornehmliche Aufgabe der Stadt, Wählende und Kandidierende zu vernetzen oder Wahlplattformen zur Verfügung zu stellen. Diese Tätigkeiten sollen durch die Kandidierenden und die Parteien ausgeführt werden», stellt der Stadtrat in seiner Antwort klar.

Zwei Erklärvideos sollen die Wahlbeteiligung stärken

Er erkenne aber die Wichtigkeit einer hohen Wahlbeteiligung. «Aus diesem Grund hat die Stadt zwei Erklärvideos herstellen lassen, die zur Wahl animieren sollen», schreibt der Stadtrat. Die Videos, die die Wichtigkeit der Wahlen sowie das korrekte Ausfüllen der Unterlagen erklären, sind unter anderem auf dem Youtube-Kanal und der Website der Stadt Dietikon zu sehen. Zudem erleichtere die Stadt in den Wochen vor den Wahlen die Plakatierung, um Kandidierende zu unterstützen.

Im Vorfeld der Wahlen hat die Stadt Dietikon Erklärvideos produziert.

Youtube/Stadt Dietikon

«Die Stadt hat eine niederschwellige Chance vergeben, die Wählenden den Kandidierenden näherzubringen», sagt Camenisch auf Anfrage. Gerade wegen der tiefen Wahlbeteiligung in Dietikon sei eine neutrale Informationsplattform wertvoll, um herauszufinden, wen man überhaupt wählen will. «Dafür lohnt es sich, etwas Geld in die Hand zu nehmen», sagt Camenisch. Sie will sich nun dafür einsetzen, dass Dietikerinnen und Dietikern bei der nächsten Wahl eine Onlineplattform mit Informationen zu den Kandidierenden zur Verfügung steht.

So wird im Februar 2022 gewählt.

Stadt Dietikon

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